19/03/2026
Ein letztes Date, noch mal Zweisamkeit genießen, bevor die trubelige Zeit des Lebens zu Viert beginnt. Das Paar besucht seinen Lieblingsgriechen und gönnt sich im Anschluss eine dicke Kugel Carrotcake-Eis. Wie vor der Geburt ihres ersten Sohnes. Und auch dieses Mal spürt sie wenig später, wie sich ihr Bauch rhythmisch verhärtet. Sie kann noch ein erholsames Mittagsschläfchen halten, doch die Kontraktionen bleiben. Milde, aber regelmäßig.
2 Stunden später, inzwischen hat sich der Schleimpfropf gelöst, informiert sie die Hebammen.
Ihre erste Geburt war bis 8cm Muttermundseröffnung schmerzfrei, so dass sie es nicht wagt, die aktuelle Situation einzuschätzen.
Es ist richtig was los in dee Bude als die Hebamme die Wohnung betritt.
Sam und seine Babysitterin sind Zuhause angekommen, die Abendroutine beginnt. Die Anwesenden scherzen, wie perfekt das Timing wäre, würde es jetzt wirklich losgehen.
Die Schwangere lässt die Hebamme wissen, wann sie eine Wehe hat. Von Außen sichtbar ist das nämlich nicht.
Der Herzschlag des Babys ist kräftig, der Muttermund 5cm geweitet. Es geht wirklich los! Die Freude ist groß!
Die Frau schnattert weiterhin munter mit der Hebamme und wuselt durch die Wohnung. Mit entspannter Geschäftigkeit treffen die Eltern alle nötigen Vorbereitungen zum Aufbruch.
Ab und zu verharrt sie für wenige Sekunden, die Kontraktionen werden deutlicher, fühlen sich realistischer an.
Gut gelaunt und ein wenig aufgeregt geht es mit einem "ready, gang?" Richtung SJK.
Völlig entspannt betritt sie den Kreißsaal. Sie spürt konstanten Druck, der mit der Wehe intensiver wird.
Die Frau wechselt in ihr Geburtskleid, macht es sich zum CTG auf dem Bett gemütlich.
Sie wünscht sich weniger Beleuchtung, lauscht bei Schummerlicht der Musik.
Im Hintergrund das physiologische Klopfen des CTGs.
Der Muttermund hat sich in die Kreuzbeinhöhle verzogen. Das Köpfchen schiebt sich tief in den Beckeneingang.
Die Gebärende hat Druck auf dem Darm. Auf der Toilette kann sie sich lediglich von Luft erleichtern.
Sie nimmt auf dem Ball Platz, kreist ihr Becken mit Leichtigkeit. Die Hebamme und ihr Mann motivieren sie, in Bewegung zu bleiben. Sie spaziert im Saal umher und dann nochmal zur Toilette.
Unverrichteter Dinge kehrt sie zurück. Es ist wohl doch nur der Kopf, der ihr den vollen Darm vorgaukelt.
Die Frau mag sich wieder hinlegen und ausruhen. Das CTG läuft und zeigt, was auch sie wahrnimmt. Das Baby bekommt mehr Druck auf den Kopf, sie spürt ihn mehr vorne als hinten.
Er verabreicht seiner Partnerin den empfohlenen Weichmacher.
Sie ist sehr entspannt, redet und quatscht mit ihrem Mann und der Geburtshelferin. Die Wehen sind regelmäßig, im Liegen aber weniger intensiv.
Sie kommt in Bewegung und sucht die Toilette auf.
Auf Bitten der Ärztin legt die Hebamme einen Zugang und nimmt Blut ab.
Die Wehende atmet nun fokussierter, mit geschlossenen Augen erbittet sie sich Ruhe.
Sie fühlt etwas durch ihre Va**na rinnen, doch der pH widerlegt den vermuteten Fruchtblasenriss.
Langsam öffnet sich der Muttermund.
Kamillenteetrinkend wechselt sie die Positionen und geht natürlich auch wieder zur Toilette.
In Deutschland hat der Geburtstag ihrer Patentante begonnen. Es ist schön, dass ihr Sohn an diesem Tag zur Welt kommt. Und gleichzeitig ist sie frustriert und ungeduldig über den sich ziehenden Verlauf.
Die Frau legt sich zurück aufs Bett. Sie ist ruhig, beteiligt sich nur sporadisch an dem Gespräch im Raum. Unregelmäßig hört mensch sie leise pustend veratmen. Die Kontraktionen nehmen an Intensität zu.
Er massiert ihre Füße, reicht ihr Getränke und auf Wunsch etwas zu essen.
Zurück von der Toilette stellt sie sich auf den Kopf. Sie toleriert keine Berührung, konzentriert sich auf die Übung und ihre Atmung.
Enttäuschung und Unzufriedenheit machen sich breit, gefühlt gibt es keinen Fortschritt. Ihren Darm kann sie, trotz Einlauf, auch nicht entleeren, obwohl sie das Gefühl hat, dass es dann besser laufen würde.
Ich gebäre dieses Kind durch meinen Hintern, scherzt sie. Im Stehen, auf das Bett gestützt, fragt sie sich, ob ihre Kinder oder ihr Körper dickköpfiger sind.
Zusammen mit ihrem Mann verschwindet sie im Bad. Das Paar spricht leise miteinander während sie das angenehm warme Wasser der Dusche genießt.
Als die Zwei in den Kreißsaal zurückkommen, gibt es endlich den ersehnten Erfolg zu berichten.
