09/11/2023
Die Kunst der Unvollkommenheit: Warum Perfektionismus als Bekämpfung gegen die Angst uns nicht weiterbringt.
Jeder kennt sie – die Angst. Im Laufe unseres Lebens erlernen wir Angst. Wir übernehmen sie von unseren Eltern, wir bekommen sie in der Schule beigebracht, sie kann durch negative Glaubensätze entstehen, wie z.B. „Beziehung bedeutet, verlassen zu werden“ oder „Du musst Leistung erbringen, um liebeswert zu sein“. Die Angst vor Beziehungsverlust mit all den dazu gehörigen schmerzhaften Gefühlen wird u.a. versucht durch Kontrolle in den Griff zu bekommen und eine Form der Kontrolle ist das Streben nach Perfektion.
In unserer heutigen Gesellschaft werden wir zudem oft dazu ermutigt, Perfektion anzustreben. Doch was passiert, wenn dieses Streben nach Perfektion uns nicht nur unglücklich macht, sondern auch in die Fänge der Angst treibt?
Der Wunsch, perfekt zu sein, mag auf den ersten Blick edel erscheinen. Wir setzen uns hohe Standards, streben nach Exzellenz und wollen in allem, was wir tun, brillieren. Aber hier liegt der Haken: Der Perfektionismus baut oft auf der Angst vor dem Versagen auf. Die Angst, nicht gut genug zu sein, nicht den Erwartungen gerecht zu werden, kann uns dazu verleiten, uns selbst ständig zu kritisieren und uns unter einen enormen Druck zu setzen.
Die Wahrheit ist, dass das Streben nach Perfektionismus eine Illusion ist. Die renommierte Dr. Edith Eger bringt es auf den Punkt: "Wenn Sie perfektionistisch sind, konkurrieren Sie mit Gott. Aber Sie sind ein Mensch. Sie werden Fehler machen. Versuchen Sie nicht, Gott zu besiegen, denn Gott gewinnt immer." Perfektion ist unerreichbar, denn jeder von uns ist menschlich und somit von Natur aus unvollkommen. Das permanente Streben nach einer idealen Version von uns selbst kann uns nicht nur erschöpfen, sondern auch zu einem ständigen Begleiter machen: der Angst.
Die Angst, nicht perfekt zu sein, kann zu einem lähmenden Zustand führen. Ständige Selbstkritik, die Furcht vor Fehlern und die Sorge, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, können uns von unseren Zielen abhalten und uns in einem Teufelskreis gefangen halten. Die Angst vor dem Scheitern kann so überwältigend werden, dass sie uns daran hindert, überhaupt anzufangen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Fehler ein natürlicher Bestandteil des Lebens sind. Jeder von uns macht sie, und sie sind nicht das Ende der Welt. Im Gegenteil, Fehler sind oft die besten Lehrmeister. Das Streben nach Perfektionismus kann uns jedoch davon abhalten, diese wertvollen Lektionen zu lernen, weil wir uns zu sehr darauf konzentrieren, nicht zu versagen.
Die Befreiung von der Last des Perfektionismus bedeutet nicht, sich mit Mittelmaß zufriedenzugeben. Es bedeutet vielmehr, sich selbst zu erlauben, menschlich zu sein, Fehler zu machen und aus ihnen zu wachsen. Indem wir die Angst vor der Unvollkommenheit akzeptieren, können wir eine tiefere Verbindung zu uns selbst aufbauen und authentischere Beziehungen zu anderen pflegen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass wahre Stärke nicht in der Perfektion liegt, sondern in der Fähigkeit, sich selbst zu lieben, trotz der Unvollkommenheiten. Wenn wir aufhören, Perfektion anzustreben, können wir uns von der Angst befreien, nicht gut genug zu sein. Stattdessen können wir uns auf den Prozess konzentrieren, uns selbst zu verbessern und authentisch zu leben.
In den Worten von Dr. Edith Eger: "Versuchen Sie nicht, Gott zu besiegen, denn Gott gewinnt immer." Lassen wir also die Last der Perfektion los und feiern wir die Schönheit unserer Unvollkommenheit. Denn am Ende des Tages sind wir Menschen auf einer einzigartigen Reise, und es ist unsere Menschlichkeit, die uns wirklich vollkommen macht.
In Liebe zur Unvollkommenheit
Eure Nathalie 🌸