03/04/2026
Karfreitag ist für uns als Bestatterinnen und Bestatter kein abstrakter Gedenktag. Er berührt genau das, was uns im Alltag immer wieder begegnet.
Wir werden oft gefragt, ob wir an ein Leben nach dem Tod glauben. Und es sind nicht nur gläubige Menschen, die diese Frage stellen. Häufig sind es Angehörige, die sich von der Kirche entfernt haben und die doch im Angesicht des Todes, beim Abschied am Verstorbenen, innehalten und sich fragen: Gibt es da vielleicht doch noch etwas?
Wir stehen gemeinsam am Verstorbenen. Und gleichzeitig spüren wir: Das, was dort liegt, ist nur der Leib, die Hülle. Der Mensch, der eben noch da war, ist nicht mehr greifbar.
Wo ist der Geist? Wo ist die Seele? Was bleibt?
Bleibt etwas von den Gefühlen, von der Liebe, von dem, was diesen Menschen ausgemacht hat? Oder bleibt vor allem die Sehnsucht danach?
Wir legen den Körper in die Erde – im Sarg oder nach der Einäscherung als Urne. Ein klarer, endgültiger Schritt. Und doch bleiben die Fragen.
Geht es gläubigen Menschen besser als denen, die sich selbst als nicht gläubig sehen? Oder denen, die den Tod vor allem biologisch betrachten? Wir erleben, dass diese Unterscheidung oft weniger Bedeutung hat, als man denkt. Die Fragen sind bei fast allen da.
Karfreitag lässt uns vielleicht etwas intensiver darüber nachdenken als sonst im Jahr.
Wir sehen Jesus Christus am Kreuz und wissen zugleich: Die Antwort, die viele mit Ostern verbinden, ist an diesem Tag noch nicht da.
Vielleicht ist Karfreitag genau deshalb so still.
Weil er Fragen offen lässt.