10/01/2026
E-Zigarette und Folgen…
Insbesondere in entwickelten Ländern entwickelt sich das Konzept eines gesunden Lebensstils weiter; zudem ist die gesundheitsschädliche Wirkung des Rauchens wissenschaftlich belegt und gesellschaftlich anerkannt, und Regierungen verschärfen Einschränkungen für Tabakwerbung und -verkauf. Vor diesem Hintergrund verliert die Tabakindustrie Absatzmärkte und entwickelt neue Strategien, um diese zurückzugewinnen. Eine der zentralen Strategien sind elektronische Zi******en, die unter Verweis auf „Technologie“ und vermeintliche „Unschädlichkeit“ beworben werden.
Elektronische Zi******en (E-Zi******en) sind Geräte, die nach dem Prinzip funktionieren, eine nikotinhaltige oder nikotinfreie Flüssigkeit (E-Liquid) mithilfe einer Batterie zu erhitzen und als Aerosol („Dampf“) zu vernebeln. Die Flüssigkeit enthält Aromastoffe sowie verschiedene Chemikalien. Während E-Zi******en in der Tabakwelt einen revolutionären Wandel zu versprechen scheinen, bringen sie zugleich komplexe gesundheitliche und soziale Probleme mit sich.
Auswirkungen auf die Gesundheit
1. Nikotinsucht:
Die meisten E-Zi******en enthalten hohe Nikotindosen. Hohe Nikotinzufuhr kann eine Abhängigkeit rasch verstärken. Nikotin kann bereits in jungen Jahren Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Über hormonelle Effekte kann es das Diabetesrisiko erhöhen, das Fortpflanzungssystem negativ beeinflussen sowie Abwehr- und Immunsystem beeinträchtigen. Eine Nikotinexposition des Gehirns – insbesondere im Jugendalter – kann Aufmerksamkeitsdefizite, Lernschwierigkeiten und eine erhöhte Vulnerabilität für spätere Substanzabhängigkeiten fördern.
2. Schwermetalle und „chemischer Cocktail“:
Je stärker Tabak bzw. E-Liquid erhitzt wird, desto mehr toxische Substanzen können freigesetzt werden. Während der Verdampfung entstehen u. a. Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein, die als direkt karzinogen gelten. Aus Heizwendeln können zudem Schwermetalle wie Nickel, Chrom, Zinn, Cadmium und Blei in das Aerosol übergehen, was langfristig Zellschäden und ein erhöhtes Krebsrisiko begünstigen kann. Bestandteile wie Propylenglykol und pflanzliches Glycerin können im Atemtrakt zelluläre Veränderungen auslösen. Viele Aromastoffe, die als Lebensmittelzusatzstoffe als „sicher“ gelten, können beim Inhalieren in die Lunge toxische Wirkungen entfalten.
3. Auswirkungen im Mundraum:
Im Mundraum – dem ersten Kontaktort des Aerosols – kann das bakterielle Gleichgewicht gestört werden, wodurch sich potenziell pathogene Bakterien vermehren. Dies begünstigt Mundgeruch und eine erhöhte Anfälligkeit für Racheninfektionen. Die Durchblutung des Zahnfleischs kann abnehmen, wodurch Gewebeschäden und ein erhöhtes Risiko für Zahnverlust entstehen. Zudem kann die Geschmackswahrnehmung vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt werden.
4. Lungenschädigung:
Durch E-Zi******en verursachte Lungenschädigungen werden unter dem Begriff EVALI (E-cigarette or Va**ng Product Use-Associated Lung Injury) beschrieben und wurden erstmals 2019 definiert. Sie können zu pneumonieähnlichen Befunden und bis hin zu schwerer respiratorischer Insuffizienz führen. Im Verlauf der Genesung sind bleibende Veränderungen möglich, darunter eine dauerhafte Verhärtung (Fibrosierung) und eine Reduktion der Lungenkapazität. Besonders wird ein Zusammenhang mit Vitamin-E-Acetat und weiteren Partikeln im Aerosol diskutiert.
