Psychotherapie-glaßmeyer

Psychotherapie-glaßmeyer Hier geht es um psychische Gesundheit, Aufklärung und die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.

13/01/2026

Ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn kann eine große Stärke sein. Viele Menschen mit ADHS sehen sehr schnell, wenn etwas unfair läuft, unausgesprochen bleibt oder jemand zu Unrecht Verantwortung trägt. Das Problem entsteht nicht durch diese Wahrnehmung, sondern dadurch, dass fast automatisch gehandelt wird, oft auf eigene Kosten.
 
Was helfen kann, ist nicht weniger Haltung, sondern mehr innere Sortierung.
 
1.        Kläre zuerst deine Zuständigkeit
Eine einfache, aber unbequeme Frage vor dem Einmischen lautet: Bin ich hier wirklich verantwortlich oder fühlt es sich nur so an, weil ich Ungerechtigkeit schwer aushalte. Nicht alles, was sich falsch anfühlt, muss von dir korrigiert werden. Verantwortung darf auch bei anderen bleiben, selbst wenn sie es gerade nicht gut machen.

2.        Trenne Wahrnehmung von Handlung
Du darfst Ungerechtigkeit sehen, ohne sofort zu reagieren. Wahrnehmen heißt nicht automatisch eingreifen. Eine kurze innere Pause kann helfen, die eigene Reaktion bewusst zu wählen statt reflexhaft zu handeln.

3.        Prüfe den Preis
Viele mit ADHS handeln aus Haltung und zahlen später mit Erschöpfung, Ärger oder Schuldgefühlen. Frag dich ehrlich: Was kostet mich das Eingreifen gerade und bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen. Wenn die Antwort Nein ist, darfst du dich zurücknehmen, ohne dich zu verraten.

4.        Erkenne alte Muster
Wer oft übersehen, kritisiert oder missverstanden wurde, reagiert heute sensibler, wenn Ähnliches bei anderen passiert. Das ist verständlich. Gleichzeitig lohnt es sich zu prüfen, ob du gerade für die aktuelle Situation einstehst oder für etwas Altes, das sich ähnlich anfühlt.
 
Ein starker Gerechtigkeitssinn braucht Führung, sonst führt er dich. Genau daran kann man arbeiten: die eigene Haltung behalten, ohne sich selbst dabei ständig zu übergehen.
 
Mich interessiert: Wobei kostet dich dein Gerechtigkeitssinn im Alltag am meisten Energie.
 

08/01/2026

Das Thema „Selbstdiagnosen bei ADHS“ spaltet. Und ehrlich gesagt gibt es auf beiden Seiten Argumente, die man nicht ignorieren sollte.
 
Auf der einen Seite stehen Menschen, die sich in ADHS-Reels wiedererkennen und zum ersten Mal überhaupt eine Erklärung für ihr Erleben sehen. Diese Selbstdiagnose ist für viele kein Modephänomen, sondern ein erster Moment von Klarheit. Nach Jahren voller Selbstzweifel kann es unglaublich erleichternd sein zu verstehen, dass man nicht faul, nicht dumm und nicht willensschwach ist. Man merkt: Mein Gehirn funktioniert anders. Punkt. Für viele ist das der Start in Selbstakzeptanz, Therapie, Diagnostik oder einfach bessere Entscheidungen.
 
Auf der anderen Seite stimmt aber auch: Nicht jedes Symptom bedeutet ADHS. Überforderung, Trauma, Depressionen oder Angst können ähnlich aussehen. Wenn man alles dem Label ADHS zuordnet, kann man wichtige Themen übersehen. Und Social Media trägt dazu bei. Der Algorithmus zeigt dir das, was du anklickst. Irgendwann wirkt es, als würde jeder ADHS haben. Das kann Diagnostik verwässern und das Bild verzerren.
 
Also: Ist eine Selbstdiagnose gefährlich? Sie kann es sein, wenn man sie wie eine finale Wahrheit behandelt. Und sie kann hilfreich sein, wenn sie der erste Schritt ist, sich ernst zu nehmen, statt sich weiter selbst die Schuld zu geben.
 
