10/04/2020
Karfreitag 10.04.2020
Predigt von Diana Scharfenberg. In Zeiten von Corona nicht in der Kirche sondern hier im Internet und in unseren Kirchenfenstern. Um 15.00 Uhr läuten wir die Glocken und beten gemeinsam.
„Denn:
Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ 2.Kor 5, 19-21
Liebe Gemeinde,
Karfreitag 2020, ein stiller Tag, ein trauriger dunkler Tag an dem Tanzveranstaltungen, Musik und Feiern verboten sind.
Die Geschäfte sind geschlossen, der Alltag ruht.
Fühlen sich die Tage im Moment nicht alle ein bisschen wie Karfreitag an?
Wir dürfen all diese Dinge gerade nicht.
Wir sehen um uns herum gerade viel Leid und Trauer um die vielen Kranken und Verstorbenen.
Wir sind in unserer Freiheit eingeschränkt und unser Alltag dreht sich gerade um das Corona Virus.
Wir dürfen nicht mit unseren Familien zusammen sein, wir müssen Abstand halten,
dürfen uns nicht umarmen …
Ich habe seit Wochen meine Kinder und Enkelkinder nicht mehr umarmt, wir sehen uns per Facetime und schreiben uns bei WhatsApp, aber auch mir fehlt der körperliche Kontakt zu ihnen sehr.
Es macht uns Angst und wir verstehen vieles nicht. Dieses Fremde Ungewisse und Neue lässt uns manchmal fast erstarren.
Wir Fragen nach Gott, fühlen uns vielleicht verlassen, so wie sich Jesus am Kreuz verlassen fühlte
und es rausschrie in seiner tiefen Verzweiflung:
„Eli, Eli, lama asabtani?
Das heißt übersetzt:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
MK 15,34
So fühlt es sich für den Einen oder die Andere gerade vielleicht an.
Plötzlich ist nichts mehr wie es war …
In dem Heim in dem ich arbeite dürfen die Menschen gerade keinen Besuch ihrer Familien empfangen,
auch sie fühlen sich ein Stück weit verlassen
und dennoch geben die Menschen mir jeden Tag ein Stück Hoffnung mit ihrer Zuversicht, dass alles gut wird.
Eine Bewohnerin sagte zu mir:
„Ach wissen Sie wir haben in den Kriegen schon ganz anderes durchgemacht, das schaffen wir jetzt auch,
wir dürfen nur nicht die Hoffnung und
den Glauben verlieren und dann wird alles wieder gut“:
Das macht mir Mut!
Hoffen und Glauben - ja!
Jesus hat bis in den Tod viel ausgehalten,
um unsere Sünden auf sich zu nehmen und
uns zu zeigen, es geht weiter und es gibt Hoffnung auf ein gutes Danach.
Wir sind nicht verlassen, so wie auch Jesus nicht verlassen war, Gott leidet mit uns, so wie er mit seinem Sohn gelitten hat.
Als Jesus am Kreuz starb war Gott selbst mit ihm und er ist auch jetzt mit uns und flüstert leise:
„Alles wird gut“.
Jesus starb am Kreuz und wir wissen, dass er am dritten Tag wieder auferstanden ist und so dem Tod die Macht genommen hat.
Das Corona Virus wird sicher nicht in den nächsten drei Tagen verschwunden sein, aber Gott zeigt uns ein Licht am Ende des Tunnels, er lässt seine Schöpfung gerade mit aller Kraft, Corona zum Trotz, zu neuem Leben erwachen. Überall ist es grün,
die ersten Blüten erfreuen uns in leuchtenden Farben und die Vögel empfangen uns mit wunderbaren Konzerten.
Es wird auch ein neues Danach für uns geben.
Ich bin sicher, es wird alles wieder gut werden,
aber sicher auch, anders als es bisher war.
Wir müssen uns noch in Geduld üben
und uns kleine „Inseln des Aushaltens“ suchen,
die uns in dieser schweren Zeit Kraft, Sicherheit und Geborgenheit geben.
Wir können diese Zeit als einen Neuanfang sehen und uns auf die Dinge die jetzt gerade dran sind einlassen.
Körperlich Abstand halten ist gerade die größte Nähe die wir zeigen können.
Dennoch, wir können telefonieren oder mal wieder einen Brief schreiben.
Wir können all unsere Ängste und Sorgen vor Gott bringen, er ist bei uns und begleitet uns durch diese Zeit.
Und wir haben ein ganz großes Gut,
die Worte unseres Herrn Jesus Christus,
das Vater Unser.
Diese Worte und unsere Gemeinschaft werden uns auch an Karfreitag verbinden.
Lassen Sie uns um 15 Uhr innehalten und jeder für sich und doch gemeinsam,
in Gedanken Hand in Hand dieses wunderbare Gebet sprechen.
Bleiben Sie behütet
Ihre Diana Scharfenberg