11/03/2022
Brennessel - die Heilpflanze des Jahres 2022
Nun sehe ich sie schon öfters am Wegrand, am Feld und in meinen Gartenbeeten - sie ist eine ständige liebgewonnene Begleiterin und da sie heuer die Heilpflanze des Jahres ist, werde ich sie Euch ein wenig genauer vorstellen.
Lat. Name Urtica dioica (große) oder Urtica urens (kleine)
Sie gehört in die Familie der Nesselgewächse, Urticaceae.
Vorkommen: überall in der Natur, in der Nähe von menschlichen
Behausungen, an Zäunen, Schuttplätzen, Wegrändern, Wald.
Ein starker Brennnesselwuchs gilt allgemein als Zeiger für einen
stickstoffreichen Boden.
Eine große Anzahl Brennnesseln in einem Gebiet erlaubt es somit, auch ohne chemische Untersuchungen, Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit zu ziehen.
Inhaltsstoffe: Kieselsäure, Gerbstoffe, Histamin, Ameisensäure, Essigsäure, Kaffeesäuren, Magnesium, Eisen, Kalium, Silicium, Natrium, Chlorophylle, Karotinoide, Vitamin B, Enzyme, Lignane
Aussehen: Sie kann bis zu 3 Meter hoch werden und wächst auf jedem Boden, auch in der Sonne bis Halbschatten. Die Brennnessel ist eine krautige Pflanze. Die ausdauernden Arten bilden Rhizome
als Ausbreitungs- und Überdauerungs-Organe.
Die grünen Pflanzenteile sind mit Brennhaaren besetzt. An den gerade wachsenden, aufrechten Stängeln wachsen die Laubblätter
meist kreuz-gegenständig. Der Blattrand ist gezähnt, die
Nebenblätter sind frei oder untereinander verwachsen.
Die Brennnesseln sind sehr unbeliebt da die Brennhaare bei
Berührung schmerzhafte Quaddeln (Schwellungen) verursachen
können.
Diese Brennhaare wirken als Schutzmechanismus gegen
Frassfeinde. Es sind lange Röhren, deren Wände im oberen Teil
durch eingelagerte Kieselsäure hart und spröde wie Glas sind.
Das untere, flexiblere Ende ist stark angeschwollen und in einen
Zellbecher eingesenkt, die Spitze besteht aus einem seitwärts
gerichteten Köpfchen, unter dem durch die hier sehr dünne
Wand eine Art Sollbruchstelle vorhanden ist.
Brennnesseln lassen sich gefahrlos anfassen, indem man sie von unten nach oben überstreicht. Andernfalls kann das Köpfchen schon bei einer leichten Berührung abbrechen und hinterlässt eine
schräge, scharfe Bruchstelle, gleich der einer medizinischen
Spritzenkanüle. Bei Kontakt sticht das Härchen in die Haut des
Opfers, und sein ameisensäurehaltiger Inhalt („Methansäure“)
fließt in die Wunde und verursacht brennenden Schmerz und
oft auch Entzündungen.
Weitere Wirkstoffe sind Serotonin, Histamin, Acetylcholin und Natriumformiat. Bereits ein Zehnmillionstel Gramm dieser Brennflüssigkeit reicht aus, um die bekannte Wirkung zu erzielen. Histamin erweitert die Blutkapillaren und kann Reaktionen hervorrufen, die allergischen Reaktionen ähneln. Frischer Brennnessel-Schnitt (z. B. bei Barfußgehen im Brennnessel-Gras-Mulch nach dem Rasenmähen) verursacht bei Hautkontakt keine Schmerzen, weil gebrochene Brennhaare nicht mehr in die Haut einstechen können. Eine Nesselsucht (Urtikaria) folgt aber später und intensiver an den Kontaktstellen mit empfindlichen
Hautschichten über der Fußsohle (Knöchel- und Spannbereich).
Als Gegenmittel gegen eine Verbrennung hilft der Saft vom
Spitzwegerich, der auf die Stelle gerieben wird. Dies nimmt den
Schmerz sofort.
Die Brennnessel hat einer allergischen Reaktion der Haut ihren Namen gegeben, der Nesselsucht oder Urtikaria.
Die eingeschlechtigen Blüten sind etwas reduziert. Es sind meist vier (zwei bis fünf) Blütenhüllblätter vorhanden. Die männlichen Blüten enthalten meist vier (zwei bis fünf) Staubblätter. Die weiblichen Blüten enthalten einen Fruchtknoten, der zentral in der Blüte liegt und aus nur einem Fruchtblatt gebildet wird.
Vermehrung: Wurzelteilung bzw. sät sie sich selbst aus. Brennnessel-Arten sind windbestäubt. Wenn sich bei den männlichen Blüten die Blütenhüllblätter öffnen, schnellen ihre Staubblätter hervor; dabei wird explosionsartig eine Wolke von Pollen in die Luft geschleudert. Der Wind überträgt anschließend den Pollen auf die weiblichen Blüten.
