Naturheilpraxis Jean-Peter Lange

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Das Lebendige muss sich in ständiger innerer Bewegung befinden, um in einem veränderten Umfeld immer das gleiche Wesen zu bleiben. Als Heilpraktiker begeben wir uns auf die Suche nach verborgenen Gründen für Ihre gesundheitlichen Probleme, die nicht selten sogar die offensichtlichen Gründe sind. Nicht jede Erkrankung oder jedes Leiden kann mit Hilfe der Lehrmedizin durch die Einnahme von klassisc

hen Medikamenten nachhaltig gelöst werden. Mit bewährten Diagnoseverfahren gehen wir der Sache auf den Grund und finden die Auslöser für Ihr Leiden. Zunächst nehmen wir uns in der Regel ausreichend Zeit für ein intensives Gespräch. Durch eine sehr frühe Diagnose von Funktionen und Organen, dem Aufspüren von umwelttoxischen Belastungen und der gezielten Heilung geschädigter Systeme unterscheiden wir uns in der Vorsorge von der klassischen Lehrmedizin. Durch erfahrungsheilkundliches Fachwissen, innovative Methodik und breites Therapiespektrum biete ich Ihnen eine erstklassige Behandlung.

08/04/2026

Dermatologie
Vitamin C und seine Bedeutung für die Hautgesundheit
Oxidativer Stress wird als Ursache für Hautalterung und viele Hauterkrankungen verantwortlich gemacht. Vitamin C kann die Infektabwehr unterstützen und gleichzeitig überschießende Entzündungen eindämmen.

Aline-Maria Rühtz‡ , Claudia Vollbracht‡
Inhalt
Orangen und Vitamin C Ampullen mit Spritze.
Yulia/stock.adobe.com
Vitamin C ist eines der wichtigsten physiologischen Antioxidantien und damit ein bedeutender Immunmodulator, der die Infektabwehr unterstützen und gleichzeitig überschießende Entzündungen eindämmen kann.
Die Haut ist das größte Organ und übernimmt viele wichtige Funktionen – sie ist Atmungs-, Stoffwechsel-, Schutz-, Sinnes- und Ausscheidungsorgan. Im gesunden Zustand schützt sie vor dem Eindringen von Bakterien, Viren und Pilzen. Sie hat aber auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die tägliche Lebensqualität, weil die Haut als Spiegel unseres Inneren gilt und man sich mit einer gesunden Haut wohler fühlt.

Sich in seiner Haut wohlfühlen
Für viele Funktionen der Haut ist Vitamin C als enzymatischer Kofaktor sowie als effektives Antioxidans erforderlich [1]. Gesunde Haut enthält deshalb hohe Konzentrationen an Vitamin C. Unsere Hautzellen sind dauerhaft den potenziell schädlichen Auswirkungen freier Radikale ausgesetzt, die sowohl durch endogene als auch durch exogene Faktoren erzeugt werden [2]. In einem Review weisen mehrere Studien darauf hin, dass der Vitamin-C-Spiegel bei gealterter oder lichtgeschädigter Haut erniedrigt ist. Ob dieser Zusammenhang Ursache oder Wirkung widerspiegelt, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass eine übermäßige Exposition gegenüber oxidativem Stress durch Schadstoffe oder UV-Bestrahlung mit einem erschöpften Vitamin-C-Spiegel in der Epidermisschicht verbunden ist [1]. Neben UV-Strahlung und schädlichen Umwelteinflüssen führen vor allem Entzündungen und chirurgische Eingriffe zu einem hohen Verbrauch an Vitamin C. Ein Vitamin-C-Mangel ist deshalb häufig nach chirurgischen Eingriffen, bei Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis, Asthma und Allergien zu beobachten [3]. Ein Defizit an Vitamin C kommt also häufiger vor, als oftmals angenommen wird, und kann auch Auswirkungen auf die Hautgesundheit haben. Ein Mangel kann also hautnah zu sehen und zu spüren sein.

Die Funktionen von Vitamin C haben eine direkte Auswirkung auf die Wundheilung und eine vitale Haut:

Schutz vor oxidativem Stress
Binde- und Stützgewebe (z. B. Kollagenbildung)
Immunmodulation (antientzündlich, Infektabwehr)
Oxidativer Stress belastet die Haut
Durch den ständigen Kontakt mit der Außenwelt ist die Haut mehr oxidativen Einflüssen ausgesetzt als die meisten anderen Organe des menschlichen Körpers und sie ist der Ort, an dem die ersten sichtbaren Zeichen der Alterung auftreten. Oxidativer Stress ist ursächlich an Hautalterung, Narben, Pigmentierungs- und Wundheilungsstörungen sowie am Abbau von Hyaluron beteiligt [4], [5].

