07/01/2026
Der Mythos:
„Schielen bei kleinen Kindern ist harmlos und gibt sich mit der Zeit von alleine" – diese Annahme hören Augenärzte noch immer erstaunlich häufig. Doch dieser weit verbreitete Irrglaube kann ernsthafte Folgen für die Sehentwicklung von Kindern haben.
Die Wahrheit:
Echtes Schielen (Strabismus) bei Kindern ist keineswegs harmlos und verwächst sich nicht von selbst. Im Gegenteil: Unbehandeltes Schielen kann zu dauerhaften Sehschäden führen, die im Erwachsenenalter nicht mehr korrigierbar sind.
Was passiert beim Schielen?
Wenn ein Auge dauerhaft von der Blickrichtung des anderen abweicht, erhält das Gehirn von beiden Augen unterschiedliche Bilder. Um störende Doppelbilder zu vermeiden, unterdrückt das kindliche Gehirn die Information vom schielenden Auge. Dieser Schutzmechanismus hat jedoch fatale Konsequenzen: Das unbenutzte Auge entwickelt sich nicht richtig und wird schwachsichtig – medizinisch sprechen wir von Amblyopie.
Das kritische Zeitfenster:
Die Sehentwicklung findet hauptsächlich in den ersten Lebensjahren statt. Eine Amblyopie lässt sich nur im Kindesalter behandeln, idealerweise bis zum achten Lebensjahr. Die Erfolgschancen sinken bereits ab dem dritten Lebensjahr deutlich. Was danach versäumt wurde, lässt sich später kaum noch korrigieren – die Schwachsichtigkeit bleibt ein Leben lang bestehen.
Wichtige Ausnahme:
Bei Säuglingen ist ein leichtes Schielen in den ersten Lebensmonaten durchaus normal. Spätestens ab dem sechsten Monat sollten die Augen jedoch parallel stehen.
Unsere klare Empfehlung:
Zögern Sie nicht, wenn Sie bei Ihrem Kind auch nur den Verdacht auf Schielen haben. Je früher die Diagnose gestellt und die Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Eine augenärztliche Untersuchung bringt Klarheit und kann die Weichen für eine gesunde Sehentwicklung stellen.