24/12/2025
Was ist ein biochemisches Rezidiv?
Ein biochemisches Rezidiv (BCR) bezeichnet das erneute Ansteigen des PSA-Wertes nach einer vermeintlich erfolgreichen Erstbehandlung (Operation oder Bestrahlung) des Prostatakarzinoms, ohne dass in der herkömmlichen Bildgebung (CT, MRT) bereits Tumorgewebe oder Metastasen sichtbar sind.
Was bedeutet das für Betroffene?
Etwa 30 % der Patienten entwickeln im Verlauf nach einer lokalen Therapie ein solches Rezidiv. Ein steigender PSA-Wert ist oft das erste Warnsignal, das einer tastbaren oder sichtbaren Metastasierung um Jahre vorausgehen kann.
Ab wann spricht man von einem Rezidiv?
Die Grenzwerte hängen von der ursprünglichen Therapie ab:
• Nach Prostataentfernung (RP): Ein PSA-Wert von ≥ 0,2 ng/ml, der in zwei aufeinanderfolgenden Messungen bestätigt wird.
• Nach Strahlentherapie (RT): Ein Anstieg um 2,0 ng/ml über den niedrigsten gemessenen Wert (Nadir) hinaus.
Einteilung und Risiko
Nicht jedes Rezidiv verläuft gleich aggressiv. Die Urologie unterscheidet heute primär zwischen:
• Niedrigrisiko: PSA-Verdopplungszeit > 1 Jahr.
• Hochrisiko: PSA-Verdopplungszeit ≤ 1 Jahr. Hier ist das Risiko einer schnellen Progression oder Metastasierung deutlich erhöht.
Aktuelle Diagnose- und Therapieoptionen 2025
Die Medizin hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, um Rezidive gezielter zu behandeln:
• PSMA-PET/CT: Seit 2024 ist diese hochpräzise Bildgebung in Deutschland bei Rezidiv-Verdacht eine Kassenleistung, die meisten wehren sich jedoch gegen diese Kostenübernahme. Das PSMA-PET-CT kann kleinste Krebsherde lokalisieren, die früher und durch herkömmliche Untersuchungen wie CT und Knochenszintigraphie unsichtbar blieben. Wir finden Möglichkeiten, dass Patienten dies dennoch kostenfrei erhalten können.
• Salvage-Therapie: Ist das Rezidiv lokal begrenzt, kann eine Nachbestrahlung (nach OP) oder eine Operation bzw. Thermoablation (nach Bestrahlung) oft noch eine Heilung erzielen.
• Intensivierte Hormontherapie: Neue Studien aus dem Jahr 2025 zeigen, dass bei Hochrisiko-Patienten eine Kombination aus klassischem Hormonentzug und modernen Wirkstoffen (sogenannten Androgen Rezeptor Signalweg Inhibitoren (ARPI, wie z.B. Enzalutamid oder Darolutamid oder Apalutamid) das Überleben signifikant verbessern kann.
• Innovative Ansätze: Immuntherapien mit bispezifischen Antikörpern (z. B. CC-1) werden aktuell in klinischen Studien untersucht, um das Immunsystem gezielt gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren.
Ein biochemisches Rezidiv ist kein Grund zur Panik, erfordert aber eine engmaschige Betreuung durch einen Urologen, um den optimalen Zeitpunkt für eine Folgetherapie festzulegen.
Ich wünsche ALLEN ein positives Jahr 2026,
Euer Urologe des Vertrauens, Dr. Harald Voepel