Die Hauptfunktion der Haut besteht darin, als Barriere zu fungieren, und ihre einzigartige Struktur mit spezialisierten Zellsystemen spiegelt dies wider. Die äußere Schicht der Epidermis besteht überwiegend aus Keratinozyten und stellt somit den Hauptbestandteil der Schutzfunktion gegenüber der Außenwelt dar. Die innere Hautschicht sorgt für Festigkeit und Elastizität und unterstützt die Epidermis mit Nährstoffen. Hier befinden sich zahlreiche Blut- und Lymphgefäße. Oxidativer Stress spielt auch für die Hautgesundheit eine bedeutende Rolle. Schadstoffe und insbesondere UV-Strahlung können in der Haut zusätzliche Oxidationsmittel produzieren, die das körpereigene Schutzsystem überlasten und zu vorzeitiger Alterung, Schwächung der Immunfunktion und Hautkrebs führen können. Reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS) wirken sich sowohl auf die Epidermis als auch auf die Dermis aus. Sie können die Haut schädigen, indem sie mit den schützenden Lipiddoppelschichten im Stratum corneum zu Lipidhydroperoxiden reagieren, was zu einer allgemeinen Schwächung der Barrierefunktionen der Haut führen kann [6].

Die schädlichen Auswirkungen von ROS – abgesehen von Schäden an DNA, Proteinen und Lipiden – sind außerdem Störungen spezifischer Regulationsmechanismen und Signalwege im Zellstoffwechsel. Dies kann neben chronischen Entzündungen und Schwächung der Immunfunktionen auch zum Abbau von Gewebe führen. Wichtige Kontrollmechanismen des Körpers sind hierbei die MAP-Kinasen, der Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor, die antagonistischen Transkriptionsfaktoren NFκB und Nrf2 und vor allem die Induktion von Matrix-Metalloproteinasen (MMP), die dermales Bindegewebe abbauen [7].

Freie Radikale schädigen zudem Elastinfasern und verursachen eine Depolymerisation, d. h. einen Abbau von Hyaluronsäure [6], [8]. Oxidativer Stress kann also zu beschleunigter Faltenbildung, Elastizitätsverlust, Trockenheit, ungleichmäßiger Pigmentierung, Teleangiektasien, Reizanfälligkeit und langsamerer Wundheilung führen [6].

Da die Haut eine primäre Schutzschicht ist, konzentrieren sich die schädlichsten Auswirkungen äußerer Stressoren i. d. R. auf diese erste Barriere. Interessanterweise hat sich gezeigt, dass die allgemeine Aktivität von antioxidativen Enzymen in der Epidermis eine höhere Expression aufweist als in der Dermis [9]. Um dem erhöhten oxidativen Stresspotenzial entgegenzuwirken, besitzen Hautzellen mehrere Verteidigungsmechanismen, darunter schützende Enzyme wie Katalasen, Glutathionperoxidasen und Superoxiddismutasen sowie niedermolekulare Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E, Melatonin und Glutathion. Unter Umständen können diese Schutzmaßnahmen jedoch überlastet sein oder ganz umgangen werden [10].

ROS sind per se wichtig und werden im Körper bei jeder Entzündung gebildet. Sie sind notwendig, um extrazellulär den Entzündungsauslöser zu beseitigen und intrazellulär proentzündliche Prozesse zu aktivieren. ROS verursachen und verstärken auf diese Weise Entzündung, Ödeme, Leukozyteninfiltration, Schleimproduktion und Schmerz. Werden mehr ROS freigesetzt, als der Körper mit seinen antioxidativen Mechanismen abfangen kann, entsteht ein Teufelskreis aus Gewebeschädigung und Entzündung. Man bezeichnet dies als oxidativen Stress. Oxidativer Stress bedeutet ein Zuviel an ROS und damit einen Mangel an Antioxidantien. Dieses Ungleichgewicht ist ein wichtiger Faktor in der Pathogenese von Krankheiten wie Wundheilungsstörungen, Arteriosklerose, Diabetes, Katarakt, Asthma bronchiale, Alzheimer, Krebs und rheumatoide Arthritis [4], [5], [6]. Als wichtiges Antioxidans spielt Vitamin C eine tragende Rolle, um die Haut vor oxidativem Stress zu bewahren und die genannten schädlichen Auswirkungen möglichst in Grenzen zu halten. Durch seine hohe antioxidative Wirkungskapazität [11] könnte Vitamin C zudem einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Haut vor oxidativer Alterung und Hyaluron vor vorzeitigem Abbau zu schützen [8].

Ohne Vitamin C kein Kollagen
Kollagen besitzt eine einzigartige Kombination aus Flexibilität und Zugfestigkeit. Letztere ist höher als Stahl. Es ist das wichtigste Strukturprotein des Bindegewebes und der Haut. Mit einem Anteil von ca. 30 % am gesamten Körperprotein ist es das am häufigsten vorkommende Eiweiß des menschlichen Körpers. Die Konsequenzen einer unzureichenden Bildung sind deshalb am ganzen Körper zu spüren und zu sehen.

