22/12/2021
****Jahresendgrüße****
Liebe Wegbegleiter*Innen, Freund*Innen und Klient*Innen,
ich sitze da und las gerade nochmal meine Jahresendgrüße vom vergangenen Jahr, in der es um die Pandemie ging, um Ängste, Nöte, Spaltung und Müdigkeit - und dass wir wohl noch einen längeren Atem bräuchten… Wer hätte gedacht, dass der Atemzug ein solch langer werden würde! Wir sind an einem ähnlichen Punkt, was das Ungewisse betrifft, wieder gibt es so vieles, was wir nicht einschätzen, planen und wissen können. Das ist nicht leicht aushaltbar - für niemanden und das weltweit. Die psychischen Folgen der Pandemie und der Einschränkungen sind sicher noch nicht abschließend evaluiert - aber klar ist eine deutliche Zunahme von Angsterkrankungen, Depressionen, sogar Suizidgedanken in allen Bevölkerungsgruppen. Manche Menschen reagieren eher mit Rückzug und Niedergeschlagenheit, andere fühlen sich wütend und ohnmächtig angesichts der schwierigen Lage. Für viele gelten auch wieder massive Einschränkungen in ihrem sozialen, beruflichen und sonstigem Leben.
Kurzum: manche sind mehr, manche etwas weniger betroffen und für niemanden ist es leicht.
Eine tiefe Einladung, im Mitgefühl mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen zu bleiben.
Wie kommt man also gut durch diese Zeiten?
Annahme:
Erkennen, dass es nicht leicht ist. Sich zugestehen, weniger Energie zu haben, traurig, niedergeschlagen, aufgebracht, erschöpft zu sein. Es ist okay, sich nicht immer gut zu fühlen - besonders in diesen Zeiten. Du bist okay!
Selbstfürsorge:
Aus Grübeleien rauskommen und mehr in den Körper lauschen, Atem nachspüren, gibt es irgendwo Spannung, Druck, Enge? Dann sanft dort hinatmen und kleine intuitive Bewegungen zulassen, sich räkeln, strecken, den Kopf langsam von einer zur anderen Seite rollen, ….
Außerdem viel von dem tun, was uns nährt und gut tut: durchatmen, tanzen im Wohnzimmer, spazieren gehen, nahe Menschen treffen, bei denen wir uns sicher und geborgen fühlen, sanfte intuitive Bewegung, ausreichend schlafen, Teetrinken, Löcher in die Luft gucken, Netflixen, kochen, stricken oder was auch immer. Was nährt dich? Was bereitet dir Freude?
Ausrichtung:
Dankbarkeit ist ein „Wunderwerkzeug“ - denn es hebt die Energie, hilft uns auszusteigen aus negativen Spiralen und richtet unseren Blick auf das, wo wir reich und erfüllt sind. Manchmal ist es das Anerkennen, wie privilegiert und gesegnet wir sein können mit all dem Luxus von warmem Wasser, weichen Betten, einem Dach über dem Kopf und ausreichend Essen. Dann kommt ein wärmender Sonnenstrahl hinzu, ein leckerer Tee, ein tiefes, verbindendes Gespräch mit einem guten Freund, eine warme Geste von einem Fremden, ein Vogelgezwitscher mitten im Winter,… Wenn wir dankbar sein können für die großen und kleinen Dinge in unserem Leben, fühlen wir uns satter und zufriedener - und können resilienter durch schwerere Zeiten kommen. Die gute Nachricht: Dankbarkeit kann man üben, z.B. mit einem kleinen Dankbarkeitsheft, in das ich eine kleine Weile am Abend mal 5 Dinge eintrage, für dich ich heute dankbar sein kann. Wirkt Wunder!
Wenn ich auf mein persönliches Jahr zurückblicke, ist dort ganz viel Schönes geschehen, ich konnte die ganze Zeit weiter arbeiten, wofür ich sehr dankbar bin, habe Seminare (online und zum Glück auch offline) besuchen können, um neue Impulse aufzunehmen, habe Urlaube genossen und viele tolle Orte in Schweden und Italien kennengelernt, mit „alten" vertrauten Weggefährten ganz viele schöne, bewegende Momente erlebt, meine Tochter in ihrer Jugendzeit weiter begleitet und mich im Loslassen geübt, neue schöne Menschen in mein Herz und mein Leben gelassen, ganz viel Unterstützung erfahren, wo ich es mir gewünscht habe, viel gelesen und mein Wissen über Trauma vertieft, mich mehr aus den sozialen Medien zurückgezogen, um mich auf Wesentliches zu fokussieren, bin durch Täler gegangen und über Gipfel geflogen 🙂 Ein sattes Jahr, was mich selber noch mal mehr die Bedeutung von Erholungspausen und Selbstfürsorge gelehrt hat und mich dankbar zurückschauen lässt.
Die letzte Nacht war die längste des Jahres, die Wintersonnenwende. Ab jetzt werden die Tage also wieder länger - das Licht kehrt zurück und erinnert uns daran: auf jede Dunkelheit folgt das Licht, auf jeden Winter der Frühling - und auf jede Krise die Entspannung. Lasst uns das nicht vergessen und das Licht in uns bewahren.
Ich wünsche euch allen ein entspanntes Weihnachten oder was immer ihr feiert, macht es euch schön, sorgt liebevoll für euch selbst - und kommt gut ins Neue Jahr 2022!
Für dieses Jahr verabschiede ich mich und bin ab 4.1.22 wieder für euch da - im neuen Jahr dann hoffentlich auch wieder mit Frauenkreisen!
Bis dahin, herzlichste Grüße,
Nora Sonne