15/04/2026
Die Hühner und ich – eine kleine Geschichte vom Wachsen
Als die jungen Hühner zu mir kamen, wirkten sie wie verlorene Kinder aus einer anderen Welt.
Fast keine Federn, hungrig bis in die Knochen, kleine Körper voller Mut und gleichzeitig voller Erschöpfung.
Wenn man sie ansah, hätte man nie geglaubt, dass sie von einem Biohof stammen. Eher, als hätte ich sie irgendwo aus einer dunklen Ecke der Welt gerettet.
Und vielleicht habe ich das auch.
Am Anfang waren sie wie winzige Raptoren – wild, gierig, verzweifelt.
Futter war für sie kein Genuss, sondern Überleben.
Aber Tag für Tag, mit Ruhe, Futter, Wärme und diesem stillen „Ich sehe euch“, haben sie sich verändert.
Heute stehen da kleine Wunder auf zwei Beinen.
Federn, die glänzen.
Augen, die weich geworden sind.
Körper, die nicht mehr schreien, sondern atmen.
Und das Schönste:
Sie haben mich zu ihrem Mittelpunkt gemacht.
Wenn ich draußen bin, laufen sie mir hinterher wie eine kleine, federige Gang.
Sie warten an der Straße, wenn ich von der Arbeit komme – als hätten sie eine innere Uhr, die nur für mich tickt.
Sie folgen mir überall hin, sogar ins Haus, wenn die Tür offensteht.
Sie lassen sich streicheln, kuscheln, hören auf ihren Namen und kommen angelaufen, wenn ich sie rufe.
Es ist, als hätten sie beschlossen:
„Dieser Mensch gehört zu uns. Und wir zu ihr.“
Und vielleicht ist das das größte Geschenk, das Tiere uns machen können:
Nicht nur zu überleben, sondern uns zu vertrauen.
Nicht nur zu folgen, sondern sich zu öffnen.
Nicht nur zu wachsen, sondern uns mitzuwachsen lassen.