Vitamin C ist unabdingbar für die Ausbildung einer straffen und funktionsfähigen Tripelhelix der Kollagenfasern und kann die Bildung dieses wichtigen Strukturproteins induzieren. Wie alle Proteinbiosynthesen beginnt auch die Kollagenbildung am rauen endoplasmatischen Retikulum. Vitamin C steigert die Transkription und Translation von Prä-Prokollagen und damit die Syntheseleistung [12]. Anschließend erfolgt die Hydroxylierung bestimmter Prolin- und Lysinreste. Vitamin C ist essenzieller Kofaktor der beteiligten Enzyme. Die Prolin-Hydroxylgruppen wiederum bilden wichtige Wasserstoffbrücken, die Grundvoraussetzung für die Formation einer stabilen Tripelhelix aus 3 Kollagen-Polypeptidketten sind. Deshalb ist Vitamin C unerlässlich für die Bildung von Kollagen. Die Hydroxylgruppen geben dem Kollagen nicht nur Stabilität, sondern sind auch notwendig für die Exozytose, also den Transport aus der Zelle in den Extrazellularraum. Vitamin C fördert nicht nur ein gesundes und straffes Bindegewebe durch die Kollagensynthese, sondern ist auch an der Elastin-, Fibronektin- und Proteoglycanbildung beteiligt [13].

Synergien bei ästhetischen Behandlungen
Viele Verfahren der ästhetischen Medizin, z. B. Needling, Laser oder Peeling, induzieren die körpereigene Kollagensynthese. Für die Bildung von Kollagen ist der Körper auf Vitamin C angewiesen. Vitamin-C-Infusionen bieten eine Möglichkeit, einen klinischen Vitamin-C-Mangel zu beheben und damit die wesentlichen Funktionen von Vitamin C für die Haut aufrechtzuerhalten, z. B. die Kollageninduktion. Zudem ist Vitamin C wichtig für die Wundheilung, Durchblutung sowie Immunabwehr.

Insbesondere in der ästhetischen Dermatologie können Keloide, Hypertrophie, Ödeme und postinflammatorische Hyperpigmentierung als besonders leidvoll empfunden werden. Eine wesentliche Ursache sind auch hier ROS, die von Immunzellen während der Entzündung gebildet werden. Die dabei freigesetzten Zytokine und Histamine verstärken die Gefäßpermeabilität, Pigmentierung und Fibroproliferation und unterhalten durch eine Gewebeschädigung die anhaltende Rekrutierung von Immunzellen ins Wundgebiet. Für einen adäquaten ausgewogenen Entzündungsprozess mit guter Wundheilung ist die ROS-Neutralisation durch Antioxidantien notwendig, damit kein prooxidativer und damit proinflammatorischer Zustand entsteht, der für viele Komplikationen der Wundheilung verantwortlich ist.

Immunmodulation hilft den Wunden bei der Heilung
Wundheilung ist nicht nur ein Thema bei kleineren operativen Eingriffen in der ästhetischen Dermatologie. Alle chirurgischen Eingriffe und Traumata lösen oxidativen Stress aus und steigern damit den Verbrauch im Gewebe an Antioxidantien wie Vitamin C. Dies wird an signifikant erniedrigten postoperativen Vitamin-C-Spiegeln deutlich [14]. Eine niedrige antioxidative Kapazität vor einer Operation kann das Risiko für peri- und postoperative Gefäß- und Nervenschäden erhöhen. Es ist also plausibel, den erhöhten Vitamin-C-Bedarf nach Operationen oder anderen Verletzungen auszugleichen, um den Entzündungsprozess optimal zu begleiten und zu unterstützen. Hierbei steht die immunmodulatorische Eigenschaft von Vitamin C im Vordergrund. Es hat das besondere Talent, eine überschießende Entzündungsreaktion einzudämmen, ohne dabei die körpereigene Abwehr zu reduzieren: Vitamin C verbessert die Funktionen des Immunsystems und kann gleichzeitig antientzündlich wirken. Überdies wird immer deutlicher, dass Vitamin C an allen Phasen der Wundheilung beteiligt ist und ein Mangel fatale Folgen haben kann [15].

Persistierende Entzündung und oxidativer Stress sind mitverantwortlich für schmerzhafte chronische Wunden, wie venöse Ulzera, diabetisches Fußsyndrom, Dekubitus und traumatische Wunden. Diese Wunden durchlaufen nicht die normale Abfolge der Wundheilungsphasen, sondern bleiben gewissermaßen in der Entzündungsphase stecken, ohne die Proliferationsphase zu erreichen. Ein wesentlicher Grund hierfür ist das dauerhafte Ungleichgewicht zwischen M1- und M2-Makrophagen zugunsten des M1-Phänotyps. Die Wundheilungsstörung ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an ROS und gewebeabbauenden Proteasen, einen Mangel an Antioxidantien, Hypoxie und polymikrobielle Wundinfektionen mit Biofilmbildung [5]. Wundheilungsstörungen sind ein wichtiges Symptom von Vitamin-C-Mangelzuständen. In der proliferativen Phase ist Vitamin C für die Synthese, Reifung, Sekretion und Degradation von Kollagen wichtig. Der Körper ist bestrebt, die Homöostase von Vitamin C aufrechtzuerhalten, um die Verfügbarkeit für die Kollagensynthese sicherzustellen [16]. In den anderen Phasen wirkt Vitamin C vor allem als wichtiger Immunmodulator. In der Reinigungsphase unterstützt es eine optimale Infektabwehr [17] und zeigt experimentell Antibiofilmeffekte [18]. Als Immunmodulator kann es eine zu lange und damit kontraproduktive Entzündung dämpfen, da es in der Entzündungsphase der Wundheilung für die Apoptose und den Abbau von Neutrophilen notwendig ist und damit den Übergang in die Proliferationsphase ebnet. Vitamin C wirkt sich positiv auf die räumlich-zeitliche Expression von Faktoren aus, die mit dem frühen Abklingen von Entzündungen und dem Gewebeumbau in Zusammenhang stehen [19].

