05/01/2026
Das ist nicht unser Leben. Das ist unser Job.
Ich dachte lange, das wäre mein Leben. Und ja, man muss diesen Beruf ernst nehmen. Hier geht es um Verantwortung, um Menschen, um Entscheidungen, die Gewicht haben. Fehler haben eine andere Bedeutung als in vielen anderen Berufen. Aber genauso ernst solltest du deine Freizeit nehmen, deine Regeneration und deine mentale Gesundheit. Denn du kannst auf Dauer nur geben, wenn du auch lernst, dich selbst zu schützen.
24-Stunden-Dienste sind und bleiben eine Tortur. Ich hätte nie gedacht, dass mich Nachtdienste so fordern würden, körperlich und emotional. Und trotzdem darfst du nicht alles mit nach Hause nehmen. Tod und Leben liegen in diesem Beruf so nah beieinander, dass du lernen musst, beides auszuhalten.
Um gute Arbeit zu leisten, musst du die Menschen hinter den Diagnosen sehen. Aber um gesund zu bleiben, musst du auch lernen, dich wieder davon zu distanzieren. Diese Balance zu finden ist schwer und manchmal fühlt sie sich unmöglich an.
Die Vergänglichkeit des Lebens erinnert dich jeden Tag daran, was wirklich zählt. Sie erdet dich. Sie lässt dich verstehen, was echte Probleme sind, nämlich die, die mit Gesundheit zu tun haben.
Und dann sind da die Hierarchien. Bitterkeit oder Empathie, beides begegnet dir. Wenn jemand respektlos ist, sagt das oft mehr über seine eigenen Verletzungen aus als über dich. Ich habe beides erlebt, harte und gute Erfahrungen. Und manche davon trage ich bis heute in mir.
Hör auf zu rennen. Niemand jagt dich. Erfahrung braucht Zeit und die Zeit vergeht sowieso. Mach dir weniger Druck mit schneller, besser, weiter. Es wird besser. Und alles, was sich heute schwer anfühlt, wird irgendwann Routine.