14/12/2025
+++ Reanimation, Blutzucker, Herzklappe - Schüler im medizinischen Schnupperkurs +++ Veranstaltungsreihe „Herzschlag Zukunft“ im Klinikum Karlsburg mit jungen Leuten aus Greifswald, Spantekow und Anklam gestartet +++
Mitarbeiter und Auszubildende aller Abteilungen des Herz- und Diabeteszentrums Karlsburg luden erstmals am vergangenen Freitag (12. Dezember) Schülerinnen und Schüler aus der Region zum interaktiven Informationstag „Herzschlag Zukunft“ in die Mensa des Klinikums ein, um das Krankenhaus und seine medizinischen Berufe vorzustellen. 34 Acht- bis Zehntklässler aus Greifswald, Anklam und Spantekow kamen.
„Wir brauchen euch im Herz- und Diabeteszentrum, ihr seid unsere Zukunft“, erklärte die Karlsburger Ausbildungsverantwortliche Andrea Sdunek zur Begrüßung der jungen Leute. „Wer sich für einen Job im Krankenhaus entscheidet, sollte wissen, was ihn erwartet und welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt“, meinte Schwester Petra Mikschofsky, stellv. Ausbildungsverantwortliche. Neben Menschen mit sozialen Kompetenzen seien auch Technikbegeisterte oder Mitarbeiter mit Fähigkeiten für die Verwaltung gefragt.
Radiologie-Assistentin Stefanie Lehrkamp schob kurz vor Beginn der Veranstaltung mit Azubi Jolina noch schnell das mobile Röntgen-Gerät zum Info-Stand der Radiologie. „Auf der Intensivstation ist diese Technik notwendig, um Patienten nicht transportieren zu müssen“, erklärte die junge Frau im 3. Lehrjahr, die Medizinische Technologin für Radiologie werden möchte. Das Gerät, das eine Giraffe ziert, zaubere Patienten ein Lächeln auf das Gesicht. Es sei ursprünglich für Kinder gedacht gewesen, erzählte sie den Zehntklässlern der Greifswalder Regionalschule „Caspar David Friedrich“.
Am Stand der OP-Schwestern des Herzzentrums informierten sich Finja, Julina und Lea von der Johann-Christoph-Adelung-Schule in Spantekow. Die 15-Jährigen staunten über die moderne Technik, die es ermöglicht, Herzklappen auch ohne Öffnung des Brustkorbes zu ersetzen. Sie durften Katheter und Herzklappen in die Hand nehmen und bekamen von Praxisanleiterin Annette Bussian eine für Laien verständliche Einführung in eine Herzklappen-OP. „Das war sehr beeindruckend“, meinte Finja, die sich bereits für eine Ausbildung zur Pflegefachfrau beworben hat.
Die 16-jährige Samira schaute zunächst Pfleger Knut Lamprecht beim Anlegen eines professionellen Kompressionsverbandes zu und konnte den Verband anschließend sehr akkurat an ihrer Mitschülerin Zoey ausprobieren. Zu betrachten gab es an einer medizinischen Übungspuppe auch eine fast realistisch aussehende tiefe Wunde. Pfleger Knut erklärte, wie wichtig Hygiene beim Wundmanagement ist und wie langsam Wunden von Diabetikern heilen. Gleich nebenan zeigten die Mitarbeiter der Diabetes-Schulungsabteilung, wie der Blutzucker bestimmt wird und wie hoch er bei gesunden Menschen sein darf.
Aus einer anderen Ecke des Raumes tönte der Titel „Highway to Hell“ von AC/DC. Pfleger Michel Lejeune von der Intensivstation Karlsburg hatte Musik aufgelegt, um den richtigen Rhythmus zur Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand vorzugeben. Bei der Wiederbelebung könne man nichts falschmachen. Es zähle allein die Hilfe. Leider, so Pfleger Michel, lägen die Laienreanimationen in Deutschland erst bei knapp 51 Prozent. Irland oder skandinavische Länder hätten Quoten von über 80 Prozent. „Also weitersagen: Prüfen, Rufen, Drücken“, forderte er die Schüler auf.
Während des gesamten Informationstages riss auch das Interesse am Stand der Berufsfachschule Greifswald mit Jobcoach Michael Weidner nicht ab. Schüler ließen sich per Spezial-Brille, Kopfhörer und Gewichten in der Kleidung in einen Herzpatienten jenseits der 70 Jahre verwandeln, um die Probleme beim Treppensteigen oder auch Aufstehen aus dem Rollstuhl nachempfinden zu können. Für junge Pflegefachkräfte sei das für das Verständnis gegenüber den Patienten wichtig, meinte Weidner.
Die Ausbildung zum IT-Systemelektroniker bzw. zum Fachinformatiker in Systemintegration erklärte Azubi Igor, der in wenigen Wochen seine Abschlussprüfung ablegen wird. „Ein Krankenhaus hat umfangreiche Computertechnik, ob in den Büroräumen oder OP-Sälen. Die Herausforderungen sind groß.“ Der 14-jährige Anklamer Rico probierte sich an einfachen Schaltkreisen aus. Gemeinsam mit Joy und Amelie war er nach Karlsburg gekommen, um sich über die fünf Ausbildungsberufe in Karlsburg zu informieren. Amelie entschied sich spontan, im nächsten Jahr ein einwöchiges Praktikum zu absolvieren.
„Der Tag in Karlsburg vermittelte altersgerecht und auf unterhaltsame Art und Weise viel Wissen. Selbst wenn Schülerinnen und Schüler ein anderes Berufsziel haben, sie werden mit Sicherheit ihre positiven Eindrücke weitererzählen“, meinte Schulsozialarbeiterin Heike Boy aus Spantekow, die sich herzlich bei den Veranstaltern bedankte. Im Frühjahr 2026 plant das Klinikum die Veranstaltungsreihe „Herzschlag Zukunft“ für Schüler der Region fortzusetzen.
Infos: www.klinikum-karlsburg.de/ausbildung/
Bildtext:
Die Karlsburger Ausbildungsverantwortlichen Andrea Sdunek und Petra Mikschofsky (Bildmitte) organisierten den Infotag gemeinsam mit den Praxisanleitern aus den verschiedenen Fachbereichen des Klinikums.