Positive Effekte bei entzündlichen Hauterkrankungen
Die entzündungshemmende Komponente von Vitamin C und seine Rolle für die Barrierefunktion der Haut kann auch bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen positive Effekte bewirken. Betroffene mit atopischer Dermatitis und Psoriasis beispielsweise zeigen deutlich reduzierte kutane Vitamin-C-Spiegel [20]. Hier kann eine gezielte Gabe von Vitamin-C-Infusionen eine mögliche Therapieoption darstellen. Die Ergebnisse einer aktuellen Beobachtungsstudie deuten darauf hin, dass hochdosiertes Vitamin C krankheitsspezifische Symptome wie Juckreiz und Unruhe sowie unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Depressionen und Konzentrationsschwäche reduziert [21]. Krankheiten wie allergische Rhinitis, Asthma und Dermatitis gehen trotz symptomatischer Medikation mit Funktionseinschränkungen im Alltag einher und verringern so die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Personen teilweise sehr. Bei der Behandlung allergischer Erkrankungen werden daher auch unspezifische Symptome als immer wichtiger angesehen: Die Schlafstörungen beispielsweise, die sich bei 92,5 % der Betroffenen in der genannten Beobachtungsstudie verbesserten, hatten einen nachweislich signifikanten Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Erkrankten mit allergischer Rhinitis und Neurodermitis [21]. Bei der Reduktion der spezifischen Symptome diskutieren die Autorinnen und Autoren die histaminreduzierende Wirkung von Vitamin C als mögliche Erklärung, da diese bereits in anderen Studien untersucht wurde. In einer klinischen Studie von 2013 reduzierten Vitamin-C-Infusionen mit 7,5 g L-Ascorbat bei Patientinnen und Patienten mit Allergien und Infektionen erhöhte Histaminkonzentrationen im Blut signifikant. Je höher die anfängliche Histaminkonzentration war, desto ausgeprägter zeigte sich der Reduktionseffekt durch Vitamin C [22].

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08/04/2026

Warum eine gesunde Darmschleimhaut so wichtig ist
Die Darmschleimhaut ist viel mehr als nur eine innere Auskleidung des Darms. Man kann sie sich wie eine Art Schutzfilter vorstellen, der jeden Tag genau auswählt, was in den Körper hinein darf und was besser draußen bleibt. Obwohl sie weniger als einen Millimeter dünn ist, hat sie sehr wichtige Aufgaben: Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass Vitamine, Mineralstoffe und andere wichtige Nährstoffe aufgenommen werden, während sie schädliche Keime und unerwünschte Stoffe abblockt.

Wird diese feine Schutzschicht jedoch geschwächt, kann sie durchlässiger werden. Dann gelangen Stoffe ins Körperinnere, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. In diesem Zusammenhang hört man oft den Begriff „Leaky Gut“, also ein „undichter“ Darm. Die möglichen Folgen reichen von Blähungen und Verdauungsproblemen, über Nahrungsmittelunverträglichkeiten, bis hin zu chronischen Entzündungen oder Hautbeschwerden. Auch ständige Müdigkeit oder eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte können damit zusammenhängen. Eine gesunde Darmschleimhaut ist deshalb nicht nur für eine gute Verdauung wichtig. Sie beeinflusst auch Dein Immunsystem, Dein Energielevel und letztlich Dein gesamtes Wohlbefinden.

Geschädigte Darmschleimhaut erkennen: Diese Symptome solltest du ernst nehmen
Statt eindeutiger Warnsignale zeigt der Körper eher diffuse Beschwerden, die man z.B. auch erst einmal auf Stress oder die Ernährung schieben könnte. Dadurch erkennt man eine geschwächte Darmschleimhaut oft nicht ab dem ersten Symptom. Typisch sind jedoch wiederkehrende Blähungen, Durchfall oder Verstopfung und manchmal beides im Wechsel. Auch ein aufgeblähter Bauch sowie Völlegefühl nach eigentlich gut verträglichen Lebensmitteln oder sogar Lebensmittelallergien können ein Hinweis auf eine geschwächte Darmschleimhaut sein.

