13/03/2018
Die fünf Vayus
Der Pranayama-Kosha setzt sich aus den fünf Pranas zusammen, die auch „Vayus“ oder „Luftkräfte“ genannt werden. Diese fünf Pranas sind entsprechend ihrer Bewegung und Richtung gegliedert. Es handelt sich hierbei um ein wichtiges Thema in der ayurvedischen Medizin wie auch im Yoga.
Der Prana-Vayu
Prana-Vayu heißt wörtlich „sich vorwärts bewegende Luft“, da er sich nach innen bewegt und alle Arten des Empfangens im Körper steuert, angefangen vom Essen, Trinken und Einatmen bis hin zu der Aufnahme von Sinneseindrücken und mentalen Erfahrungen. Er besitzt eine vorwärtstreibende Natur, welche allerlei Dinge in Bewegung setzt und diese anleitet. Und er liefert uns die Grundenergie, die unser Leben antreibt.
Der Apana-Vayu
Apana-Vayu, „die Luft, die sich weg bewegt“. Apana-Vayu bewegt sich nach unten und außen weg und regelt alle Formen der Ausscheidung und Reproduktion (welche ebenfalls eine abwärtsbewegende Bewegung ist). Er steuert die Beseitigung von Stuhlgang und Urin, den Ausstoß von Samen, Menstruationsflüssigkeit und dem Fötus und schließlich die Ausscheidung von Kohlendioxid durch den Atem. Auf einer tieferen Ebene werden von ihm auch die Ausscheidung von negativen sinnlichen, emotionalen und mentalen Erlebnissen geregelt. Hier handelt es sich um die Basis unserer Abwehrfunktionen.
Der Udana-Vayu
Udana-Vayu, „sich aufwärtsbewegende Luft“, bewegt sich nach oben und bewirkt eine qualitative oder umwandelnde Bewegung der Lebensenergie. Es steuert sowohl das Wachstum des Körpers und die Fähigkeit zu stehen, als auch Sprache, jede Form der Anstrengung, Begeisterung und Willen. Es ist die wichtigste unserer positiven Energien und hilft uns, unsere einzelnen Hüllen zu entwickeln und Bewusstsein zu entfalten.
Der Samana-Vayu
Samana-Vayu, „ausgleichende Luft“, bewegt sich von den Peripherien hin zum Zentrum. Er dient der Verdauung auf allen Ebenen. Er arbeitet im Darmtrakt, um Nahrung zu verdauen, in den Lungen „verdaut“ er Luft oder absorbiert Sauerstoff, und im Geist werden von ihm alle Arten von Erlebnissen – sinnlich, emotional und mental – verarbeitet.
Der Vyana-Vayu
Vyana-Vayu, „sich nach außen bewegende oder verteilende Luft“, bewegt sich vom Zentrum zu den Peripherien und steuert dabei auf allen Ebenen den Kreislauf. Von ihm werden überall im Körper Nahrung, Wasser und Sauerstoff bewegt; außerdem hält er in unserem Geist Gedanken und Emotionen am Kreisen, gibt uns Schwung sowie Impulse und liefert uns Stärke.
Die fünf Pranas können auch in Bezug zu ihren Körperregionen gesehen werden. Prana-Vayu regelt die Bewegung der Energie vom Kopf bis hinunter zum Nabel, welcher das Zentrum des Prana im physischen Körper ist. Apana-Vayu regiert die Bewegungen vom Nabel abwärts zum Wurzelchakra an der Basis der Wirbelsäule. Samana-Vayu steuert die Energiebewegung aus dem ganzen Körper zurück zum Nabel. Vyana-Vayu reguliert die Energiebewegung aus dem Nabel heraus überall in den ganzen Körper hinein. Und Udana-Vayu steuert schließlich die Energiebewegung vom Nabel bis hoch zum Kopf.
Noch einmal zusammengefasst, kann man sagen: Prana-Vayu regelt das Einnehmen von Substanzen, Samana steuert deren Verdauung, und Vyana regiert die Verteilung der Nährstoffe. Udana beherrscht die Freiwerdung positiver Energie, und Apana regelt schließlich die Ausscheidung der Abfallstoffe. Dies erinnert fast an eine wirkungsvoll arbeitende Maschine: Prana liefert den Treibstoff, Samana wandelt den Treibstoff in Energie um, und Vyana verteilt diese Energie an die verschiedenen Arbeitsstätten. Apana entsorgt die beim Umwandlungsprozess entstandenen Abfallstoffe, und Udana verwaltet die Energie, die durch den gesamten Prozess geschaffen wurde, und ermöglicht es der Maschine, wirkungsvoll zu funktionieren.
Der Schlüssel zur Gesundheit liegt darin, dass unsere Pranas harmonisch zusammenarbeiten. Wenn eine der Pranas ungleichgewichtig wird, neigen auch die übrigen Pranas dazu, ihr Gleichgewicht zu verlieren, da alle miteinander verbunden sind. Im Allgemeinen halten Prana und Udana den Apana im Gleichgewicht, da immer die Kräfte der Energetisierung die der Ausscheidung ausgleichen. Ebenso verhält es sich bei Vyana und Samana, die aufeinander bezogen auf Ausdehnung und Zusammenziehung koordinieren.
Quelle:
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