05/05/2026
Eine bestimmte Gruppe von Menschen sehe ich besonders oft in meiner psychologischen Praxis. Nicht weil sie schwach sind, sondern weil sie stark sind — zu lange.
Es sind Menschen, die immer für andere da sind. Für ihre Freunde, Familie, für ihre Kinder. Es sind die Menschen, die bei der Arbeit die Aufgaben übernehmen, die sonst keiner übernimmt, Sie müssen ja gemacht werden. Die Menschen, die Ämter im Kindergarten oder in der Schule übernehmen, weil es ja sonst keiner tut. Und es sind die Menschen, die bei einem Umzug morgens als erste zum helfen da sind und auch noch frischen Kaffee und belegte Brötchen mitbringen.
Es sind Menschen, die an alle anderen denken und dabei die wichtigste Person in ihrem Leben vergessen… sich selbst.
Oft beobachte ich bei ihnen, dass es ihnen schwer fällt, nein zu sagen, dass sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich selbst mal etwas gutes tun, und deshalb tun sie es oft nicht.
Und sie funktionieren. Sie laufen, wie ein Motor auf hoher Drehzahl und dann, mit den Jahren, läuft dieser Motor immer unruhiger. Stolpert mal, läuft heiß, kommt aus dem Gleichgewicht. Vielleicht bekommt dieser Motor sogar ab und an eine Inspektion, einen Werkstatttermin. Doch anstatt der Ursachen, werden oft nur die Symptome behandelt. Hier was zur Beruhigung, da was für den Schlaf, vielleicht auch ein leichtes Antidepressivum.
Der Motor muss ja weiterlaufen.
Für die anderen.