10/05/2026
💛 - Ivy - hier 9 Wochen alt - erstes Krallenpflege bei mir
Für diesen Welpen habe ich mich ganz bewusst entschieden, einen anderen Weg in der Krallenpflege zu gehen.
Ich habe aktuell zwei Hunde, bei denen das Schneiden der Krallen völlig unproblematisch ist. Gleichzeitig habe ich einen Hund, bei dem genau dieses Thema – obwohl nie etwas Negatives passiert ist – mit einer sehr deutlichen Reaktion verbunden ist. Genau diese Erfahrung hat für mich den Ausschlag gegeben, hier von Anfang an anders vorzugehen.
Statt die Situation zu nutzen, wenn Ivy ruhig schläft und man die Krallen „einfach machen kann“, habe ich mich entschieden, die Krallenpflege direkt in einen wachen, bewusst erlebten Kontext zu legen. Ivy bekommt mit, was passiert, nimmt die Situation wahr und hat die Möglichkeit, sich aktiv damit auseinanderzusetzen.
Für mich steht dabei nicht das schnelle Ergebnis im Vordergrund, sondern der Aufbau eines Umgangs mit genau dieser Form von Berührung und Manipulation.
Ich habe in diesem Fall keine klassische Krallenzange verwendet, sondern eine Kleintierkrallenschere. Gerade bei Welpennägeln lässt sich damit sehr präzise arbeiten, die Bewegung ist feiner, kontrollierter und für mich in der Handhabung deutlich klarer als mit größeren Werkzeugen.
Im Video sieht man sehr gut, dass Ivy sich mit der Situation auseinandersetzt, dabei aber immer wieder mit dem Maul in Richtung meiner Hände oder der Schere geht. Genau an dieser Stelle ist mir wichtig zu differenzieren: Dieses Verhalten ist für mich keine Abwehrreaktion. Es ist kein Versuch, sich der Situation zu entziehen. Es entspricht vielmehr dem altersentsprechenden Bedürfnis, Dinge mit dem Maul zu erkunden und zu „besitzen“.
Das bedeutet, dass diese Reaktion genauso auftreten würde, wenn ich ein Spielzeug, ein Taschentuch oder einen anderen Gegenstand in der Hand hätte.
Ich lasse deshalb bewusst zu, dass sie sich mit der Schere beschäftigt, und gebe ihr gleichzeitig gezielt ein alternatives Objekt ins Maul – in diesem Fall eines ihrer aktuellen Lieblingsspielzeuge. Dadurch verschiebe ich den Fokus, ohne die Situation abzubrechen.
Mir geht es in diesem Aufbau nicht darum, dass der Hund die Situation einfach toleriert oder „stillhält“. Entscheidend ist für mich, dass er lernt, die Situation einzuordnen, zu verarbeiten und innerhalb dieser Situation handlungsfähig zu bleiben.
Dieser Ansatz ist für mich bewusst als eine Art Selbstversuch angelegt: Was verändert sich, wenn wir von Anfang an nicht über Vermeidung von Aktivität arbeiten, sondern über Wahrnehmung, Begleitung und wiederholte, klar strukturierte Erfahrung?
Bei Elisabeth Guggenbühl findet ihr weitere Videos von Ivy Bruder Faro :)