07/04/2020
Es gibt kaum Worte die ich dazu schreiben könnte. Achtet aufeinander. Gewalt ist keine Lösung! Es gibt Notrufnummern, Beratungsstellen und jede Menge Angebote. In den allermeisten Fällen: Rausgehen, tief durchatmen. Keep calm and come down!
Dunkelziffer verschattet sich weiter: Wie sieht eine Sturzverletzung aus? Und welche Blessuren geben einen Hinweis auf Missbrauch? Während Prellungen an Stirn, Nase und Kinn oder Abschürfungen an Händen und Knien typisch für Stürze bei Kindern sind, sind Verletzungen an Augen und Mund sowie den Unterarmen und Außenseiten der Oberschenkel eher untypisch. Auch Bisswunden müssen genauer untersucht werden, indem beispielsweise der Zahnabstand gemessen wird. Würgemale sind zudem ein starker Indikator. Dies zeigt die Grafik des deutschen Kinderschutzvereins, die in Zusammenarbeit mit der ärztlichen Leiterin der Gewaltschutzambulanz der Charité – Universitätsmedizin Berlin erstellt wurde. Derartige Warnsignale gehen während der COVID-19-Pandemie häufig unter. Angesichts der geschlossenen Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen warnen deutsche Kinderschutzverbände vor einem Anstieg an Misshandlungen und Missbräuchen. Die derzeitige Situation könne für Kinder lebensgefährlich werden, so der Deutsche Kinderschutzverein. Vor allem Kinder von Müttern und Vätern mit Suchtproblemen oder anderen psychischen Störungen seien betroffen. Doch auch generell steigere der seelische Stress und die Enge Konflikte und Aggressivität. Im Interview mit dem WDR weist Rainer Rettinger vom Deutschen Kinderschutzverein auf Zahlen aus Wuhan hin. Dort sei die häusliche Gewalt während der Isolationsphase um das Dreifache gestiegen. Ein weiteres Problem: Um Mitarbeiter zu schützen, auch weil in der Regel keine Schutzkleidung für diese Berufe gestellt wird, schließen viele Einrichtungen. Und beratende Stellen seien laut Rettinger noch zu wenig in der Digitalisierung angekommen, als dass die Angebote bestehen bleiben könnten. Er appelliert an Lehrer, die neben den Aufgaben auch unbedingt nach dem Befinden der Kinder fragen sollten und gegebenenfalls auf Angebote verweisen könnten. Auch sollten Nachbarn jeden Verdachtsfall unbedingt melden – das sei auch anonym möglich. 100 Wissenschaftler fordern zudem in einem Brandbrief einen nationalen Krisenstab für mehr Kinderschutz in der Corona-Pandemie. Sie weisen ebenfalls darauf hin, dass Hilfen zurzeit zurückgefahren werden und die gefährdeten Kinder nicht gesehen werden. So seien viele Kinder aus Wochengruppen, Heimen und Psychiatrien nach Hause entlassen worden.
Quellen: Deutscher Kinderverein / bit.ly/2yEzKX1 | WDR / bit.ly/3dYO10V | Frankfurt University of Applied Sciences / bit.ly/2RgckO7