14/12/2025
Dem ist nichts hinzuzufügen…!
Zum Glück keine Reform. Nur Papier.
Am 11. Dezember 2025 hat die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ ihr Eckpunktepapier vorgelegt.
Nicht beschlossen.
Nicht geeint.
Nicht verbindlich.
Es gab keine Einigung, keine gesetzliche Festlegung, keine Finanzierung.
Das Papier ist nicht abgelehnt worden, aber politisch stecken geblieben.
Und genau das ist sein größtes Glück. Denn als Reform hätte es der Pflege geschadet.
Der zentrale Grundsatz fehlt vollständig: ambulant vor stationär.
Nicht als Prüfauftrag, nicht als Perspektive, sondern klar, verbindlich, gesetzlich.
Wer Pflege sichern will, muss dort ansetzen, wo sie tatsächlich stattfindet.
Stattdessen werden andere Systeme stabilisiert.
Krankenhäuser erhalten hohe Zuschläge, um ihre strukturelle Unterdeckung auszugleichen. Allein im Landkreis Harburg reden wir über rund 8 Millionen Euro pro Jahr.
Pflegeheimbewohner sollen entlastet werden, indem ihr Eigenanteil von aktuell etwa 3.000 Euro monatlich auf rund 1.000 Euro gedeckelt wird.
Wichtig ist die Klarheit:
Die Pflegeheime bekommen ihr Geld weiterhin vollständig.
Es fehlen also mindestens 2.000 Euro pro Platz und Monat, die künftig von der Allgemeinheit getragen werden sollen. Welche Steuer das dauerhaft finanzieren soll, sagt niemand. Dass diese Rechnung aufgeht, behauptet ebenfalls niemand.
Und während Milliarden umverteilt werden, gerät die ambulante Pflege unter Druck. Dort, wo die Mehrheit der Pflegebedürftigen in Deutschland versorgt wird, wird über Kürzungen gesprochen. Pflegegrad 1 steht infrage.
Haushaltsnahe Dienstleistungen sollen zurückgedrängt werden. Statt praktischer Hilfe im Alltag werden Gleichgewichtsübungen diskutiert.
Die Realität ist eine andere: Die ambulante Pflege ist in den letzten Jahren massiv teurer geworden. Nicht, weil sie luxuriöser geworden ist, sondern wegen gesetzlich verordneter Tariftreue. Gleichzeitig ist der reale Leistungsumfang für Pflegebedürftige gesunken. Nicht aus fachlichen Gründen, sondern weil sich immer weniger Menschen diese Versorgung leisten können.
Was zuverlässig wächst, ist nur eines: Bürokratie. Mehr Nachweise. Mehr Dokumentation. Mehr Kontrolle. Weniger Zeit für Menschen.
Vielleicht wäre der ehrlichste Reformschritt, sich einzugestehen:
Pflege braucht weniger politische Fernsteuerung und mehr Vertrauen in die Praxis.
Wir wissen, was Pflegebedürftige brauchen – und was nicht. Politiker, die klatschen, besuchen und anschließend über uns entscheiden, lösen kein einziges Versorgungsproblem. Eine echte Reform würde die ambulante Pflege absichern.
Dieses Papier tut das nicht. Zum Glück ist es genau das geblieben: Papier.