5. Passivexposition:
Nicht nur die Konsumierenden, sondern auch Personen in der Umgebung sind über „Secondhand-Aerosol“ Nikotin und ultrafeinen Partikeln ausgesetzt.
6. Krebsbezug und langfristige Unsicherheiten:
Es wird angenommen, dass insbesondere in den direkt exponierten Regionen – Mund, Rachen und Lunge – das Krebsrisiko erhöht sein kann. Zudem gibt es Hinweise, dass beim Ausscheiden bestimmter Chemikalien über den Urin die Blasenschleimhaut geschädigt werden könnte, was ein Risiko für Blasenkrebs nahelegt. Labor- und Tierstudien liefern ernstzunehmende Warnsignale, dass ein „früher Krebsbeginn“ bei E-Zi******en-Nutzenden wahrscheinlicher sein könnte. Allerdings wurden die Zusammenhänge zwischen konventionellem Rauchen, Krebs und chronischer Atemnot erst durch jahrzehntelange Beobachtungen eindeutig. Da E-Zi******en vergleichsweise neue Produkte sind, wird sich ihre vollständige Langzeitbilanz erst in den kommenden Jahrzehnten klarer abzeichnen.
Weitere Problemfelder
• Illegale/unkontrollierte Herstellung: Nicht kontrollierte bzw. gefälschte E-Liquids und Geräte können durch nicht überprüfte Inhaltsstoffe (schädliche Chemikalien, Schwermetalle, industriell hergestellte Aromastoffe, sehr hohe Nikotindosen, Vitamin-E-Acetat u. a.) zu deutlich gefährlicheren Konsequenzen führen.
• Anwendungsfehler: Hohe Wattzahlen bzw. starke Erhitzung können mehr Aerosol erzeugen und zugleich die Freisetzung toxischer Nebenprodukte erhöhen.
• „Ausstiegshilfe“ mit Risiko der Doppelnutzung: Viele betrachten E-Zi******en als Zwischenschritt zur Tabakentwöhnung. Studien zeigen jedoch, dass zahlreiche Personen beide Produkte parallel weiter nutzen. Im Vergleich zu ausschließlichen Zi******enrauchenden wurde bei Dual-Use-Konsumierenden ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs berichtet.
• Attraktivität für Jugendliche: Das Design als „stylishes“ Technikprodukt kann die Wahrnehmung als „cool“ verstärken, Nachahmung in Peer-Groups fördern und die Nutzung in Schulumgebungen erleichtern. Frucht- und Süßigkeitenaromen tragen erheblich dazu bei, dass auch nie-rauchende Jugendliche beginnen.
• Ökonomische Belastung: Obwohl E-Zi******en zunächst als günstigere Alternative vermarktet werden, führen Geräte-Upgrades, regelmäßiger Liquidkauf und Teilewechsel langfristig zu relevanten Kosten.
• Belastung des Gesundheitssystems: Mit zunehmender Häufigkeit e-zigarettenassoziierter Erkrankungen können Diagnostik und Therapie zusätzliche Belastungen für Betroffene und öffentliche Gesundheitssysteme erzeugen.
Schlussfolgerung
Die elektronische Zigarette stellt eine transformierte Erscheinungsform der Tabakindustrie dar. Die Behauptung „weniger schädlich“ ist nicht gleichbedeutend mit „unschädlich“. Unabhängig davon, ob Nikotin enthalten ist oder nicht, bergen alle E-Zi******en gesundheitliche Risiken. In den kommenden Jahren ist mit einer Zunahme e-zigarettenassoziierter Erkrankungen zu rechnen, sodass sich daraus ein relevantes Public-Health-Problem entwickeln kann. Für eine gesundheitsorientierte Lebensweise ist der sicherste Weg, vollständig auf solche Produkte zu verzichten.