02/12/2025
WARUM „GOTT“ NICHT EINSCHREITET
Fast jeder Mensch trägt ein Bild von „Gott“ in sich, auch wenn er sich selbst als ungläubig bezeichnet. Dieses Bild ist wie ein Abdruck, der über Generationen weitergegeben wurde.. ein alter Mann mit langem Bart, der über den Wolken sitzt und die Fäden der Welt in der Hand hält. Für manche ist es der liebevolle Vater, der beschützt und vergibt. Für andere der strenge Richter, der straft und prüft. Und für viele einfach ein unsichtbares Wesen, das man in der Not anruft.. in der Hoffnung, dass es eingreift, wenn das Leid zu groß wird.
Doch genau hier beginnt das Paradox. Wenn dieser Gott allmächtig wäre, warum lässt er dann Kinder hungern? Warum verhindert er keine Kriege, keine Krankheiten, keine Gewalt? Warum sitzt er scheinbar still da, während die Welt brennt? Die Frage, die seit Jahrtausenden gestellt wird, wirkt wie eine Wunde im kollektiven Bewusstsein und gleichzeitig wie ein Schlüssel, der uns etwas viel Tieferes offenbart.
Denn das, was wir als „Gott“ kennen, ist kein neutrales Wort, sondern ein Konstrukt. Schon die Herkunft zeigt, wie sehr er geformt und verzerrt wurde. Im Germanischen bedeutete Gott das, „worauf man sich beruft“ oder „das, was angerufen wird“. Noch früher waren es Götter und Machtwesen, die Opfer verlangten und Felder der Angst aufbauten.
In vielen Kulturen waren „die Götter“ nicht die Quelle allen Lebens, sondern Autoritäten, die über den Menschen standen und sie durch Gehorsam fesselten.
So wurde der Gott, den wir heute anrufen, in Wahrheit zum Instrument.. ein Bild, das uns in der Warteschleife hält. Wir sollen hoffen, dass er einschreitet. Wir sollen beten, dass er rettet. Wir sollen Opfer bringen, weil er es verlangt. Aber währenddessen geben wir etwas aus der Hand, das niemals hätte weggegeben werden sollen: unsere eigene schöpferische Kraft.
Die Quelle.. das, was wirklich hinter allem liegt.. ist ganz anders. Sie ist kein Thron, kein Zepter, kein Richter. Sie ist nicht außerhalb von dir, nicht über dir und nicht gegen dich.
Sie ist das Feld, aus dem alles entsteht.
Sie ist das, was deine Zellen leuchten lässt, was dein Herz unaufhörlich schlagen lässt,
was in der Tiefe jeder Erfahrung pulsiert.
Sie ist weder gut noch böse, sie ist nicht berechnend, nicht strafend, nicht belohnend. Sie ist reines Sein.
Und genau deshalb „greift“ sie nicht ein. Nicht, weil es ihr egal wäre. Nicht, weil sie kalt oder fern wäre. Sondern, weil sie in dir selbst wirkt, durch deine Entscheidungen, deine Resonanz, deine Taten. Die Quelle ist kein fremdes Wesen, das irgendwann kommt, um die Menschheit aus der Dunkelheit zu ziehen.
Sie wartet nicht, sie prüft nicht, sie beobachtet nicht. Sie IST. Und sie zeigt sich in dem Moment, in dem du erkennst, dass du selbst ein Ausdruck von ihr bist.
Das, was wir als Abwesenheit von Gott erleben, ist in Wahrheit die Rückgabe unserer eigenen Verantwortung. Es gibt keinen übermächtigen Vater, der den Krieg für dich beendet, der den Schmerz für dich heilt, der die Schatten für dich wegwischt. Es gibt nur dich.. verbunden mit allem, was ist und deine Entscheidung, ob du das Feld mit Ohnmacht oder mit Klarheit füllst.
Die eigentliche Frage ist also nicht, warum Gott nicht einschreitet.
Die eigentliche Frage ist: Wann hörst du auf, auf jemanden zu warten, der außerhalb von
dir sitzt?
Wann erkennst du, dass es nie einen getrennten Gott gab.. sondern nur dich und
die Quelle, untrennbar, immer schon eins?
TextQuelle: Leaving WonD3rland - Danke ♡