06/01/2026
Stimmungen sind meinst nicht zu leugnen.
Unsere inneren Stimmungen treten selten plötzlich auf, sie schleichen sich eher in unser Erleben, legen sich unauffällig in den Atem, in die Spannung der Schultern, in das feine Ziehen unter dem Brustbein, und oft merken wir erst spät, dass sich etwas verändert hat.
Ein innerer Raum ist dichter geworden oder weiter, meist ohne dass ein Wort gefallen wäre.
Manchmal erscheinen diese Stimmungen wie viele Gesichter, nicht klar voneinander getrennt, sondern übereinandergelegt, ein Ausdruck von Offenheit, der gleich neben einem von Müdigkeit liegt, ein Anflug von Freude, der noch die Spur von Vorsicht trägt, als hätte der Körper gelernt, nicht alles sofort freizugeben.
Der Körper erinnert sich dabei an mehr, als der Verstand greifen kann, er reagiert auf kleinste Verschiebungen im Gegenüber, auf einen Blick, der länger hält, auf eine Stimme, die minimal langsamer wird, auf die Stille zwischen zwei Sätzen, und formt daraus eine Stimmung, die wir eher spüren als benennen können.
So entstehen innere Landschaften, in denen wir uns bewegen, oft ohne sie bewusst wahrzunehmen, und doch beeinflussen sie unseren Stand, unseren Rhythmus, unsere Fähigkeit, präsent zu bleiben oder uns zurückzuziehen, je nachdem, welches Gesicht einer inneren Stimmung gerade nach vorne tritt.
Vielleicht liegt die eigentliche Begegnung genau dort, wo wir aufhören, diese Stimmungen erklären zu wollen, und beginnen, ihnen mit Aufmerksamkeit zu begegnen, sie im Körper zu verorten, ihnen Zeit zu lassen, damit sich etwas ordnen darf.
Ohne Druck und ohne Ziel, allein durch das Gesehen- und Gespürtwerden.
Bologna 2026.