Verwendung: es kann die ganze Pflanze verwendet werden, also Blätter, Samen und die Wurzel. Gesammelt werden die jungen Blätter von März bis Oktober, die Wurzel vom Frühjahr bis in den
Herbst.
Für die Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten sind die Brennnesseln eine Futterpflanze, z.b. Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs.
Als Frühjahrsgemüse werden die jungen Brennnesseltriebe
wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, an Mineralstoffen
wie Magnesium, Kalzium und Silizium, an Vitamin A und C, an
Eisen, aber auch wegen ihres hohen Eiweißgehalts, der höher
ist als bei der Sojabohne (prozentual gesehen) und ihres
feinsäuerlichen Geschmacks geschätzt.
Besondere Verbreitung fanden Brennnesselgerichte in
Notzeiten, in denen Blattgemüse wie Spinat oder Gartensalat
zugunsten nahrhafterer Pflanzen kaum angebaut wurden, und
bei der armen Bevölkerung, da Brennnesseln auf Brachflächen
und in lichten Wäldern reichlich gesammelt werden können.
Eine bekannte Zubereitungsart ist die Nesselsuppe.
Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter
langen Pflanzen im Frühjahr oder bei größeren Pflanzen die
Triebspitzen. Der unangenehmen Wirkung der Nesselhaare
kann man entgegenwirken, indem man die Triebe in ein Tuch
wickelt und stark wringt, sie kurz blanchiert oder ihnen eine
kräftige Dusche verabreicht. Ist die Pflanze getrocknet, verliert
sie ebenfalls den Großteil ihrer reizenden Wirkung.
Übliche Zubereitungen sind roh als Salat (wobei die
Nesselhaare durch das Vermischen mit der Sauce zerstört
werden) oder blanchiert und wie Spinat verwendet als
„Brennnesselspinat“ oder Brennnesselsuppe.
Die Blätter können getrocknet und als Tee zubereitet
werden.
Früher wurden gelegentlich Butter, Fisch und Fleisch in
Brennnesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten.
Tatsächlich verhindern die Wirkstoffe der Brennnessel die
Vermehrung bestimmter Bakterien. Diese Praxis ist sogar
gerichtsnotorisch: 1902 wurde eine Berliner Milchhändlerin auf
Grund der Brennnesselblätter in ihrer Milch wegen
Lebensmittelverfälschung angeklagt. Mit der Begründung, dass
dies ein „allgemein geübtes Verfahren“ sei, wurde die
Händlerin jedoch freigesprochen.
Noch heute gibt man ganze oder gehackte Brennnesseln als
Vitaminträger in das Futter von Küken, Ferkeln und Kälbern,
damit sie schneller wachsen; auch als ganze Pflanzen gibt man
sie Hausschweinen in der biologischen Landwirtschaft gern als
Beifutter.
Stoffe aus Brennnesseln gab es bereits vor Jahrtausenden. Im
letzten Drittel des 19. Jahrhunderts lebte das Interesse an der
heimischen Faserpflanze aufgrund einer Baumwollknappheit
wieder auf. Um 1900 galt Nessel als das „Leinen der armen
Leute“. Zuletzt wurde sie im Zweiten Weltkrieg verstärkt in
Deutschland für Armee-Bekleidung verwendet.
Im Garten verwendet man auch heute noch die
Brennnesseljauche um sich vor unliebsamen saugenden
Insekten zu schützen, wie z.b. Blattläusen.
Die Brennnessel ist eine ausdauernde Pflanze welche dem
Menschen schon seit Jahren folgt. Überall dort wo er wohnt
oder wo er baut, wo er etwas zerstört hat oder wo seine Abfälle
lagern, siedelt sich die Brennnessel an. Sie heilt den Boden
indem sie zu viel Stickstoff umwandelt und verbessert den
Humus durch ihre kriechenden langen Wurzeln.
Sie bereitet den Menschen im Frühjahr auf einen neuen
Jahresstart hin. Ideal ist es hier den Pflanzensaft selber frisch
zuzubereiten. Der Saft schmeckt sehr metallisch da er einen
hohen Eisengehalt hat. Den Saft aber nicht pur sondern mit
Wasser oder Tee zu sich nehmen. Selbst hergestellter
Brennnessel Saft ist 2 Tage im Kühlschrank haltbar.
Brennnessel Wasser ist ideal um eine empfindliche Kopfhaut
damit zu reinigen. Die ausgefallenen Haare werden nicht mehr
nachwachsen, aber die noch bestehenden erhalten mehr Kraft
und werden widerstandsfähiger.
