13/01/2026
Ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn kann eine große Stärke sein. Viele Menschen mit ADHS sehen sehr schnell, wenn etwas unfair läuft, unausgesprochen bleibt oder jemand zu Unrecht Verantwortung trägt. Das Problem entsteht nicht durch diese Wahrnehmung, sondern dadurch, dass fast automatisch gehandelt wird, oft auf eigene Kosten.
Was helfen kann, ist nicht weniger Haltung, sondern mehr innere Sortierung.
1. Kläre zuerst deine Zuständigkeit
Eine einfache, aber unbequeme Frage vor dem Einmischen lautet: Bin ich hier wirklich verantwortlich oder fühlt es sich nur so an, weil ich Ungerechtigkeit schwer aushalte. Nicht alles, was sich falsch anfühlt, muss von dir korrigiert werden. Verantwortung darf auch bei anderen bleiben, selbst wenn sie es gerade nicht gut machen.
2. Trenne Wahrnehmung von Handlung
Du darfst Ungerechtigkeit sehen, ohne sofort zu reagieren. Wahrnehmen heißt nicht automatisch eingreifen. Eine kurze innere Pause kann helfen, die eigene Reaktion bewusst zu wählen statt reflexhaft zu handeln.
3. Prüfe den Preis
Viele mit ADHS handeln aus Haltung und zahlen später mit Erschöpfung, Ärger oder Schuldgefühlen. Frag dich ehrlich: Was kostet mich das Eingreifen gerade und bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen. Wenn die Antwort Nein ist, darfst du dich zurücknehmen, ohne dich zu verraten.
4. Erkenne alte Muster
Wer oft übersehen, kritisiert oder missverstanden wurde, reagiert heute sensibler, wenn Ähnliches bei anderen passiert. Das ist verständlich. Gleichzeitig lohnt es sich zu prüfen, ob du gerade für die aktuelle Situation einstehst oder für etwas Altes, das sich ähnlich anfühlt.
Ein starker Gerechtigkeitssinn braucht Führung, sonst führt er dich. Genau daran kann man arbeiten: die eigene Haltung behalten, ohne sich selbst dabei ständig zu übergehen.
Mich interessiert: Wobei kostet dich dein Gerechtigkeitssinn im Alltag am meisten Energie.