14/04/2026
Wenn Handeln anstrengend wird
- und was sich ändert,
wenn es von selbst geschieht
Die meisten Menschen arbeiten nicht zu viel.
Sie arbeiten aus einem verarmten inneren Zustand heraus.
Neurowissenschaftlich ist das entscheidend:
Unter chronischem Stress verschiebt sich unser Nervensystem in Richtung erhöhter Vigilanz und Bedrohungsverarbeitung.
Die Polyvagal-Theorie (Stephen Porges) beschreibt diesen Zustand als funktional – aber eingeschränkt in Offenheit, Kreativität und Beziehungsfähigkeit.
In der Hypnotherapie (Erickson) spricht man von ressourcenarmen Bewusstseinszuständen.
Der „Ich-muss-machen-Modus“ ist also kein persönliches Versagen, sondern ein nachvollziehbarer Zustand.
Auch die Hypnosystemik (Gunther Schmidt) zeigt:
Wird Verhalten übermäßig bewusst kontrolliert, verringert sich der Zugriff auf implizite Lösungskompetenzen.
Forschung und kontemplative Traditionen – etwa Buddhismus oder Advaita – weisen auf einen anderen Modus hin:
Ein Handeln, das nicht primär aus Anstrengung entsteht, sondern aus innerer Präsenz entspringt.
Man könnte ihn als „Es-geschieht-von-selbst-Modus“ beschreiben.
In der Advaita-Tradition wird das „Selbst“ nicht als individuelles Ich verstanden, sondern als transpersonale Dimension von Bewusstsein.
Achtsamkeitsforschung (u. a. Jon Kabat-Zinn, Richard Davidson) zeigt:
Solche Zustände gehen mit erhöhter Selbstregulation, emotionaler Stabilität und kognitiver Flexibilität einher.
Der Wechsel ist erfahrbar – besonders durch Meditation.
Ein reguliertes Nervensystem erhöht unsere Resonanzfähigkeit im Miteinander. Wir werden flexibler, aufnahmefähiger und anschlussfähiger.
Dem gegenüber stehen „Konflikt-Trancen“:
Zustände, in denen Kommunikation sich verengt und reaktive Muster dominieren.
Konflikte sind nicht das Problem.
Sie gehören zu lebendigen Systemen einfach dazu.
Entscheidend ist, im Sinne der Pogo-Fähigkeit (Gitta Peyn) auch in Spannungsfeldern reguliert zu bleiben und nach Irritationen wieder in kooperative Resonanz zurückzufinden.
Ein berechtigter Einwand ist:
Die Betonung von Selbstregulation kann in subtilen Selbstoptimierungsdruck kippen und strukturelle Missstände - z.B. von neoliberalen Gesellschaftsprägungen - aus dem Blick verlieren.
Diese Kritik ist wichtig.
Gleichzeitig zeigt sich:
Innere Regulation erhöht die Fähigkeit, systemische Dynamiken klarer zu erkennen und konstruktiv zu verändern.
Wer nicht dauerhaft in Reaktivität gebunden ist, hat mehr Zugang zu kreativen Impulsen, Perspektivwechseln und Klarheit.
So entsteht eine Wechselwirkung:
Individuelle Regulation unterstützt kollektive Veränderung.
Und Systeme werden beweglicher, wenn genügend ihrer Elemente wach und präsent sind.
Die eigentliche Frage ist daher vielleicht nicht:
Wie können wir noch mehr leisten?
Sondern:
Aus welchem Zustand heraus handeln wir?
Und was würde sich verändern,
wenn der „Es-geschieht-von-selbst-Modus“
bewusst kultiviert werden kann?
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