Gleichzeitig muss man anerkennen, dass viele Fachpersonen ADHS bei Erwachsenen immer noch unterschätzen oder mit veralteten Modellen arbeiten. Wer sich wiedererkennt, ist nicht automatisch „diagnosegeil“ oder auf Ausreden aus. Viele mussten sich ihr Wissen selbst erarbeiten, weil sie jahrelang übersehen wurden.
 
Am Ende gilt: Die Selbstdiagnose kann ein Anstoß sein, aber die Diagnostik gehört zu Fachpersonen. Die Gefahr liegt nicht in der Selbstdiagnose selbst, sondern darin, weder die eine noch die andere Seite zu hinterfragen.
 
Und genau da beginnt Selbstfürsorge: sich nicht abwerten, eigene, Grenzen sehen, Strukturen finden, die wirklich passen.
 
Wenn du lernen willst, wie du dir im Alltag selbst endlich wichtiger wirst: solltest du dich auch mit Selbstfürsorge beschäftigen.
 

06/01/2026

Vergessen passiert bei ADHS selten aus Gleichgültigkeit, sondern weil Aufmerksamkeit stark an das gekoppelt ist, was gerade sichtbar, greifbar oder emotional präsent ist.

In dem Moment, in dem etwas aus dem Blickfeld verschwindet, verliert es für das Gehirn an Priorität. Das gilt für Cola auf dem Kühlschrank genauso wie für Nachrichten, Antworten oder Rückmeldungen. Das Problem entsteht meist erst danach. Menschen fühlen sich übergangen, nicht wichtig genommen oder abgelehnt, während auf der anderen Seite Schuldgefühle, Rechtfertigungsdruck und innerer Stress wachsen.

Was im Alltag helfen kann, um genau das abzufangen und Konflikte zu reduzieren:

1️⃣ 👀 Sichtbarkeit vor Ordnung
Wichtige Dinge brauchen Plätze, an denen sie gesehen werden. Offene Ablagen, angepinnte Chats oder bewusst liegen gelassene Notizen funktionieren oft besser als perfekte Systeme, die im Schrank verschwinden.

2️⃣ ✍️ Spuren hinterlassen statt alles merken
Sobald dir einfällt, dass du antworten wolltest, hilft ein kleines Zeichen. Ein Emoji, ein kurzes „Ich melde mich später“ oder ein Stichwort im Handy hält das Thema präsent und nimmt Druck raus.

3️⃣ 💬 Antworten vereinfachen
Warten auf den perfekten Moment sorgt häufig dafür, dass gar nichts passiert. Kurze Rückmeldungen können verhindern, dass auf der anderen Seite Unsicherheit entsteht.

4️⃣ ⏰ Feste Antwortzeiten
Ein oder zwei bewusste Zeitfenster am Tag reichen oft aus, um Nachrichten zu beantworten. Das entlastet dein Gehirn und reduziert das Gefühl, ständig hinterherzuhinken.

5️⃣ ❤️ Bedeutung richtig einordnen
Vergessen bedeutet bei ADHS selten fehlende Wertschätzung. Menschen verschwinden nicht aus dem Herzen, sondern aus dem Fokus. Diese Einordnung kann Beziehungen deutlich entspannen.

Welche Strategien helfen dir, damit Dinge und Menschen nicht aus dem Blick geraten?

Schreib es gern in die Kommentare oder speicher dir den Beitrag.

04/01/2026

Wir machen bei ADHS-Medikation oft eine Grundsatzdebatte, als ginge es um Willenskraft oder um eine Abkürzung. Das ist schräg. Bei einer Brille fragt auch keiner, ob du es nicht einfach ohne versuchen willst, weil du dich dann mehr anstrengst.
 
Die realistische Frage ist doch: Wie viel Kraft kostet dich dein Alltag ohne Unterstützung? Viele kompensieren mit Druck, Perfektionismus, Angst, 10 Listen, Nachtschichten im Kopf. Nach außen wirkt es wie Unordnung, innen ist es Dauerstress.
 