Wichtig ist außerdem zu bedenken, dass sich die Beschwerden nicht immer nur direkt im Bauch zeigen. Durch den dauerhaften Entzündungszustand im Darm wird zudem das Immunsystem geschwächt und man kann sich kraftloser, erschöpfter und infektanfälliger fühlen. Wenn mehrere dieser Symptome immer wieder auftreten und keine klare Ursache erkennbar ist, lohnt es sich, unbedingt den Darm als möglichen Auslöser mit in Betracht zu ziehen.
Wie lange dauert die Regeneration der Darmschleimhaut?
Auf diese Frage gibt es eine gute Nachricht: Die Darmschleimhaut gehört zu den Geweben im Körper, die sich grundsätzlich gut erneuern können. Die Zellen der Darmwand haben sogar eine relativ schnelle Erneuerungsrate. Trotzdem braucht eine geschwächte oder gereizte Schleimhaut Zeit, um sich wirklich zu regenerieren und dann auch zu stabilisieren. Leider ist dieser Prozess nicht mit wenigen Tagen abgetan. Wie lange es dauert, hängt stark davon ab, wie lange die Belastung bereits besteht und wie ausgeprägt die Beschwerden sind.

Nach einer kurzfristigen Irritation kann sich die Darmbarriere innerhalb weniger Wochen wieder erholen. Bestehen die Probleme jedoch schon über Monate oder sogar Jahre, sollte man eher in längeren Zeiträumen denken. Wichtig ist außerdem, realistische Erwartungen zu haben. Die Regeneration verläuft selten geradlinig. Es kann Phasen geben, in denen sich vieles verbessert und zwischendurch Tage, an denen der Darm empfindlicher reagiert. Das bedeutet nicht automatisch einen Rückschritt, sondern ist oft Teil des Heilungsprozesses. Entscheidend ist die Kontinuität! Die Darmschleimhaut braucht verlässliche, unterstützende Rahmenbedingungen über einen längeren Zeitraum hinweg. Wenn Du Deinem Darm diese Stabilität gibst, schaffst Du die besten Voraussetzungen dafür, dass sich die Barrierefunktion Schritt für Schritt wieder aufbauen kann.

Worauf du außerdem achten solltest
Heilpflanzen sind meiner Erfahrung nach wirklich gut, um die Regeneration der Darmschleimhaut zu begleiten. Aber sie wirken natürlich am besten, wenn auch die äußeren Umstände stimmen. Zwei Faktoren spielen dabei eine besonders große Rolle: Ernährung und Stress.

Eine möglichst natürliche, wenig verarbeitete Ernährung entlastet den Darm deutlich. Frische Lebensmittel, ausreichend Ballaststoffe und eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen unterstützen die Zellerneuerung.
Gleichzeitig lohnt es sich, alles zu reduzieren, was die Schleimhaut zusätzlich reizt. Dazu gehören Zucker, Alkohol oder stark verarbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen.
Auch hastiges Essen oder ständig wechselnde Essenszeiten können einen sensiblen, noch nicht wieder ganz gesunden Darm unnötig fordern.
Manchmal hilft es schon, Mahlzeiten bewusst und in Ruhe einzunehmen. Der Körper kann Nahrung besser verwerten, wenn er nicht im „Nebenbei-Modus“ ist.
Sollte eine seelische Belastung oder seelischer Druck im Raum stehen, empfehle ich, sich auch diese mal genauer anzuschauen. Ist der Körper dauerhaft unter Spannung, schaltet er in einen Alarmzustand. Verdauung und Regeneration haben dann keine Priorität mehr und als Folge daraus arbeitet der Darm unruhiger, wird empfindlicher und Heilungsprozesse laufen langsamer ab. Deshalb gehört zur Stärkung der Darmschleimhaut auch, das eigene Stresslevel ehrlich zu betrachten:

Kleine Veränderungen können bereits viel bewirken: regelmäßige Pausen, ausreichend Schlaf, Spaziergänge, Atemübungen oder alles, was das Nervensystem sonst noch beruhigt.
Es geht nicht darum, Stress komplett zu vermeiden. Das ist bei den meisten von uns im Alltag kaum möglich.
Entscheidend ist, dem Körper immer wieder Phasen der Entspannung zu geben. Denn erst wenn der Organismus aus dem Dauer-Alarmmodus herauskommt, kann sich auch die Darmschleimhaut nachhaltig erholen.
Fazit: Dein Darm kann wieder gesund werden
Die Darmschleimhaut ist kein starres Gebilde, sondern ein lebendiges, anpassungsfähiges Gewebe. Auch wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten ist, bedeutet das nicht, dass sie dauerhaft geschädigt bleibt. Mit der richtigen Unterstützung, etwas Geduld und einem ganzheitlichen Blick auf Ernährung, Stress und Lebensweise kann sich die Darmbarriere Schritt für Schritt wieder stabilisieren.

Heilpflanzen sind dabei eine wertvolle Begleitung. Sie wirken sanft, regulierend und unterstützen den Körper in seinem eigenen Rhythmus. Gleichzeitig zeigt sich hier besonders deutlich: Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel vieler kleiner Schritte. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Kontinuität. Wenn Du Deinem Darm langfristig Aufmerksamkeit schenkst, stärkst Du damit nicht nur Deine Verdauung, sondern Dein gesamtes Wohlbefinden.

