17/01/2026
In der vergangenen Woche hat mir eine Patientin von der Beziehung zu ihrem Großvater erzählt. Er ist schon einige Zeit verstorben, aber das Band der Liebe ist noch immer intensiv zu spüren.
Ihre Oma erzählte immer, dass es egal war, wer früher an der Wiege der Patientin vorbeiging. Sie war sehr bei sich. Wenn aber ihr Großvater zu ihr kam, dann fing sie an zu strahlen, gluckste und öffnete die Ärmchen. Die beiden waren immer unzertrennlich, was auch der Oma, den Kindern der Großeltern und allen Enkeln auffiel und nur bedingt gefiel. Auf ihrem Unterarm hat sie heute den Spitznamen tätowiert, den ihr Opa für sie wählte. Wir hatten beide Tränen in den Augen, der Raum war erfüllt von dieser Liebe.
Wahre Liebe kann nicht übersehen werden! Sie berührt ohne Umweg.
Wenn ich Patient*innen nach ihrer großen Liebe frage, dann kommt nicht so oft, wie uns die Filmindustrie vermitteln möchte, der*die Partner*in als Antwort. Die eigenen Kinder auch nur bedingt, oft, wenn diese noch jung sind. Später wird die Beziehung zwischen Eltern und Kindern komplizierter und oft asymmetrisch. Spätestens wenn Kinder das Haus verlassen, finden sie eher im Außen die große Liebe als bei den Eltern.
Als große Lieben werden Familienmitglieder, Freunde, Pferde, Haustiere, Hobbys, Berufungen und Leidenschaften benannt. „Gott“ kam einmal vor und „Ich selbst“ hat mal ein 17jähriger gesagt.
Wenn ein Mensch von seiner großen Liebe erzählt, verändert sich spürbar etwas im Raum. Als Therapeutin nehme ich das zuerst in meinem eigenen Körper wahr: Der Atem wird ruhiger, die Schultern sinken, es wird still.
Der Mensch, der erzählt, wirkt gesammelt. Die Worte sind klar, nicht erklärend, und die Stimme trägt Wärme, der Blick ruht. Es gibt keinen Wunsch, etwas zu beweisen oder bestätigt zu bekommen.
Was sich zeigt, ist eine leise Kraft.
Eine Verbundenheit und ein echtes Ankommen.
Liebe ist alles.
Deine Osteopathin
Birgit Reiter
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