28/02/2023
"Lipödem ist ein Ar*****ch."
Wie bitte?
Sowas sagt man aber nicht!
Man stellt sich doch nicht mit ausgestrecktem Mittelfinger und halb nackig auf die Straße!
Doch.
Das tut man.
Lipödem zu haben ist schmerzhaft.
Lipödem zu haben ist belastend.
Lipödem zu haben ist traurig. Anstrengend. Schwer.
Und so oft lächeln wir es weg.
Bitten um Behandlung.
Sagen "Ist schon okay" wenn wir sie nicht kriegen.
Strengen uns mehr an.
Richten die Wut gegen uns selbst.
Freundliche Briefe, nur nicht zu fordernd.
Große Petitionen. Im konstruktiven Ton.
Wir sagen: "Krone richten, weiter machen."
Wir demonstrieren Body Positivity.
Üben Selbstliebe. Und verstecken es, wenn wir am Ende sind.
Und dann kommt wieder jemand und sagt:
"Ist doch alles nicht so schlimm."
"Stell dich nicht so an."
"Nimm doch einfach ab."
"Sei froh, dass du keine ERNSTE Erkrankung hast."
Und wir sagen nichts.
Ziehen uns zurück.
Und geben uns selbst die Schuld.
"Lipödem ist ein Ar*****ch" macht das nicht.
"Lipödem ist ein Ar*****ch" gibt auch der Wut Raum.
Der Wut, chronisch krank zu sein.
Der Wut, oft unterschätzt zu werden.
Belächelt. Beurteilt. Beschimpft.
Der Wut, ständig Schmerzen zu haben.
Der Wut, dass es nicht fair ist.
Und dass es nicht weg geht.
Und dass es einfach unsagbar anstrengend ist,
wenn der Körper wie schwere Säcke jeden Schritt erschwert.
"Lipödem ist ein Ar*****ch" - das sind mutige Frauen.
Frauen, die sich entschließen, gemeinsam aufzustehen.
Provokant den Mittelfinger zu erheben.
Idee und Umsetzung, Fotos und Organisation:
Melanie Grabowski.
Wenn sich was verändern soll,
dann müssen wir manchmal alle Register ziehen.
Auch die, die uns unangenehm sind.
Auch die, die man uns schon früh ausreden wollte.
Sowas macht man nicht.
Brave Mädchen kommen in den Himmel.
Böse Mädchen kommen überall hin.
Bei "Lipödem ist ein Ar*****ch" nehmen es sich die Fotomodelle heraus, mal nicht das brave Mädchen zu sein.
Das ist therapeutisch wertvoll.
Das ist Ausbrechen aus der angepassten Rolle.
Das ist Aufstand.
Und das darf auch mal sein.
Ohne Aktionen wie "Lipödem ist ein Ar*****ch" wüssten tausende Frauen bis heute nicht, dass sie betroffen sind.
Wüssten tausende Frauen nicht,
dass nicht sie Schuld sind, an ihrer Erkrankung,
dass sie nicht weinerlich, jammernd und empfindlich sind,
schwach und faul.
Sondern dass sie eine Erkrankung haben, die echt ein Ar*****ch ist.
Die schwer ist. Und anstrengend. Und oft zermürbend.
Und dass die Wut sein darf.
Die Wut auf die Erkrankung.
"Warum ich? Warum wir? Warum unter diesen Umständen?"
Dieses Gefühl haben wir uns zu lange verboten.
Und "Lipödem ist ein Ar*****ch" schreit es heraus.
Lebt es aus. Und zeigt es der Welt.
"Lipödem ist ein Ar*****ch" fotografiert in mehreren deutschen Städten. Dieses Wochenende in Hamburg. Die Bilder sind spektakulär geworden. Sie rütteln auf.
Dieses Bild ist von einem früheren Shooting. Mit dem charakteristischen ausgestreckten Mittelfinger.
Unterstützt die mutigen Modelle und ihre tolle Fotografin, indem auch ihr diese Bilder und diese Botschaft teilt. Indem auch Ihr mal sagt, was man nicht sagen soll.
Lipödem ist kein Speckröllchen.
Lipödem ist kein Hype.
Lipödem ist keine Empfindlichkeit.
Keine Ausrede.
Lipödem ist ein Ar*****ch.
*****ch ***t