08/04/2026

Teemischung zur Unterstützung der Darmschleimhaut
Eine schleimhautstärkende Teemischung könnte z.B. so aussehen:

Zutaten
25 g Odermennigkraut (Herba Agrimoniae)
25 g Schafgarbenbläter und -blüten (Herba com Flores Millefolii)
20 g Ringelblume (Flores Calendulae)
15 g Malvenblüten (Flores Malvae silv.)
15 g Kümmelfrüchte (Fructus Carvi)
Zubereitung und Anwendung
Die Mischung vor der Anwendung gut durchschütteln. Dann für 1 Tasse 2 TL der Kräuter mit 250 ml heißem, abgekochten Wasser übergießen und abgedeckt 10-15 Minuten ziehen lassen. Davon sollten 3 Tassen über den Tag verteilt getrunken werden.

Hinweis: Ringelblume und Schafgarbe nicht bei Korbblütlerallergie anwenden. Sie können durch Spitzwegerichblätter (Herba Plantaginis lanceolatae) und Thymiankraut (Herba Thymi) ersetzt werden.

Seit Langem gelten bitter schmeckende Kräuter als probate Heilmittel insbesondere bei Magen- und Darm-Erkrankungen. Ihre...
26/03/2026

Seit Langem gelten bitter schmeckende Kräuter als probate Heilmittel insbesondere bei Magen- und Darm-Erkrankungen. Ihre Wiederentdeckung, Bedeutung und aktuelle Forschungsergebnisse rücken sie in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von Ernährung und Medizin. Bitterstoffe werden inzwischen therapeutisch für die Behandlung vieler Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt.

„Elixir ad longam vitam“ - Geschichte der Bitterstoffe

In den traditionellen Medizinsystemen des Ayurveda, der TCM oder tibetanischen Medizin werden bittere Heilkräuter vielseitig eingesetzt. Ihnen werden z. B. fiebersenkende, entgiftende oder beruhigende Wirkungen zugeschrieben. (1) Unter den von dem Arzt Hippokrates (ca. 460 - ca. 370 v. Chr.) beschriebenen 260 Arzneimitteln befanden sich immerhin 31 Bittermittel (2); Hildegard von Bingen (1098 - 1179) setzte sie häufig in ihrer Klostermedizin ein. Und von Paracelsus (1493-1541) stammt das berühmte Rezept „Elixir ad longam vitam“, welches überwiegend Extrakte aus Bitterstoff-Pflanzen enthielt. (3)

Diese Rezeptur inspirierte im 17. Jahrhundert den schwedischen Arzt Urban Hjärne (1641-1724) zur Entwicklung des berühmten Schwedenbitter, der aus Auszügen von Aloe, Myrrhe, Safran, Sennesblätter, Kampfer, Rhabarber-Zittwer und Angelika-Wurzeln sowie Manna cannelata bestand.

In den Kräuterbüchern des Mittelalters nahmen bitter schmeckende Pflanzen einen wichtigen Platz ein. Sie sollten bei zahlreichen inneren Leiden helfen, hervorgehoben aber wurde immer wieder ihre fiebersenkende Wirkung.

Diese nahm Samuel Hahnemann (1755 – 1843) zum Anlass, die bittere Chinarinde auf diese Wirkqualität zu untersuchen. Die Erkenntnisse dieses ersten Selbstversuches bildeten den Anfang vieler weiterer Substanz-Untersuchungen, die schließlich die Grundlage seiner Homöopathie-Lehre wurden.

Mit Aufkommen der Naturwissenschaften und damit moderner Analysemethoden begann die Identifizierung, Isolierung und Charakterisierung bitter schmeckender Komponenten von Heilkräutern.

In Mercks wissenschaftlichen Abhandlungen von 1920 finden sich chemisch-pharmazeutische Beschreibungen, toxikologische und pharmakologische Daten von 14 der damals häufig verwendeten Bitterstoffe, darunter z.B. Absinthin, Aloin, Arnicin, und Gentianin. Die Hauptwirkung wurde darin gesehen, dass sie „die Magennerven ebenso zu beeinflussen mögen wie die Geschmacksnerven, dass sie also einen Reiz ausüben, der das Gefühl des Appetits erzeugt.“ (4)

Für die Naturwissenschaft des 20. Jahrhunderts blieb aber die Stoffgruppe der bitteren pflanzlichen Substanzen bis zur Entdeckung der Bitterstoff-Rezeptoren im Menschen (im Jahre 2000) eher uninteressant (siehe weiter unten).