Gesundheitlicher Aspekt: Bereits Hippokrates wußte schon, daß die Brennnessel die wichtigste Pflanze zur Blutreinigung war und bis heute hat sich daran nichts geändert. Sie ist eine wichtige Pflanze zur Vermeidung von Blutarmut und Eisenmangel, vitalisiert die
Leber, Bauchspeicheldrüse, Magen, Darm und Galle. Man
nimmt sie zur Vorbeugung bei Nierenerkrankungen, sie hilft bei
Harnwegsinfekten und Prostatavergrößerungen. Weil
Brennnesseln Harnsäure austreiben, sind sie generell heilsam
für Gicht- und Rheumakranke. Man macht dazu 1x pro Woche
ein Vollbad mit dem Absud, trinkt Tee oder Saft und isst es auch
als Gemüse. Früher nahm man gerne ein Vollbad in
frischen Nesseln oder beschlug sich die betroffenen Körperteile mit
den Nesseln.
Man muss aber Acht geben bei eingeschränkter Herz- oder
Nierentätigkeit.
Wenn Frauen Unterleibsprobleme haben sollen sie sich eine
Kompresse um den Bauch legen oder den Tee trinken. Auch
wenn man ständig ein Kältegefühl verspürt soll man 3x täglich
eine Tasse Tee trinken.
Nach 3 Wochen von Brennnessel Tee Konsum soll man aber
wieder einmal eine kleine Pause einlegen, da es sich um einen
sehr starken Pflanzengeist handelt.
Rezepte: Brennnessel Aufstrich: Für vier Personen nimmt man 100g
Butter, etwas Olivenöl, Salz, Knoblauch, Pfeffer, Saft einer ½
Zitrone schaumig rühren. 150g junge Triebspitzen klein hacken
und untermischen. Brot aufschneiden und mit Brennnessel
Aufstrich servieren – und als Garnitur Blüten von
Gänseblümchen oder Veilchen raufgeben.
Mythologie: Am Gründonnerstag soll man Brennnesselgemüse essen. Somit ist man vor Geldnot für das folgende Jahr geschützt. Weiters wenn man am Johannistag Brennnesselpfannkuchen isst, ist
man gegen Nixen- und Elfenzauber gefeit. Isst man am 1.
Januar Brennnesselkuchen so sichert man sich ein gutes Jahr.
Verwechslung: Die Arten der, mit den Brennnesseln nicht verwandten Gattung der Taubnesseln (Lamium), sehen den Brennnesseln in Wuchs und Blattform sehr ähnlich, besitzen aber keine Brennhaare und auch sehr viel größere und auffälligere Blüten.
Für die Frauenheilkunde:
Die Brennnessel ist bekannt für ihre Vielzahl an speziellen Wirkungen auf Frauen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich die Vielfalt der in ihr enthaltenen Wirkstoffe: Unter anderem findet sich in der Brennnessel Kalzium, Kieselerde, Eisen und Magnesium.
Die Brennnessel hat eine stärkende Wirkung auf den Körper, was man sich schon seit langer Zeit zum Beispiel bei einem starken Blutverlust zu Nutze macht. Tritt also z. B. während der Periode oder durch eine Geburt ein starker Blutverlust auf, so kann die Brennnessel helfen, dem Körper wieder neue Kraft zukommen zu lassen und neues Blut zu bilden.
Brennnessel hilft gegen das prämenstruelle Syndrom (PMS) und Menstruationsbeschwerden.
Falls man unter PMS, dem prämenstruellen Syndrom leidet, könnte die Brennnessel ebenfalls das Kraut der Wahl sein: Die enthaltenen Minerale haben eine ausschwemmende und entschlackende Wirkung, helfen so, Ödeme bzw. Wassereinlagerungen abzubauen und so die Beschwerden zu mildern.
Das in der Brennnessel enthaltene Eisen hilft ja wie oben erwähnt, neues Blut zu bilden, wenn man durch Blutungen viel davon verloren hat. Aber natürlich hilft es auch, wenn man generell zu wenig Blut hat, z. B. bei einer Anämie, wie die Blutarmut auch genannt wird.
Und besonders Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel anwenden, leiden oftmals unter einem Eisenmangel, was ebenfalls durch den regelmäßigen Genuss von Brennnessel wieder ausgeglichen werden kann.
Brennnessel erhöht die Fruchtbarkeit der Frau.
Brennnessel wird empfohlen während der Stillzeit.
In diesem Sinne - freundet Euch doch bitte mit dieser wunderbaren Heilpflanze an, schließt Frieden mit ihr falls Ihr es nicht schon längst getan habt, lasst sie ruhig auch mal im Garten wachsen und kostet den herrlichen Geschmack von gebackenen Brennnesseln (in Palatschinkenteig, betreut mit Staubzucker) - ein wahrer Gaumenschmaus!