31/01/2026
Manchmal scheitert ein Termin nicht an der Behandlung, sondern an der Vorstellung des Menschen, wie schnell ein Tier bereit sein sollte.
Neulich hatten wir so einen Termin am Unterwasserlaufband. Der Hund wollte nicht hinein. Das zeigte er nicht laut, nicht dramatisch – eher als dieses klare, stille „Nein“, das man nur überhören kann, wenn man es nicht hören will. Der Körper war angespannt, die Orientierung nach außen groß, und jede Bewegung sagte: Das hier ist mir gerade zu viel.
Was viele nicht sehen: Das ist nicht das Ende. Das ist der Anfang, der zeigt, was das Tier braucht, um mitgehen zu können.
Denn innerhalb dieses Termins passierte etwas, das ich als Fortschritt erkenne, auch wenn es nicht spektakulär und besonders groß aussieht. Der Hund bekam Raum. Er bekam Zeit. Kein Ziehen am Geschirr, kein Schieben, kein „jetzt aber“. Und plötzlich wurden kleine Dinge möglich: ein Blick, der nicht sofort wegflieht. Ein Atemzug, der tiefer wird. Ein Schritt näher an mich, ohne dass der Körper gleich wieder zurückspringt. Diese unscheinbaren Zentimeter, aus denen später Meter werden – wenn man sie denn entstehen lässt.
Aber die Menschen an seiner Seite konnten das nicht sehen. Denn das Bild, das sie von diesem Termin hatten, was deutlich: Am Ende dieses Termins muss er im Band laufen. Und dieses Bild war so stark, dass es alles andere übertönte.
Von Beginn an war diese Ungeduld im Raum. Dieses Fordernde. Nicht bösartig – eher wie ein innerer Zeitdruck: Der Termin muss genutzt werden. Das Geld sollte „sich lohnen“.
Wir baten mehrfach darum, uns zu vertrauen. Dass wir wissen, was wir tun. Dass Zeit, die man jetzt gibt, sich wieder „einholt“, weil überhaupt erst etwas entstehen muss, worauf man aufbauen kann.
Doch manchmal können Vorstellungen keinen Vertrauensvorschuss gewähren. Aus dem Warten wird Ungeduld. Einmischen. Drängen. Mit Folgen für das Tier. Was dann innerhalb von Sekunden verloren geht, sind die kleinen Schritte, die eben noch möglich waren.
Das ist der Moment, in dem es schwer wird, weil er sich so unbefriedigend anfühlt: Du weißt, dass Zeit helfen kann. Du siehst sogar, dass der Hund schon in die richtige Richtung geht. Und trotzdem wird der Weg zerstört, weil die Erwartungen größer sind als die Geduld mit dem Tier. Oder mit uns.
Manchmal ist das die eigentliche Arbeit: auszuhalten, dass Fortschritt klein beginnt. Und zu verstehen, dass „effektiv“ nicht heißt, ein Ziel in Termin 1 zu erzwingen, das eigentlich erst in Termin 5 realistisch wird.
Ich wünschte, solche Geschichten hätten immer ein Happy End. Aber manchmal endet es damit, dass wir ehrlich sein müssen: So, wie es gerade läuft, kann es nicht wirken. Nicht fürs Tier. Nicht für den Körper. Nicht für das, was wir hier eigentlich tun wollen.
Und vielleicht bleibt am Ende nur dieser Satz, der unbequem ist und trotzdem wahr:
Nicht jeder Termin ist dann „genutzt“, wenn das Tier dort landet, wo der Mensch es haben will. Manchmal ist ein Termin dann genutzt, wenn ein Tier wieder Luft und Raum bekommt – und wir sein Tempo respektieren, bevor wir etwas von ihm verlangen.
Dann bleibt uns nur, loszulassen.
Weil wir Vorstellungen nicht verändern können, wenn die Bereitschaft dafür fehlt.
Und weil solche Termine nicht nur das Tier fordern, sondern auch uns: In unserer Physiotherapie-Ausbildung Hund/Katze gehört neben der Praxis am Tier auch dazu, wie man sich selbst schützt – damit man nicht zerbricht, wenn es kein Happy End gibt.