08/05/2026
Gestern sah ich meinen Kartoffelbauern im NDR. Unter der Hochbahnbrücke auf dem Isemarkt erklärte er die angespannte Lage zwischen den festen Marktständen und den immer neuen Tagesbewerbern. Matcha-Tee, Foodtrucks, Kaffeestände. Immer mehr Menschen kommen inzwischen eher zum Flanieren und Essen als für Kartoffeln, Eier oder Möhren. Heute standen wir dann wieder bei ihm am Stand und schnackten darüber. Und plötzlich ging es nicht mehr nur um Matcha. Sondern darum, wie Orte sich verändern.
Der Isemarkt war immer schon besonders. Inzwischen ist er längst in Reiseführern angekommen. Freitags laufen dort junge Leute herum, fotografieren ihren Kaffee unter der Hochbahn und ehrlich gesagt: manchmal mache ich das selbst auch, weil es einfach schön ist. Und trotzdem musste ich lachen, als wir plötzlich scherzten, ob jetzt ein Kampf ausgebrochen sei: Kartoffeln gegen Matcha. Noch lustiger wurde es, als eine junge Frau mit einem ganz altmodischen Einkaufsnetz vorbeikam. Darin: ein paar Kartoffeln und eine Eierpackung. Sofort meinte jemand: „Das ist das Tarnnetz. Den Touristen wird gesagt, sie sollen ein Netz mit Kartoffeln tragen, damit die Einheimischen nicht misstrauisch werden.“ Und wir lachten.
Ja, vieles verändert sich. Aus Versorgungsorten werden Erlebnisorte. Aus Imbissbuden werden Foodtrucks. Und aus dem Markt unter der Hochbahn längst ein Ort, den alle Reiseführer entdeckt haben. Aber manches bleibt eben auch. Dass Menschen miteinander reden. Dass keiner drängelt. Dass man zwischen Kartoffeln und Möhren plötzlich über das Leben philosophiert.�Und dass ich immer noch gerne dort hingehe, um gute Lebensmittel zu kaufen und nach einer arbeitsreichen Woche ein bisschen Energie für mich zu tanken.