Warum ADHS-Medikation weniger verteufelt werden sollte:
• Sie ist in Leitlinien als wirksame Behandlung etabliert und wird bei Erwachsenen als Option der ersten Wahl genannt.
• Sie ersetzt keine anderen Strategien, sondern macht diese überhaupt erst nutzbar, weil weniger Energie fürs Sortieren und Filtern draufgeht.
• Sie wird ärztlich eingestellt und überwacht (sollte sie zumindest), inklusive Nebenwirkungen, Puls und Blutdruck.
• Sie ist kein Persönlichkeitswechsel. Sie verändert nicht deine Werte, sondern deine Zugänglichkeit zu deinem eigenen Gehirn.
 
Wenn du ohne Medikation leben willst oder musst: Bau dir die Brille außen. Eine Liste, ein Kalender, ein Start-Ritual. Body Doubling für Aufgaben, die du sonst nicht startest.
 
Schlagfertige Sätze, wenn jemand blöd kommentiert:
• Du würdest auch keinem Kurzsichtigen raten, angestrengter zu gucken?
• Meine Leistung ist nicht das Problem, die Dauerbelastung ist es.
• Wenn du Hörgeräte akzeptierst, akzeptiere auch das hier.
• Diagnose und Behandlung sind Medizin, keine Meinung.
 
Was ist bei dir der größte Preis, den du ohne Unterstützung im Alltag zahlst?
 

03/01/2026

Viele von uns setzen sich selbst erst dann auf die Liste, wenn gar nichts mehr geht. Wenn der Körper streikt, wenn die Nerven blank liegen, wenn wir plötzlich merken: Ich kann nicht mehr.
 
Deshalb hier ein paar Tipps, die nicht nach Pinterest klingen und die auch an einem normalen, stressigen Tag gehen.
 
• Die 3 Minuten Regel
Wenn du gerade keine Kraft für Selbstfürsorge hast, mach sie 3 Minuten. Ein Glas Wasser. Ein Snack. Fenster auf. Kurz hinsetzen.
 
• Stop doing Liste statt To do Liste
Schreib dir heute eine Sache auf, die du bewusst nicht machst. Eine reicht. Das bringt Stabilität rein, weil du aktiv entscheidest statt nur hinterherzurennen.
 
• Ein Satz, der Grenzen setzt.
„Ich kann das heute nicht übernehmen.“
„Ich melde mich morgen dazu.“
„Ich habe gerade den Kopf voll, ich brauche kurz Zeit.“
Speicher sie dir ab. In echt scheitern die meisten daran, dass sie in demm Moment keinen Satz parat haben.
 
• Realitätscheck bei Schuldgefühlen
Würdest du das von einer Freundin erwarten? Wenn nein, warum erwartest du es von dir? Das ist der schnellste Test, wenn dein Kopf wieder mit dir verhandelt.
 
• Wartung statt Belohnung
Essen, Schlaf, Bewegung, Pause, Arzttermine. Das ist keine Belohnung für gute Leistung, das ist Wartung. Du wartest ja auch nicht mit dem Tanken, bis das Auto stehen bleibt.
 
• Mini-Termin mit dir
10 Minuten. Jeden Tag. Handy weg. Einmal kurz sortieren: Was ist heute wirklich wichtig, was kann warten, was delegiere ich, was streiche ich?
 
• Dein Stabilitäts-Set
Schreib dir drei Dinge auf, die dich zuverlässig runterholen. Zum Beispiel warme Dusche, 10 Minuten rausgehen, Sprachnachricht an eine Person, Decke und Tee, Musik, Atemübung. Und dann gilt: erst eins davon, dann weiter.
 
Wenn du gerade merkst, dass Selbstfürsorge kaum in deinem Leben vorkommt: Genau daran arbeitet AIKO: Selbstfürsorge so aufzubauen, dass sie im echten Alltag funktioniert.
 
