18/04/2026
Georgia Crandon aus Sussex ist zur Zeit recht angesagt. Das merkte man auch im proppenvollen Salon Schmitt, bei dem das Publikum zeitweise bis in den Hof stand.
Und eines wurde sonnenklar bei diesem Auftritt: Georgia Crandon wird zwar gerne als neue Soulsängerin gehandelt, ist aber sicher eines: Eine waschechte Independent-Musikerin.
Das merkte man nicht nur am schrägen Outfit, sondern vor allem an schrägen Titeln, mit denen sie Soul oder Balladen persifliert und überzeichnet. Dazu kommen Stücke, die rockig und hart sind und in ihrem Verlauf auch in Richtung Punkrock oder Grunge driften. Dann singt die Crandon nicht mehr, dann röhrt sie dermaßen, dass es locker für einen Alarm der Freiwilligen Feuerwehr reichen würde.
Die Reinkarnation des „Tiers“
Dazu passend haut die junge Drummerin Ice Dob dergestalt auf die Felle, dass es eine wahre Freude ist. Wer erinnert sich noch an „das Tier“, den Schlagzeuger der „Muppet Show“, dessen Wildheit nur mit einem Stachelhalsband zu bändigen war? Hier ist ganz klar seine Reinkarnation zu finden! Dagegen sehr zurückhaltend agiert Alexander Gloshkin, Crandons Gitarrist aus der Ukraine. Meist rhythmisch unterwegs lässt er sein Können nur in Form kurzer, aber prägnanter Soli und sehr ausgesucht aufblitzen.
„Ich komme aus England, mein Deutsch ist Scheiße!“ Mit solchen Anmoderationen hatte Georgia Crandon das Publikum und die Lacher gleich auf ihrer Seite. Und mit ihrer abwechslungsreichen Musik zwischen balladesken, langsamen Titeln und harten Stücken mit Durchzug gewann sie dieses vollends. Crandon und ihre Crew sind zwar noch in den 20ern, liefern aber schon ein hieb- und stichfestes Programm ab, das sich gewaschen hat. Nicht geschönt, austauschbar und aufpoliert, sondern handfest, waschecht und mit jeder Menge Einsatz. Schön auch, dass es die Band im kleinen Salon Schmitt genauso geschafft hat, wie sie das schon auf großen englischen Festivals oder in richtig fetten Hallen getan hat. Außerdem sind die Drei gerade mal fünf Tage in Deutschland und freuten sich glaubhaft, gerade in Kaiserslautern beim Salon zu sein. Independent bleibt halt Independent.
Foto: Isabelle Girard de Soucanton