04/04/2026
Wie wunderschön dieses Pflanzenwesen in Vollendung beschrieben ist😍
🌿 Das L U N G E N K R A U T – Ein Alchemist aus dem Pflanzenreich
Vor Kurzem fragte mich eine Freundin, ob ich wüsste, wo das Lungenkraut wächst. In den vergangenen Jahren war es mir immer wieder begegnet, doch in diesem Jahr war es dort nicht anzutreffen.
Vor einigen Tagen machte ich einen meiner ziellosen Spaziergänge, einfach der Nase nach. In einem Gehölzstreifen folgte ich einem kleinen Pfad, blieb stehen und lauschte den Frühlingsgesängen der Vögel.
Mein Blick fiel nach unten – und ich entdeckte ein fast vollständig von altem Laub bedecktes Lungenkraut. Glücklich war ich, mein Herz tanzte vor Freude.
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BEGEGNUNG
Ich setzte mich ganz nah zu ihm, schob vorsichtig die Blätter zur Seite und betrachtete es in seiner vollen Schönheit. Welche Farbenpracht in einer einzigen Pflanze! Zartrosa, rote, blauviolette und blaue Blüten schmücken das saftige Grün.
Die Blüten erinnern an rosa Babyausstattung für Mädchen und blaue für Jungen. Nicht umsonst wird das Lungenkraut im Volksmund auch „Adam und Eva“ genannt. Es zeigt die Gegensätze von weiblich und männlich – und verbindet sie zugleich durch den fließenden Farbübergang.
Auch andere Polaritäten spiegeln sich darin: warm und kalt, sauerstoffreiches rotes Blut, das die Lunge verlässt, und sauerstoffarmes blaues Blut, das zu ihr zurückkehrt.
Die Farbveränderung von rosa zu blau erfolgt nach der Bestäubung, ausgelöst durch eine Veränderung des pH-Wertes im Zellsaft von sauer (rot) zu basisch (blau). Auf diese Weise kommuniziert die Pflanze mit den bestäubenden Insekten und erspart ihnen unnötige Besuche.
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MERKUR – KOMMUNIKATION & VERBINDUNG
Polarität, Transformation, Verbindung, Kommunikation …
Merkur.
Deutliche Hinweise auf die heilsame Wirkung des Lungenkrautes auf unsere Kommunikations- und Austauschorgane: Lunge, Darm, Haut sowie Mund- und Rachenraum.
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MOND – SCHUTZ & URSPRUNG
Eine weitere Ebene offenbart sich in der Berührung – oder vielmehr in ihrer Verweigerung.
Als ich zärtlich über die Blätter, Stiele und Blütenkelche strich, verhinderte die dichte Behaarung jeden direkten Kontakt. Die „Unantastbare“ kam mir in den Sinn – eine Pflanze, die sich schützt und nur über ihre Blüten öffnet.
Jungfräulichkeit, Beginn, Ursprung …
Mond.
Die weißen Flecken auf den Blättern wirken wie aufgetropfte Milch. Auch der silbrige Glanz der Härchen sowie die in der Pflanze enthaltenen Schleimstoffe zeigen ihre enge Verbindung zum Mond. Diese wirken schützend und einhüllend auf die Schleimhäute von Mund, Rachen, Magen und Darm.
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KOMMUNIKATION IM STOFFLICHEN
Als ich mir das Lungenkraut zum ersten Mal als Tee zubereitete, war ich überrascht: Der Geschmack erinnert stark an Schachtelhalm. Verantwortlich dafür ist die in beiden Pflanzen enthaltene Kieselsäure.
Das darin enthaltene Silizium ist wesentlich für die Knochenbildung – und vielleicht spielt es, ähnlich wie in der Technik, auch eine Rolle bei der Weitergabe von Information im Körper.
Auch hier zeigt sich erneut das Wesen des Lungenkrautes: Kommunikation.
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SATURN – STRUKTUR & AUSGLEICH
Noch deutlicher wird diese Vielschichtigkeit durch seinen Standort.
Das Lungenkraut wächst bevorzugt in schattigen Laubwäldern, Gebüschen und Hecken. Seine Schattenliebe, die überwinternde Blattrosette sowie sein hoher Mineral- und Gerbstoffgehalt weisen auf eine Verbindung zum Saturn hin.
Es scheint, als würden die saturnalen Kräfte die Mondqualitäten der Pflanze ausgleichen. Wieder zeigt sich die Polarität: Mond und Saturn als kosmisches Gegensatzpaar – Anfang und Ende, Aufbau und Abbau.
Und Merkur wirkt als Vermittler zwischen diesen Polen.
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ATMUNG – GEBEN UND NEHMEN
Über sein Element Luft ist durch die Atmung alles mit allem verbunden. Einatmen bedeutet, das Leben in sich aufzunehmen. Ausatmen heißt, dem Leben etwas zurückzugeben.
Die Lunge – deren Funktion durch das Lungenkraut harmonisiert wird – steht für dieses ausgeglichene Geben und Nehmen, aus dem lebendige Kommunikation entsteht.
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ERKENNTNIS – EINHEIT DER POLARITÄTEN
Das Lungenkraut führt uns zur Erkenntnis der Einheit aller Polaritäten und der ständigen Kommunikation zwischen allem, was ist.
Es erinnert uns daran, Gegensätze in unserem Leben anzunehmen: Geburt und Tod, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut, Stärke und Schwäche.
Es lädt uns ein, sowohl unsere weiblichen als auch unsere männlichen Anteile zu integrieren und unseren eigenen Weg in Balance zu gehen – den goldenen Mittelweg.
Und es ruft uns dazu auf, immer wieder in unsere Schattenwelt hinabzusteigen, um dort verborgene Schätze zu entdecken.
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BEGEGNUNG MIT DEM BOTEN
Ein Wollschweber, der mit seinem langen Rüssel wie ein Kolibri den Nektar aus den Blüten saugte, zog schließlich meine Aufmerksamkeit auf sich.
Er schwebte von Blüte zu Blüte – eine stille Einladung, die Geschenke des Lungenkrautes anzunehmen und mich seiner Heilkräfte zu öffnen.
Noch eine Weile schaute ich diesem zarten Wesen zu.
Dann verabschiedete ich mich dankbar von meinem neuen Pflanzenverbündeten:
„Auf Wiedersehen.“
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© Selina Schöne