Wenn du mehr wissen willst, kommentiere ➡️AIKO⬅️
 

Stell dir vor, jemand würde dir sagen: „Ich feiere heute, indem ich Geld verbrenne, Tiere erschrecke, Müll verteile und ...
31/12/2025

Stell dir vor, jemand würde dir sagen: „Ich feiere heute, indem ich Geld verbrenne, Tiere erschrecke, Müll verteile und Menschen in Alarm versetze.“

Du würdest sagen: Klingt nach einem schlechten Scherz.

Wir nennen es aber Silvester.

Wir kaufen Sprengstoff im Supermarkt, zünden ihn zwischen Häusern an, erschrecken damit Haustiere, Wildtiere, Kinder und traumatisierte Menschen und nennen das feiern.

Das ist keine Tradition, das ist Gewohnheit mit Glitzer. Und Gewohnheit fühlt sich immer normal an, bis sie es plötzlich nicht mehr tut. So wie Rauchen im Restaurant, so wie Anschnallgurte früher „übertrieben“ waren, so wie es normal war, Kinder anzuschreien und zu sagen: „Das härtet ab.“

Heute schütteln wir darüber den Kopf, weil wir gelernt haben. Und genau das steht hier an.

Wer zahlt eigentlich den Preis für unser „Ist doch nur einmal im Jahr“?

Die Antwort ist unbequem. Und genau deshalb ändern sich Dinge nie, solange sie sich noch normal anfühlen. Vielleicht wird Feuerwerk eines Tages einfach das, was Rauchen im Büro heute ist: ein Relikt aus einer Zeit, in der wir es nicht besser sehen wollten.

Und das wäre kein Verlust. Das wäre Entwicklung.

Kommt gut ins neue Jahr🥂

30/12/2025

Viele mit ADHS kennen diesen Moment nach einem schönen Abend, in dem plötzlich alles schwerer wirkt, obwohl eigentlich alles gut war. Aber nicht, weil jemand etwas Komisches gesagt hat oder weil du dich danebenbenommen hast, sondern weil dein Kopf seit Jahren darauf trainiert ist, alles noch einmal zu überprüfen. Es fühlt sich an, als würdest du nach Fehlern suchen, obwohl der Abend gar keine hatte. Und genau das macht es so anstrengend.
 
Wenn du in solchen Momenten im Bett liegst und merkst, wie dein Kopf Fahrt aufnimmt, kann es helfen, den Abend bewusst zu beenden, statt ihn gedanklich weiterlaufen zu lassen. Du kannst deinem Körper ein kleines Signal geben, dass der soziale Teil vorbei ist. Abschminken, eine kurze Dusche, etwas Bequemes anziehen. Also nicht als Ritual, sondern als Übergang. Es hilft, diese innere Tür zu schließen, die sonst offen bleibt und dich ständig zurückruft.
 
Du kannst dir auch 2-3 Dinge aufschreiben, die wirklich passiert sind aber nicht emotional bewertet, sondern sachlich. Das nimmt Druck raus, wenn dein Kopf merkt, dass die Fakten viel harmloser sind als die Geschichten, die er im Dunkeln schreibt. Und manchmal reicht es, dich zu fragen, wie du reagieren würdest, wenn eine Freundin dir dieselben Gedanken erzählen würde. Du würdest sie wahrscheinlich sofort beruhigen. Und genau diese Freundlichkeit darfst du auch dir selbst geben🫂.
 
Es ist auch okay zu akzeptieren, dass dein Kopf an solchen Abenden manchmal lauter ist als die Realität. Du musst das Grübeln nicht bekämpfen, aber du musst ihm auch nicht hinterherlaufen. Ein kleiner Cut wirkt oft Wunder: Handy weg, Licht aus, Atmung runter, einmal bewusst stoppen, bevor der nächste Gedanke anfängt. Du darfst dir erlauben, den Abend gut sein zu lassen, statt ihn neu zu interpretieren.
 
In solchen Momenten ist Selbstfürsorge viel wichtiger, als viele denken. Und zwar im Sinne von: Wie spreche ich gerade mit mir? Wie gehe ich mit mir um, wenn mein Kopf lauter ist als nötig? Genau das macht einen riesigen Unterschied. Wie das geht, kannst du in AIKO lernen.
 
