24/08/2022
In den Ländern, in denen das Nordische Modell eingeführt worden ist, sind nachweislich Prostitution, Menschenhandel und Zuhälterei zurückgegangen.
Es finden aber noch mehr Veränderungen statt. Zum Beispiel der Einstellungswandel in einer Gesellschaft. In Schweden werden Bordellbesuche von vielen nicht mehr als Ausdruck von Männlichkeit wahrgenommen, sondern als Respektlosigkeit gegenüber Frauen.
Es verbessert auch die Sicherheit der prostituierten Frauen, weil Freier wissen, dass die Frau, die sie gebucht haben, jederzeit die Polizei rufen kann – und zwar ohne selbst Konsequenzen fürchten zu müssen.
Oft höre ich, wenn man das Nordische Modell einführt, würde Prostitution in den Untergrund wandern. Der Mythos vom Untergrund hält sich in Deutschland trotz aller gegenteiligen Zahlen und Beweise auch deswegen, weil wir ein verqueres Bild von Prostitution haben.
Hier glaubt man noch immer, sichtbare Prostitution sei sicher, freiwillig und okay – obwohl jeder Straßenstrich einen eines Besseren belehren könnte. Tausende Zwangsprostituierte sind in Deutschland legal angemeldet und zahlen auf ihren Missbrauch sogar Steuern und die erheblichen Menschenrechtsverletzungen, die es in Deutschland durch Menschenhandel und Zwangsprostitution gibt, finden in legalen, angemeldeten Bordellen und auf behördlich genehmigten Straßenstrichen statt. Der Untergrund existiert vor unser aller Augen, weil es überall dort, wo es legale Prostitution gibt, auch illegale Prostitution gibt. Und überall dort, wo es Prostitution gibt, gibt es auch Menschenhandel und Zwangsprostitution.
Die Aufhebung der Sittenwidrigkeit von 2002 sollte Prostitution für Frauen sicherer machen. Das Gegenteil ist passiert. Es hat nur die Situation für Freier, Zuhälter und Bordellbetreiber verbessert. Für Prostituierte ist die Lage viel schlimmer geworden. Es gibt so viele Regeln für Prostituierte, dass sie sie kaum einhalten können. Man hat als Prostituierte nur noch ganz wenig Handhabe gegen Zuhälter, gegen Bordellbetreiber noch weniger. Und für Freier waren beide Gesetze das Signal, sie seien jetzt ganz normale Kunden. Und der Kunde ist König. So treten die Beteiligten auch auf – während die in anderen Ländern für das, was sie tun, zu Recht ins Gefängnis wandern.