15/04/2026
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Wieder eine grandiose Idee unserer Regierung. Was bedeuten € 1000,- Sonderzahlung in der Praxis für uns und andere Betriebe?
Was ja heute gerne fehlt, sind Fakten. Also nennen wir ein paar:
Sollten wir diese Zahlung leisten, wären das bei über 180 Mitarbeitern eben mal 1.000 mal 180. Den Rest kann jeder selbst ausrechnen. Die Kassen werden das definitiv nicht finanzieren. Wir gucken also mal unter unser Schulungs-Pflegebett, ob der Geldsack mit den 200.000 Euro noch da ist. Ist er nicht? Stimmt, der ist letztes Jahr schon für das Weihnachtsgeld draufgegangen.
Das war natürlich Spaß. Wir haben unsere Reserven ja bei der Bank. Ist die Null auf dem Kontoauszug eigentlich eine Zahl oder schon ein Zustand?
Und was macht das jetzt mit den Mitarbeitern hier? Verstehen alle, warum wir das nicht zahlen können? Die meisten sicherlich. Aber auf Stimmung und Betriebsklima drückt so etwas natürlich trotzdem.
Aber jetzt wird es besser. Frau, wie heißt sie noch mal? Warken? Schiebt eine gigantische Gesundheitsreform an. Alle Bürger werden belastet, aber die Industrie nur ein bisschen bis gar nicht. In der Pharmabranche nagen sie schließlich traditionell am Hungertuch.
Wir kämpfen unterdessen gerne weiter mit steigenden Ausgaben. Beispiel Handschuhe. Die sind inzwischen mehr als doppelt so teuer wie noch vor ein paar Monaten. Kraftstoffe? Aus 17 Cent Entlastung werden wohl nur 14. Klingbeil rudert ja schon zurück. Und von diesen 14 Cent kommen dann vielleicht 7 Cent überhaupt an.
Aber auch das ist natürlich kein Problem. Dann erhöhen wir eben einfach die Preise. Ach nein, das dürfen wir ja nicht. Dann gehen wir eben an unsere Reserven. Ach nein, die haben wir ja gar nicht. Warum? Weil wir unsere Preise nicht anpassen können oder dürfen. Weil wir uns in endlosen Verhandlungen mit den Pflegekassen regelmäßig anhören dürfen, was angeblich finanzierbar ist, aber nie das bekommen, was für eine angemessene Pflege und eine vernünftige Betriebsführung nötig wäre. Stichwort gestiegene Gehälter durch die Tariftreue. Stichwort Inflationsausgleich.
Langsam fragen sich nicht nur unsere Mitarbeiter, wofür sie eigentlich Kranken- und Pflegekassenbeiträge zahlen. Die Eigenleistungen steigen immer weiter, die Beiträge natürlich auch. Brille, Zahnarzt, Arzneimittel, Heilmittel wie zum Beispiel Physiotherapie, Krankenhausaufenthalte. Alles wird teurer. Für alle.
Pflegekräfte und deren Arbeitgeber werden weiter systematisch ausgebeutet. Und die häusliche Pflege wird politisch gewollt den Angehörigen überlassen. Ist ja billiger.
Und in sogenannten Welcome Centern werden Fachkräfte aus dem Ausland angeworben, oft mit mangelhaften Sprachkenntnissen. Aber bei Kontrollen unserer Einrichtungen durch den Medizinischen Dienst führt jeder Rechtschreibfehler zu Punktabzügen. Genau unser Humor.
Ja, wir meckern schon wieder. Aber Schweigen ändert gar nichts. Wahrscheinlich muss dieses System erst crashen, damit sich etwas ändert. Aber wollen wir das wirklich? Gibt es keine qualifizierte Lösung? Oder fehlt in Berlin einfach beides, Kompetenz und Wille?
Das war nur ein Ausschnitt von dem, was uns politisch und strukturell in der Pflege vor die Füße geworfen wird. Wenn ihr mehr darüber lesen wollt, schreibt es in die Kommentare. Stoff gibt es mehr als genug.