Wie geht’s dir nach solchen Abenden? Was hilft dir wirklich?
 

Wenn dich Jahresrückblicke innerlich stressen, liegt das nicht daran, dass du neidisch, undankbar oder zu empfindlich bi...
28/12/2025

Wenn dich Jahresrückblicke innerlich stressen, liegt das nicht daran, dass du neidisch, undankbar oder zu empfindlich bist. Es liegt daran, dass dein Gehirn versucht, aus sehr wenig Informationen sehr große Schlüsse zu ziehen.
 
Ein paar Dinge, die helfen können, das einzuordnen:
 
1. Erinnere dich aktiv daran, was du vergleichst. Du vergleichst dein gelebtes Jahr inklusive Zweifel, Erschöpfung, innerer Kämpfe und stiller Fortschritte mit einer kuratierten Oberfläche. Das ist kein fairer Vergleich, sondern ein Kategorienfehler. Dein Gehirn liebt trotzdem diese Abkürzung, besonders bei ADHS, weil Kontext schnell verloren geht 🧠
 
2. Frag dich nicht, ob dein Jahr gut war, sondern WOFÜR es gut war. Manche Jahre sind nicht dafür da, etwas zu erreichen, sondern etwas zu stabilisieren, zu überleben oder zu verstehen. Das fühlt sich im Rückblick oft leer an, ist aber die Voraussetzung dafür, dass überhaupt wieder etwas wachsen kann 🌱
 
3. Wenn ein Vergleich triggert, nutz ihn als Hinweis statt als Urteil. Was genau löst Druck aus? Tempo? Sichtbarkeit? Produktivität? Das sagt oft mehr über deine aktuellen inneren Antreiber aus als über dein tatsächliches Versagen. Vergleiche können entlarvend sein, wenn man sie liest wie ein Symptom und nicht wie ein Beweis 🔍
 
4. Schreib dir dein Jahr anders auf. Nicht monatsweise und nicht in Erfolgen, sondern in Belastungen, Wendepunkten, Dingen, die du heute besser kannst als im Januar. Viele merken erst dann, wie viel sie tatsächlich gehalten haben ✍️
 
5. Begrenze bewusst, was dein Nervensystem gerade konsumiert. Das ist keine Schwäche, sondern Regulation. Dein Gehirn darf Pausen von Maßstäben machen, die ihm gerade nicht guttun 🧘‍♀️
 
Und zuletzt: Ein Jahr ist kein Leistungsnachweis. Es ist ein Abschnitt Leben. Manche Abschnitte sehen von außen spektakulär aus, andere sind innerlich entscheidend. Instagram zeigt meist nur eines davon.
 
Was machen diese Jahresrückblicke mit dir?
 
Wenn du magst, speicher dir den Post für später. Manche Gedanken wirken erst, wenn der erste Vergleich schon passiert ist 🤍
 

27/12/2025

„Du kannst kein ADHS haben“, dieser Satz ist so ein Paradebeispiel dafür, wie wenig Menschen wirklich über ADHS wissen.
 
ADHS ist keine Schublade, in die man rein- oder rausfällt, je nachdem, wie man aussieht oder sich verhält. Es ist eine neurobiologische Besonderheit. Trotzdem glauben viele, man könne ADHS „sehen“. Wenn jemand laut, hibbelig oder unstrukturiert ist, passt es ins Bild. Wenn jemand ruhig, erfolgreich oder empathisch wirkt, passt es nicht, also wird die Diagnose angezweifelt.
 
Aber genau das zeigt, wie sehr unser Verständnis noch in alten Bildern steckt: zappelnde Jungs, schlechte Noten, Chaos im Kinderzimmer. Das war die Brille, durch die jahrzehntelang geschaut wurde. Nur sieht ADHS bei Erwachsenen, vor allem bei Frauen, ganz anders aus.
 
Viele sind innerlich permanent in Bewegung: Grübeln, planen, analysieren, kompensieren. Nach außen wirken sie kontrolliert, innerlich läuft ein Marathon. Was aussieht wie Disziplin, ist oft Angst, etwas zu vergessen. Was aussieht wie Ruhe, ist Erschöpfung. Was aussieht wie Erfolg, ist Selbstüberforderung.
 