Mit leerem Darm scheinen die Wehen gleich etwas stärker.
Er massiert ihr die Schultern und der Duft von Lavendel breitet sich aus.
Sie möchte den Raum abgedunkelt und ihren Mann ganz nah bei sich haben.
Die Hebamme holt noch eine Matte und verlässt dann den Raum.
Nach kurzer Zeit sind die Kontraktionen nicht mehr hörbar, aber ein sonores Schnarchen erklingt.
Ihr Körper holt sich die Erholung die er braucht. Die Wehen sind weiterhin gut aushaltbar und sie kann mehrmals kurz einschlafen.
Der Druck ist nun mittiger und tiefer. 8cm sind geschafft.
Erst, ergänzt die Gebärende missmutig. Die Hebamme feiert: der Muttermund ist nun gut erreichbar - das ist ein großer und wichtiger Fortschritt.
Die nächsten möglichen Schritte werden besprochen. Die Geburtshelferin hat Sorge, dass weitere Stunden Geburtsarbeit die Schwangere ihre Kraft und Motivation kosten werden.
Die Frau hat Angst. Sie ist erschöpft und frustriert. Sie hat Angst vor den Schmerzen, einer endlosen Pressphase und dem anschließenden Schlafmangel. Diese Geburt erinnert sie an zu vielen Stellen an den Verlauf der ersten. Die steckt ihr offensichtlich noch mehr im System als gedacht.
Sie zittert und weint, zieht sich ins Badezimmer zurück. Er tröstet sie liebevoll und zärtlich. Steht ihr wortlos bei.
Die Hebamme lässt die Eltern einen Moment allein.
Alternativen und Möglichkeiten werden besprochen. Die Frau versteht, die Angst bleibt. Und mischt sich mit der Traurigkeit über das, in den vielen vergangenen Stunden, verlorengegangene Vertrauen in ihren Körper.
Der Preis (ein wundervolles Baby) ist der Gleiche, egal auf welchem Weg frau ihn gewonnen hat, spricht sie sich selbst Zuversicht und Mut zu.
Noch mal kurz ausruhen und die Playlist wechseln. Energiegeladene, feelgood Songs zur Motivation.
Sie fordert Ruhe während der Wehe, mag nicht mehr reden und spaßen. Es ist hart. Sie hat Angst.
Die Hebamme wartet geduldig bis die Frau bereit ist, den nächsten Schritt zu wagen.
Sie verkriecht sich unter ihrem Kissen, sammelt und überwindet sich.
Wenig klares Fruchtwasser fließt. Der Muttermund nur noch als Saum tastbar.
Die Hebamme holt das versprochene Lachgas und erhält bei ihrer Rückkehr die frohe Kunde, dass die letzte Wehe bereits deutlich kräftiger war. Sie liegt auf der Seite, hält seine Hand. Zum ersten Mal ertönt ein lautes, melodisches Tönen.
Zwei Wehen später legt sie die Maske zur Seite und folgt der Aufforderung in den Vierfüßler zu kommen. Es drückt wieder auf den Darm. Er reicht ihr den Kamm.
Die Gebärende gibt dem Druck nach. Blut tropft aus der V***a. Die Hebamme schiebt die Muttermundslippe sanft und gibt dem drängenden Köpfchen den Weg frei.
Laut tönend, schreiend spürt sie das Tiefertreten des Kindes. Der Herzschlag verlangsamt sich.
Unaufgeregt aber bestimmt leitet die Hebamme sie während der Pause zum Atmen, mit der Wehe zum tiefen Stöhnen und mutigen Mitschieben an.
Die starke Frau setzt die Ansage bravourös um. Sie drückt in den Schmerz, so als würde sie ihr Kind durch den Po gebären.
Ein dunkler, voller Haarschopf wird und bleibt sichtbar.
Die herbeigeklingelte Ärztin kommt in den Kreißsaal und der Kopf steigt ins Licht.
Joshi schneidet Grimassen und stößt, noch zwischen den Welten, seinen ersten, lauten Schrei aus.
Er verlässt kurz seine Stellung an der Seite seiner Frau und blickt seinem Sohn ins Gesicht, jauchzt vor Freude und Glück.
Mit der nächsten Wehe gebiert sie ihr Kind.
Das kleine haarige Bündel liegt vor seinem Eltern. Sie starrt stumm auf ihr Baby. Ungläubig. Das war großartig, flüstert sie. Ich fühle mich so gut. Wieder schaut sie wie in Trance auf ihr Kind.
Er jubelt, freut sich, knutscht seine tolle Frau.
Die drückt die Hebamme an sich: ich war bereit dich zu hassen...
Noch ein Moment des Staunens, des Begreifens, dann nimmt sie ihren zweiten Sohn zu sich.
Die Plazenta wird ebenfalls kurze Zeit später ganz einfach und vollständig geboren.
Abwechselnd nehmen die Eltern Joshua auf ihre Brust. Sie reden über die Geburt und bewundern den Neugeborenen.
Nach der Versorgung der Geburtsverletzungen fühlt sie sich bereit, zu stillen. Es klappt ganz toll. Und auch die Nachwehen sind aushaltbar.
Der Gedanke an Schlaf und das im eigenen Bett ist so verlockend und überzeugend, dass die kleine Familie doch spontan beschließt, nach Hause zu fahren.
Natürlich nicht, ohne noch den obligatorischen und verdienten Stopp beim Hamburgerkönig einzulegen.
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