02/05/2026
Der Paritätische hat kürzlich ein Papier veröffentlicht, das es in sich hat!
Klare Einordnung unsererseits: Dieses Papier ist kein kleines Sparprogramm. Es ist – wenn man es nüchtern liest – ein massiver Umbau des Sozialstaats mit Fokus auf Kostenreduktion statt Bedarf. Hier die wichtigsten Punkte:
1. Dimension: Es geht um viele Milliarden – Das ist ein Kahlschlag mit Ansage.
2. Systemwechsel: Weg vom Individuum, hin zum Standard
Statt individuelle Hilfen → kollektive, standardisierte Angebote
3. Besonders kritisch für Menschen mit Behinderung
❌ Wunsch- und Wahlrecht einschränken
❌ Pooling wird Standard
❌ Hilfsmittel deckeln
4. Politisch brisant: Alles entstand hinter verschlossenen Türen in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe ohne Öffentlichkeit und ohne Bewertung der sozialen Folgen
5. Unsere klare Bewertung als Sozialverband
Das Ganze läuft auf einen gefährlichen Paradigmenwechsel hinaus:
👉 Weg von Rechten
👉 hin zu Haushaltslogik
6. Was das für uns alle bedeuten kann:
Wenn diese Logik greift gibt es:
weniger individuelle Unterstützung (z. B. Schulbegleitung)
mehr Gruppensettings statt individueller Lösungen
stärkere Diskussion über „Kosten“ von Hilfsmitteln
potenziell mehr Hürden bei Teilhabe-Leistungen
Daher unsere Forderung:
Menschen mit Hörbehinderung dürfen nicht zum Sparmodell werden.
Die geplanten Kürzungsvorschläge treffen nicht „irgendein System“. Sie betreffen alle hörbehinderten Menschen. Kinder. Jugendliche. Erwachsene. Familien.
Und zwar völlig unabhängig davon, ob jemand mit z.B. Hörgerät, Cochlea Implantat, Knochenleitungssystem lebt, mit Gebärden- oder/und Lautsprache kommuniziert, Gebärdensprach- oder/und Schriftdolmetschung bzw. andere Kommunikationshilfen einsetzt, von den Lippen absieht oder mit einer Kombination aus allem lebt.
Hörbehinderung ist nicht einheitlich. Genau deshalb darf Unterstützung nicht pauschal werden.
Was droht uns konkret?
✅ Wegfall oder massive Einschränkung individueller Assistenz in Kita, Schule und Hochschule
Wenn § 112 SGB IX gestrichen oder ausgehöhlt wird, geraten Schulassistenz, Gebärdensprachdolmetschung, Schriftdolmetschung und technische Unterstützung unter Druck.
✅ Pooling statt individueller Bedarf
Klingt harmlos. Ist es aber nicht. Ein Kind mit Hörgerät braucht oft etwas anderes als ein Kind mit Cochlea Implantat. Ein gebärdensprachlich kommunizierendes Kind etwas anderes als ein lautsprachlich orientiertes. Wer hier alles in einen Topf wirft, spart nicht klug – er sortiert Teilhabe aus.
✅ Technische Hilfen könnten zur Budgetfrage werden
Schülermikrofone, Übertragungsanlagen, barrierefreie Kommunikationstechnik: Für viele sind das keine Extras, sondern die Brücke zum Unterricht, zur Ausbildung, zum Studium, zum Beruf.
✅ Wahlfreiheit der Kommunikation gerät unter Druck Lautsprache, Gebärdensprache, Schriftsprache, Technik – das darf kein Entweder-oder werden. Menschen mit Hörbehinderung brauchen Zugang. Nicht Ideologie.
✅ Folgekosten werden ignoriert
Wer heute Unterstützung streicht, zahlt morgen anders: durch Bildungsabbrüche, Isolation, psychische Belastung, geringere Berufschancen und mehr Abhängigkeit von Sozialleistungen. Ob die Autoren des Papiers die „Spend to save“-Studie kennen? Diese zeigt: Höhere Folgekosten ohne Versorgung: Hörverlust wird oft unterschätzt und führt zu hohen Folgekosten in Gesundheitssystemen (z. B. durch Demenz, Depressionen, soziale Isolation und andere Folgen).
Das Paritätische Papier macht deutlich: Unter dem Begriff „Effizienz“ stehen massive Eingriffe in individuelle Rechtsansprüche, Wunsch- und Wahlrecht und Leistungen zur Teilhabe im Raum. Mindestens 8,6 Milliarden Euro Kürzungsvolumen sind beziffert – vieles noch gar nicht.
Unsere klare Haltung dazu:
Barrierefreiheit ist kein Luxus. Kommunikation ist kein Sonderwunsch. Teilhabe ist kein Haushaltsposten.
Wer Menschen mit Hörbehinderung Unterstützung nimmt, zerstört ihnen Chancen.
Der ganze Wahnsinn ist hier nachzulesen:https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/doc/paritaetischer_drohender-kahlschlag-2026.pdf