23/03/2026
Die gerechte Kritik für den Meister beim Friseur:
Guter Humor: Henning Sedlmeir im Salon Schmitt.
Andreas Fillibeck
Eigentlich müsste man morgens und abends mindestens eine halbe Stunde Sedlmeir hören.
Um dem Ernst des Lebens und den Attacken der Medien das einzige entgegenzusetzen, das helfen kann: Humor. Im Falle Sedlmeirs schräg und schrill, aber höchst wirksam.
Er ist so ein richtiger Brachial-Helge Schneider, dieser ausgeglühte Saarbrücker. Und liefert etwas, das keinen Namen hat. Und das man vielleicht Jazz-Humor nennen könnte. Stücke seines neuen Albums „Befehl aus dem Weltraum“ wie etwa „So müssen junge Männer sein“, „Ich entschuldige mich nicht“, „Lupen Rainer“ oder „Raumschiffsänger“ strapazieren die Lachmuskeln ebenso wie die Hüft- und Kniegelenke. Der Trash-Rock, Punk, Reggae oder New Wave Sedlmeirs ist stets mit schrägen Texten garniert und kam im vollen Salon Schmitt mehr als gut an. Man tanzte und sang mit und lachte sich vor allem kaputt.
Strammer Unernst
Selten gibt’s so eine schöne Mischung aus völlig abgedrehten Texten und saftiger Musik. Auch so manche Zwischenmoderation des stramm unernsten Saarländers im Stile von „Sind eure Nägel langsam trocken Babys?“ oder „Warum wimmelt es im schlanken Staat von versteckten Fetten?“ fegte den Alltagsfrust weg wie ein laues Frühlingslüftchen. Dazu macht der Mann seine Musik, seine Texte und die mindestens genauso schrägen Videoprojektionen im Hintergrund komplett selbst und ist dadurch eine echte Marke. Denn einen zweiten Seldlmeir wird es sicher nicht geben. Zu originell ist seine Kunst, die einen höchst erfrischenden Unernst ausstrahlt und die 100 Prozent independent ist. Und halt so ein bisschen zynisch. Schablonen gibt es keine, in die ein Sedlmeir passen würde. So liefert der Gute alles andere als Konsumkunst, sondern das blanke Gegenteil davon. Das Marketing, das auf sein Programm passen würde, müsste erst noch erfunden werden.