25/03/2026
Sie saß mir gegenüber und sagte: „Ich weiß, dass mehr in mir steckt. Aber ich komme einfach nicht dahin."
Mitte 30. Intelligent. Voller Träume. Und gleichzeitig wie festgefroren.
Als wir tiefer schauten, kam etwas hoch, das sie so nicht erwartet hatte.
Tränen. Und ein Schmerz, der sich körperlich anfühlte.
In diesem Moment wurde ihr klar: Sie hatte sich nie wirklich erlaubt, sie selbst zu sein.
Aus Liebe. Aus Treue. Zu ihrer Mutter.
Was steckt systemisch dahinter?
In der Systemik nennen wir das unbewusste Loyalität.
Kinder lieben ihre Eltern bedingungslos – und diese Liebe kann sich in etwas sehr Stilles verwandeln: In die unbewusste Entscheidung, nicht größer zu werden als die Mutter. Nicht erfolgreicher. Nicht freier. Nicht glücklicher.
Denn Erfolg kann sich anfühlen wie Verrat. Wie: Ich lasse sie zurück.
Die Mutter, die ihren eigenen Träumen nie nachgehen durfte. Die sich selbst nie erlaubt hat, ihr volles Potenzial zu leben. Und das Kind – heute erwachsen – trägt diese Loyalität still in sich.
Oft ein ganzes Leben lang.
Was kann man dagegen tun?
Der erste Schritt ist genau das, was diese junge Frau erlebt hat: Bewusstwerdung.
Denn was wir sehen können, können wir auch verändern. Und dann dürfen wir fühlen.
In der systemischen Arbeit geht es dann darum: Die Mutter innerlich an ihren Platz zu stellen. Ihr das zurückzugeben, was ihr gehört – ihren Weg, ihren Schmerz, ihr Schicksal.
Und sich selbst die Erlaubnis zu geben: Ich darf mehr sein. Ich darf mein Leben leben. Ich verrate dich nicht damit.
Das ist kein Verrat an der Mutter. Es ist das Größte, was du ihr geben kannst – ein Kind, das frei ist.
Erkennst du diese Art von Loyalität in deinem Leben?
Was wäre möglich in deinem Leben, wenn du dir selbst diese Erlaubnis geben könntest?