29/03/2026
Was, Frauen gehen zum Urologen? „Das habe ich nicht gewusst“, höre ich oft.
Obwohl die Urologie oft als „Männerheilkunde“ missverstanden wird, sind etwa 25 bis 30 Prozent der Patienten in urologischen Praxen Frauen. Der Grund ist einfach: Während der Gynäkologe Spezialist für die Fortpflanzungsorgane ist, ist der Urologe der Experte für das gesamten Harntrakt. Und den besitzen Frauen genauso wie Männer.
Hier sind die wichtigsten Gründe, warum Frauen einen Urologen aufsuchen:
1. Probleme mit der Blase und den Harnwegen
Obwohl Hausärzte oder Gynäkologen oft die erste Anlaufstelle bei einer Blasenentzündung sind, ist der Urologe der Spezialist für kompliziertere Fälle:
• Chronische Infekte: Wenn Blasenentzündungen ständig wiederkehren, kann der Urologe durch spezielle Diagnostik: Sonographie und Blasenspiegelungen (Zystoskopie) und Urinkulturen ach tieferliegenden Ursachen suchen.
• Reizblase: Ständiger Harndrang ohne Infektion fällt in das urologische Fachgebiet.
• Blut im Urin: Dies muss urologisch abgeklärt werden, um Steine oder Tumore auszuschließen.
• Blasentumore: sicherlich noch immer häufiger bei Männern zu finden. Dennoch holen die Frauen in den letzten Jahren auf durch den angestiegenen Zigarettenkonsum.
2. Inkontinenz (Blasenschwäche)
Unfreiwilliger Urinverlust, etwa nach Schwangerschaften, Geburten oder im Alter, ist ein klassisches Thema: Urologie für Frauen. Der Urologe unterscheidet zwischen einer Blasenspeicher- und Blasenentleerungsstörung. Zudem muss herausgearbeitet werden, ob eine Drangharninkontinenz oder eine Belastungsharninkontinenz vorliegt, oder eine Mischung aus beidem, um die entsprechende Therapie festzulegen, z.B. medikamentöse Behandlung, Beckenbodentraining, Gewichtsreduktion, Life-Style-Änderungen, Bänder-OPs usw.
3. Nierenerkrankungen
Die Nieren gehören zum oberen Harntrakt. Urologen behandeln hier geschlechterübergreifend:
• Nierensteine: Wenn Steine die Harnwege blockieren und Koliken verursachen oder auch alleinig im Nierenbeckenkelchsystem zu finden sind.
• Nierenbeckenentzündungen: Schwere Infektionen, die über die Blase aufgestiegen sind.
• Tumore: Krebserkrankungen der Niere, des Nierenbeckens oder des Harnleiters.
4. Das Spezialgebiet: Urogynäkologie
Es gibt sogar eine fachliche Überschneidung, die Urogynäkologie. Hier arbeiten Urologen und Gynäkologen oft eng zusammen, wenn zum Beispiel eine Absenkung der Blase oder der Gebärmutter die Blasenfunktion beeinträchtigt. Bei den Untersuchung werden auch Harnröhrenkarunkel, Enterozelen oder Rektozelen entdeckt und Therapieempfehlungen ausgesprochen und bei Wunsch eingeleitet.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Gynäkologe kümmert sich um die „weiblichen Organe“ (Gebärmutter, Eierstöcke, Scheide), während der Urologe für die „Leitungen und den Urin-Speicher“ (Nieren, Harnleiter, Blase, Harnröhre) zuständig ist.
Es sind ALLE herzlich willkommen!
Schöne Ostern wünscht Euch Euer Urologe
Dr. Harad Voepel