10/01/2026
Darf ich mir das erlauben?
Es hat geschneit. Und das hier in Köln. Ich bin verzaubert von der weißen Landschaft und dazu kommt noch ein wenig Sonnenschein, der alles glitzern lässt. Das alles sehe ich von meinem Fenster aus. Eine Stimme in mir ruft, los, raus, genieße den Moment, gehe um den See. Die andere Stimme widerspricht, nein, du hattest dir heute viel vorgenommen, zu erledigen. Dazu reicht die Zeit nicht.
Ich überprüfe die Dinge, die ich mir vorgenommen hatte. Steuer, die gemachte Fortbildung aufarbeiten etc. Alles Sachen, die warten können. So nehme ich meine Jacke, meine Schneeschuhe und stapfe in den Schnee. Es ist wie im Skiurlaub, schöne klare Luft, die ich inhaliere und das Licht, das ich in mich aufnehme. Und dann kommt der Gedanke: „Darf ich mir das überhaupt erlauben?“
Mittlerweile kann ich meinen Verstand identifizieren, der diesen Gedanken in mir entstehen lässt. Und er hat Macht. Sofort fühle ich ein schlechtes Gewissen in mir aufsteigen. Der Zauber ist vorbei. „Andere müssen jetzt arbeiten und du in deinem Alter gehst spazieren. “ Und so weiter geht es durch meinen Kopf.
Mein Beobachter findet das interessant. Wer geht gerade spazieren? Ich in der Kinderrolle. Und in mir werden die Elternstimmen laut, die mir offensichtlich Vergnügen absprechen möchten. Klar, sie wollten uns lebensfähig erziehen, was ihnen anscheinend gelungen ist. Freude hat darin keinen Platz, zumindest nicht, bevor die Pflicht erledigt ist.
Wie hart gehe ich nun mit mir selbst um? Heute sind es meine Stimmen in mir, die mir die Berechtigung entziehen, freudvolle Momente zu erleben. Das zu erkennen, ist ein großer Schritt. Denn bin ich es selbst, kann ich es nun auch bewusst ändern.
Weiterhin in der Beobachtung lasse ich den Gedanken, „darf ich mir das überhaupt erlauben“, weiterziehen. Ich gebe ihm keine Kraft mehr, ich füttere ihn nicht. Er wird zu einem der abertausend Gedanken, die einem täglich durch den Kopf schwirren.
Nun kann ich mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Ich genieße die Landschaft, die Bewegung, das nette Lächeln eines anderen Spaziergängers, der mir noch ein schönes, neues Jahr wünschst. Umgeben von einigen dick aufgeplusterten Rotkehlchen, die ich ja besonders gerne habe.
Die Arbeit, die ich mir vorgenommen hatte, war nicht erledigt, aber dafür hatte ich beim Einschlafen ein beglückendes Gefühl eines schönen Tages.
Fortsetzung folgt…