Wie bitter ist bitter? - Charakterisierung der Bitterstoffe

Chemisch gesehen gehören die pflanzlichen Bitterstoffe zu den unterschiedlichsten Stoffgruppen, z. B. Terpene, Alkaloide, Peptide, Aminosäuren etc. Es ist nicht möglich, die Bitterkeit einer Substanz aus seiner chemischen Formel abzuleiten. Daher wird der Bitterwert einer Pflanze oder eines Stoffes mittels einer qualitativen Prüfung organoleptisch durch den Menschen (!) ermittelt.[1]

Der Bitterwert eines Heilkrautes, einer Droge ist ein wichtiges Unterscheidungs- und Ordnungsmerkmal. Seine Zahl bedeutet den Kehrwert jener Verdünnung eines Stoffes, einer Flüssigkeit oder eines Extraktes, die ein Bitterschmecker eben noch als bitter schmeckt.

Die bitterste Heilpflanze in unseren Breiten ist der Gelbe Enzian: Der Inhaltsstoff Amarogentin hat einen Bitterwert von 58 Millionen. d. h. noch in einer Verdünnung von 1:58.000.000 ist die Bitterkeit zu schmecken. Zu den bittersten heimischen Pflanzen gehören Wermut- und Tausendgüldenkraut mit dem Wert 10.000 - 25.000 resp. 2000 - 10.000 (siehe Tabelle 1).

Das Geschmackserlebnis „bitter“ dient ebenfalls als Einteilung bitterer Pflanzen, die als Amara bezeichnet werden. Der Apotheker unterscheidet beispielsweise zwischen

Amara pura (Enzianwurzel, Bitterkraut, Tausendgüldenkraut),
Amara aromatica (Bitterkräuter mit ätherischen Ölen wie Angelikawurzel, Hopfenzapfen oder Wermut)
Amara adstringentia (enthalten zusätzlich Gerbstoffe und Tannine, u.a. Chinarinde und Bitterklee) oder
Amara acria (Ingwerwurzel, Kalmuswurzelstock, die Scharfstoffe enthalten)
Die Anzahl der bitter schmeckenden medizinisch verwendeten Pflanzen wird auf 250 geschätzt (siehe Tabelle 2).

[1] Dazu müssen die Prüfpersonen zuvor ihre subjektive Bittergeschmacks-Empfindlichkeit auf die Substanz Chininhydrochlorid, die als Standard-Vergleichssubstanz dient, als Korrekturfaktor feststellen.

Bitter ist gesund - Bitterstoffe in der Medizin

Traditionell werden Bitterstoff-Pflanzen bzw. ihre Extrakte bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden, zur Motilitätssteigerung der Darmperistaltik bzw. bei Magen-Darm-Erkrankungen mitunter auch bei Störungen des Galleflusses verordnet. In der Phytotherapie werden ihnen zusätzlich antidepressive und konstitutionsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Mit Erfolg werden sie auch bei Erschöpfung, Stress oder allgemein somatoformen Störungen eingesetzt. (5)

Neueste Studien zeigen eine antientzündliche, steroidmindernde und symptomlindernde Wirksamkeit von Wermut bei Patienten mit Morbus Crohn. (6)

Artischockenblattextrakte wiesen in verschiedenen Untersuchungen antibakterielle, hepatoprotektive bzw. stimulierende, hypocholesterische, choleretische, diuretische, antioxidative und Anti-HIV Effekte auf. An diesen vielfältigen Wirkungen der Artischocke sind vermutlich auch Flavonoide beteiligt. (7)

In der Anthroposophischen Medizin nehmen Bitterstoff-Präparate einen wichtigen Platz ein.
Amara-Tropfen von Weleda werden z. B. erfolgreich bei folgenden Indikationen eingesetzt: Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Völlegefühl.Die Rezeptur enthält 9 Bitterstoff-Pflanzen-Extrakte, darunter Auszüge aus den schon genannten wie Wermut, Enzian, Tausendgüldenkraut sowie Wegwarte, Schafgarbe, Salbei, Wacholder, Löwenzahn und Meisterwurz.

Ein häufig verordnetes Weleda-Medikament, das vor allem auf der heilsamen Wirkung der Bitterstoffe bei Verdauungs- und Stoffwechselschwäche auch mit chronisch entzündlichen Begleitprozessen beruht, ist Absinthium D1 / Resina laricis D3.

Nicht unerwähnt bleiben soll das Einzelstoffpräparat Gentiana lutea, ethanol. Decoctum D1, bewährt bei Magen-Darm-Störungen mit Blähungen, Appetitlosigkeit und Übelkeit, aber auch zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und entzündlicher Haut- und Gelenkerkrankungen.

In der Anthroposophischen Therapie werden häufig noch die bitterstoffhaltigen Heilpflanzen Absinthium (z.B. bei Verdauungs- und Stoffwechselschwäche), Cichorium intybus (z.B. zur Anregung der Leber- und Gallenfunktion) und Chelidonium (Erkrankungen der Galle) eingesetzt.

Unser Organismus ist ein „Bitterschmecker“ – die Bitterstoffrezeptoren

Die Geschmacksqualitäten süß, sauer, salzig, umami und bitter werden überwiegend durch Geschmacksknospen auf der Zunge wahrgenommen. Die Sinnesqualitäten Riechen und Schmecken sind aber nach neuesten Forschungen physiologisch nicht nur auf Nase und Mund beschränkt.

