06/05/2021
Bist Du neugierig?
Falls Du das jetzt empört von dir weist - schade! Denn dann bist Du wahrscheinlich das Opfer einer Erziehung, die Neugier noch als Charakterfehler angesehen hat.
Dabei ist genau das Gegenteil richtig! Neueste Forschungen zeigen, dass immer dann, wenn wir uns voller Neugier mit einem Thema befassen, unser Gehirn geradezu in Dopamin gebadet wird. Dadurch erhöht sich unsere Kreativität und wir haben Zugang zu mehr Ressourcen. Forscher halten deshalb eine neugierige, offene und freundliche innere Haltung für einen wichtigen Faktor zur Bildung von Stresstoleranz und zum Schutz gegen Depressionen.
Doch was ist mit dieser Haltung gemeint?
In schwierigen Lebenssituationen haben wir mit vielen unangenehmen Emotionen zu kämpfen: Angst, Wut, Trauer, Neid, Eifersucht und Scham sind nur einige davon. Häufig wollen wir uns mit diesen Gefühlen aber lieber nicht befassen; wir leugnen oder verdrängen sie, schlimmer noch, wir tadeln uns dafür. Wenn wir uns aber selbst verurteilen oder beschämen, führt dies im Gehirn zu einer Stresssituation. Dadurch wird unser Lernzentrum behindert und unsere Ressourcen werden stattdessen den Überlebensmechanismen zur Verfügung gestellt und stehen uns nicht mehr zur Problemlösung zur Verfügung.
Wenn wir also unsere Emotionen leugnen oder vermeiden, stärken wir genau diese Bereiche im Gehirn, während lösungsorientierte Bereiche verkümmern. Denn Alles was wir üben wird stärker! Das ist so, als würden wir das Unkraut im Garten düngen und das Gemüse verkümmern lassen.
Was also kannst Du tun? Wenn Du das nächste Mal etwas Negatives fühlst, behandle dich so, wie Du es bei einem kleinen Kind tun würdest! Oder würdest Du zu einem traurigen Kind sagen: „Nun hab dich mal nicht so! Reiß dich gefälligst zusammen! Was soll das Theater?“
Stattdessen würdest Du es in den Arm nehmen und es trösten. „Was ist denn passiert? Erzähl mal, ich bin für dich da.“
Allein diese freundliche, uns zugewandte Neugier reicht schon aus, um den Dopaminspiegel im Gehirn ansteigen zu lassen! Dies ermuntert uns zu einem wachstumbezogenen Verhalten, das automatisch zu einem Gefühl von mehr Sinnhaftigkeit und Lebenszufriedenheit führt.
Diese neuen Forschungsergebnisse sind bahnbrechend, zeigen sie uns doch eindrücklich, dass wir selbst die Möglichkeit haben, unserem Leben eine positive Ausrichtung zu geben!
Einige der besten praktischen Übungen findest Du im nächsten Artikel. Bleib neugierig!