02/11/2023
Übertypisierung von Rassemerkmalen bei Hunden am Beispiel der Syringomyelie
Syringomyelie – ein fast unaussprechbarer Krankheitsname. Was ist das überhaupt und wie entsteht die Erkrankung?
Sehr stark vereinfacht ausgedrückt entsteht die Syringomyelie durch eine Malformation des Schädels, weil Teile des Schädels des betroffenen Tieres nicht groß genug für das Gehirn sind. Durch den Platzmangel im Schädel können die Abflusskanäle für das Hirnwasser verstopfen und es kann nicht abfließen. Dadurch kann der Druck im Inneren des Kopfes ansteigen und es bilden sich mit Hirnwasser gefüllte Hohlräume (Syrinx) die aus dem Schädel ins Rückenmark (Myelos) vorfallen können.
Zunächst fallen diese Hunde im Alter zwischen 6 Monaten und 2 Jahren meistens durch einseitiges, massives Kratzen am Hals- und Kopfbereich auf, auch ohne dass das Tier dabei die Haut berührt – was dann gerne mal fälschlicherweise als Allergie angesehen wird, aber stattdessen durch Schmerzen ausgelöst wird. Durch das ständige Kratzen an einer Halsseite verspannt sich die Halsmuskulatur und die Halswirbelsäule kann verkrümmen, was die Schmerzen noch deutlich steigern kann. Betroffene Tiere sind berührungsempfindlich im Bereich der Halswirbelsäule und des Kopfes. Wird der Druck im Hirn zu groß, kann es sein, dass die Hunde vor Schmerzen schreien. Auch Lähmungen oder Lähmungserscheinungen können beim Voranschreiten der Erkrankung entstehen. Feststellen lässt sich diese Erkrankung nur anhand von MRT-Aufnahmen.
Vor allem der Cavalier King Charles Spaniel ist als Rasse betroffen. In Deutschland geht man von einer Prävalenz von fast 50% erkrankter Tiere bei dieser Rasse aus, Studien in England haben sogar eine deutlich höhere Quote ermittelt. Wobei bei weitem nicht alle Hunde mit dieser Schädel-Malformation Symptome bzw. tatsächlich eine Syringomyelie haben!
Aber auch bei vielen weiteren kurzköpfigen „Mini-Rassen“ wie Affenpinschern, Zwergspitz, französische Bulldoggen, Pekinesen oder Chihuahuas ist die Krankheit beschrieben , d.h. Kurzköpfigkeit scheint das Risiko einer Malformation und das einer eventuell daraus entstehenden Syringomyelie zu erhöhen. (Aber auch Rückenmarkstraumata können für diese Erkrankung ursächlich sein.)
Wird diese Kurzköpfigkeit in der Zucht übertypisiert und in Extreme getrieben, können wir Menschen diesen Hunden unnötiges Leid zufügen, weil wir die kleinen/kurzen Köpfe so niedlich finden.
Ich bin wahrhaftig niemand, der reißerische Bilder oder Videos verbreitet, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Aber wer mag, kann sich das Video von so einer Kratzattacke des Hundes auf dieser Seite einmal anschauen. Mir treibt es die Tränen in die Augen. https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/kleintierklinik/Chirurgie/neurologie/Patienteninformation/c/chiari-malformation
Jede Rasse hat seine häufig vorkommenden Erkrankungen und „Fehler“ – wie wir Menschen auch. Ich möchte auch keinen von euch verurteilen, der so einen Hund besitzt, denn ihr alle liebt eure Hunde und wollt ihm bestimmt kein Leid zufügen! Aber werden bestimmte optische Merkmale in der Zucht auf die Spitze getrieben, ist das nicht gesund und unfair den Hunden gegenüber und dies ist nur eines von vielen Problemen der kurzköpfigen Rassen mit extremen Ausprägungen. Davor darf man die Augen nicht verschließen.