So wurde nachgewiesen, dass olfaktorische Rezeptoren nicht nur im Nasenepithel, sondern auch in verschiedenen anderen menschlichen Geweben, unter anderem der Haut, exprimiert werden.

In der internationalen Fachzeitschrift Nature Medicine wurde 2010 erstmals beschrieben, dass Bitterstoffrezeptoren auch in den Bronchien ausgebildet werden und bei Aktivierung zu einer Bronchodilatation führen. In den Folgejahren entdeckten die Forscher Bitterstoffrezeptoren auch in vielen anderen Organen und Geweben des Menschen, so ließen sich diese nicht nur im gesamten Magen-Darm-Trakt nachweisen, sondern auch in der Blase, dem Epithel der Haut, im Herzen, in den Spermien und im Gehirn. (8)

2015 entdeckten Mitarbeiter des Leiters der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Freiburg, Prof. Dr. Christoff Schempp, dass auch in menschlicher Epidermis Bitterstoffrezeptoren existieren. Sie konnten zeigen, dass z. B. das Amarogentin aus dem gelben Enzian und Salicin aus der Weidenrinde an Bitterstoffrezeptoren in der Haut binden und damit die Bildung von Schutzproteinen und Lipiden anregen, welche eine wichtige Rolle beim Aufbau der Haut-Schutzbarriere spielen. (9) So können Bitterstoffe auch äußerlich angewendet bei der Pflege von trockener Haut, z.B. bei Kontaktekzem und bei Neurodermitis von Nutzen sein.

Tabelle 1 - Beispiele für Bitterwerte*

Amarogentin 58.000.000
Enzianwurzel 10.000–25.000
Wermutkraut 10.000–25.000
Fieberkleeblätter 4.000–10.000
Tausendgüldenkraut 2.000–10.000
Pomeranzenschalen 1.000–2.500
Benediktenkraut 1.000–2.500
Chinarinde 1.000
Löwenzahnwurzel >100
* Nach Saller, Melzer, Uehleke, Rostock (5)

Tabelle 2 - Einteilung der bitteren Pflanzen ( Amara)*

Amara pura (tonica) Enzianwurzel, Bitterholz, Bitterklee, Tausendgüldenkraut
Amara aromatica (Bitterstoffe und ätherisches Öl) Angelikawurzel, Hopfenzapfen, Orangenschalen, Wermutkraut, Kardobenediktenkraut
Amara adstringentia (Bitterstoffe, Gerbstoffe und Tanine) Chinarinde, Conduragorinde, Bitterklee
Amara mucilagenosa (Bitterstoffe und bedeutsame Mengen Schleimstoffe Lichen islandicus
Amara acria (Bitterstoffe und bedeutsame Mengen Scharfstoffe) Ingwerwurzel, Kalmuswurzelstock


*modifiziert nach Saller, Melzer, Uehleke, Rostock

Quellenangaben

(1) Schrott E, Ammo H. Heilpflanzen der ayurvedischen und westlichen Medizin. Springer-Verlag; 2012
(2) Kobert R, Historische Studien aus dem Pharmakologischen Institut der Universität Dorpat. Halle: Verlag von Tausch & Grosse; 1889
(3) Hager H. Handbuch der pharmazeutischen Praxis: für Apotheker, Aerzte, Droguisten und Medizinalbeamte Teil1. Berlin: Verlag von Julius Springer; 1876
(4) Merck E. Merck's wissenschaftliche Abhandlungen aus den Gebieten der Pharmakotherapie, Pharmazie und verwandter Disziplinen. Bitterstoffe, Nr. 26, Chemische Fabrik, Darmstadt; 1920
(5) Saller R, Melzer J, Uehleke B, Rostock M. Phytotherapeutische Bittermittel Schweiz. Zschr: GanzheitsMedizin 2009; 21: 200-205
(6) Omer B. et al. Steroid-sparing effect of wormwood (Artemisia absinthium) in Crohn’s disease: A doubleblind placebo-controlled study. Phytomedicine 2007;14:87–95.
(7) Joy JF, Haber SL. Clinical uses of artichoke leaf extract. Am J Health Syst Pharm 2007; 64: 1906-1909
(8) Deshpaade D. et al. Bitter taste receptors on airway smooth muscle bronchodilate by localized calcium signaling and reverse obstruction.Natur Medicine 2010;16:1299-1304
(9) Wölfle U, Haarhaus B, Schempp CM. Amarogentin displays immunomodulatory effects in human mast cells and keratinocytes. Med Inflamm 2015. DOI: https://doi.org/10.1155/2015/630128

Über den Autor:
Dr. Manfred Kohlhase
Apotheker
Vorsitzender der Gesellschaft für Anthroposophische Pharmazie in Deutschland e.V. (GAPiD)
Präsident der Association of Anthroposophic Pharmacists (IAAP)

Keratinocytes express the bitter taste receptors TAS2R1 and TAS2R38. Amarogentin as an agonist for TAS2R1 and other TAS2Rs promotes keratinocyte differentiation. Similarly, mast cells are known to ex...

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