Und genau deshalb wird ADHS so oft übersehen: weil nicht erkannt wird, dass die Strategien, mit denen jemand funktioniert, ein Teil des Problems sind und nicht der Beweis, dass keins besteht.
 
Wenn jemand also sagt: „Du kannst kein ADHS haben, du bist doch Therapeutin / Mutter / organisiert“, sagt er eigentlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass beides gleichzeitig existiert.“ Aber das tut es. Jeden Tag.
 
ADHS ist sehr divers. Kennst du EINE Person mit ADHS, kennst du EINE Person mit ADHS.
 
ADHS ist kein Mangel an Intelligenz, Disziplin oder Selbstreflexion. Es ist eine andere Art, Reize zu verarbeiten, zu denken, zu fühlen. Und ja, auch ruhige, erfolgreiche, reflektierte Menschen können ADHS haben, sie haben gelernt, es zu verstecken.
 

25/12/2025

Selbstfürsorge klingt nach Ruhe, Duftkerzen und Wohlfühlen. Aber in Wirklichkeit ist sie oft unbequem, weil sie dich zwingt, Dinge zu tun, auf die du keine Lust hast, die aber wichtig sind. Sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, auch dann, wenn niemand applaudiert.

Manchmal ist Selbstfürsorge, das Handy wegzulegen und endlich ins Bett zu gehen, obwohl du noch scrollen willst. Manchmal heißt sie, auf Fastfood zu verzichten, weil du weißt, dass dein Körper etwas anderes braucht. Oder endlich diesen Arzttermin zu machen, weil du dich ernst nimmst. Hautkrebsvorsorge zum Beispiel.

Echte Selbstfürsorge ist nicht immer nett. Sie bringt dich in Kontakt mit deiner Trägheit, deiner Angst, deiner Bequemlichkeit. Mit den Anteilen, die lieber weiter funktionieren würden, statt Verantwortung zu übernehmen. Aber genau da beginnt Entwicklung. Denn Selbstfürsorge bedeutet nicht, es sich leicht zu machen. Sie bedeutet, ehrlich zu sich zu sein.

Oft ist sie der Moment, in dem du erkennst, dass du nicht mehr gegen dich arbeiten willst, aufhörst, dich zu sabotieren, dich zu vernachlässigen oder zu betäuben und dir selbst wieder zuhörst. Und ja, das fühlt sich anfangs komisch an, manchmal wie Verlust, manchmal wie Widerstand. Aber langfristig ist es das, was dich wirklich weiterbringt.

Selbstfürsorge heißt: sich ernst nehmen, bevor dein Körper es für dich übernimmt. Auch wenn es unangenehm ist.

Und genau das lernst du in AIKO. Wie du dich um dich kümmerst, auch wenn es anstrengend ist. Wie du dranbleibst, wenn du keine Motivation hast. Und wie du aufhörst, dich selbst zu vernachlässigen, nur weil du es gewohnt bist, zu funktionieren.

Wenn du das lernen willst, dann kommentiere ➡️AIKO⬅️.


22/12/2025

Anzeige|Manchmal merkt man Einsamkeit nicht sofort. Sie schleicht sich eher ein als ein leises Gefühl von „irgendwas fehlt“, obwohl eigentlich genug Menschen im Leben sind. Gerade an Weihnachten zeigt sich das oft deutlicher, weil überall dieses Bild von Nähe und perfekten Momenten herrscht und man selbst vielleicht etwas ganz anderes spürt.
 
