03/02/2026
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Laufen kann zu einem euphorischen Gefühl führen, das auch als Runner’s High bezeichnet wird. Lange dachte man, es sei die Wirkung von schmerzlindernden Endorphinen, körpereigenen Opioiden. 2021 konnte dann ein deutsches Forschungsteam diesen Irrtum aufdecken und beweisen, dass die angenehme Euphorie und innere Ruhe durch das körpereigene Cannabinoid Anandamid ausgelöst wird, und das bereits bei geringer bis moderater Laufintensität, unterhalb der anaeroben Schwelle, über der das Laufen richtig anstrengend wird. (1)
So ist es also kein Wunder, dass sich nach etwa 30 Minuten mühelosem Slow Jogging das Runner’s High bemerkbar macht, ganz ohne sich dabei quälen oder verausgaben zu müssen.
Schon 2012 hatte eine Forschungsgruppe aus den USA bei Experimenten mit einer kleinen Gruppe von Läufern nachgewiesen, dass es im Vergleich unterschiedlicher Stufen der Anstrengung von Gehen über Slow Jogging und zwei höheren Laufintensitäten nur beim Slow Jogging zu einer ausgeprägten Ausschüttung von Anandamid kam. Die Forscher vermuten, dass die Fähigkeit zu längeren Läufen mit mäßig-moderater Intensität Menschen einst einen evolutionären Vorteil bei der Nahrungsbeschaffung bot. (2)
Letzte Woche erschien in unserer Slow Jogging Community ein Beitrag, den wir in diesem Zusammenhang gerne teilen möchten:
"Ich starte immer in einer Geschwindigkeit, die mir keinerlei Mühe abverlangt und ohne jeglichen Anspruch auf Schnelligkeit.
Schon nach wenigen hundert Metern signalisiert mir mein Körper ein seelisch-körperliches Wohlgefühl, das, wenn ich allein laufe, die Laufgeschwindigkeit vorgibt. Man nennt es auch meditatives Laufen.
Das hat zur Folge, dass ich mich stets nach den Läufen, gleichgültig ob sie 5, 10, 15 oder 20 km lang sind, in einem Zustand von leichter Euphorie befinde.
Es kommt natürlich auch bei mir vor, dass an manchen Tagen mein "Inneres Ich" - in diesem Fall der "innere Schweinehund" - mir zuflüstert, nicht zu starten.
Mittlerweile weiß ich aber, dass er sich durch meine Laufvorgehensweise wie oben im zweiten Satz beschrieben, schon nach wenigen 100 m von dannen macht!“
Bernhard Sesterheim (81), Langstreckenläufer
Wir müssen heute keine kilometerlangen Strecken mehr laufen, um uns Nahrung zu beschaffen. Und doch bestätigt die Wissenschaft, dass uns regelmäßiges Laufen immer noch einen Überlebensvorteil verschafft – wenn wir es mühelos, entspannend und beglückend tun.
Wissenschaftliche Quellen:
(1) Siebers M et al. (2021) Exercise-induced euphoria and anxiolysis do not depend on endogenous opioids in humans. Psychoneuroendocrinology 126:105173
(2) David A. Raichlen DA et al. (2013) Exercise-induced endocannabinoid signaling is modulated by intensity. Eur J Appl Physiol 113:869–875