Was kannst du konkret tun:
 
• Such dir eine Person statt die ganze Runde. Setz dich bewusst neben jemanden, der dir halbwegs gut tut, und komm ins Gespräch.  
• Plan dir Pausen ein, bevor du sie brauchst. Ein kurzer Spaziergang, fünf Minuten raus aus dem Trubel, ein Telefonat mit jemandem, der dich nicht bewertet. Oder einfach der Moment, in dem du dir erlaubst, ehrlich zu merken: Ja, es fühlt sich gerade schwer an. Das macht dich nicht schwach, das macht dich ehrlich.
• Du musst auch nicht der Pausenclown sein, nur damit es nach Harmonie aussieht.
• Mach dir einen Exit Satz fertig. „Ich fahr jetzt, war schön euch zu sehen.“ Mehr Erklärung macht es meistens nur unangenehmer.
• Wenn du Nähe willst, sag es konkret zu der Person, der du vertraust: „Ich bin heute dünnhäutig, kannst du ab und zu mal bei mir einchecken.“ Das ist keine Bedürftigkeit, das ist Kommunikation.
• Stoppe die innere Selbstabwertung. Nur weil andere lachen, heißt das nicht, dass es bei ihnen leichter ist.
• Danach kein stundenlanges Kopfkino. Schreib dir drei Sätze auf: Was war okay. Was hat weh getan. Was mache ich nächstes Mal anders. Das ist Selbstführung.
 
Und wenn du merkst, dass du dieses Einsamkeitsgefühl oft hast: Dann lohnt sich die unbequeme Frage, ob du in Beziehungen gerade mehr funktionierst als du dich zeigst.
 
Verbindung entsteht nicht durch Anwesenheit, sondern durch Echtheit. Und ja, das macht dich verletzlich. Aber es ist auch der einzige Weg raus aus diesem inneren Alleinsein.
 
Kennst du das? Und was würdest du dir in solchen Momenten von anderen wünschen?
 

21/12/2025

Viele Menschen erkennen sich in einzelnen ADHS-Anzeichen wieder. Und das ist erst mal nichts Besonderes. Fast jeder kennt Phasen, in denen die Konzentration nachlässt, Aufgaben aufgeschoben werden oder Gedanken abschweifen. Man ist vergesslicher, wenn man gestresst ist, reizbarer, wenn zu viel gleichzeitig passiert, unruhiger, wenn man schlecht geschlafen hat oder emotional belastet ist. Das gehört zum Menschsein, zu Überforderung, zu einem vollen Alltag. Genau deshalb sagen viele: Das kenne ich auch.
 
Und genau hier entsteht das Missverständnis. Denn ADHS beschreibt keine einzelnen Situationen, sondern ein durchgängiges Muster. Es geht nicht um ab und zu, sondern um ständig. Nicht nur um stressige Phasen, sondern auch um Zeiten, in denen eigentlich Ruhe da wäre. Nicht nur um einen Lebensbereich, sondern gleichzeitig um Arbeit, Beziehungen, Alltag, Selbstorganisation und den eigenen Selbstwert.
 
ADHS bedeutet nicht, dass jemand manchmal unkonzentriert ist. Es bedeutet, dass Aufmerksamkeit, Impulse, Emotionen und Motivation dauerhaft anders reguliert werden müssen. Dass Dinge, die für andere selbstverständlich sind, jeden Tag bewusst gesteuert werden. Und dass genau das unfassbar viel Kraft kostet. Kraft, die man von außen oft nicht sieht.
 
Viele Menschen mit ADHS wirken nach außen funktionierend. Was unsichtbar bleibt, ist der innere Aufwand, sich zusammenzureißen, nichts zu vergessen, nicht zu viel zu sein, nicht anzuecken. Und genau deshalb trifft der Satz „Heute hat doch jeder ADHS“ so sehr. Er nimmt dem Erleben seine Berechtigung und macht aus echtem Leidensdruck etwas Belangloses.
 
Genau hier beginnt Selbstfürsorge. Aber nicht im Sinne von noch mehr Optimierung, sondern darin, das eigene Erleben ernst zu nehmen, sich nicht weiter kleinzumachen und aufzuhören, sich ständig zu vergleichen.
 
In AIKO geht es genau darum: Menschen mit hohem innerem Kraftaufwand dabei zu unterstützen, ihren Alltag so zu gestalten, dass er sie nicht weiter erschöpft, sondern stabilisiert.
 
Kommentiere AIKO, wenn du mehr wissen willst
 
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