Reise zur Ganzheit

Reise zur Ganzheit Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie Termine nach Vereinbarung
spirituelle Körperpsychotherapie

10/03/2026

Aufhören, sich von der Meinung anderer steuern zu lassen

Ich kann nicht kontrollieren was andere denken. Jede jeder sieht einen durch die Brille der eigenen Erfahrungen.
Eigene Massstäbe setzen und die Meinung der Anderen sagt nichts über den eigenen Wert aus
K. LEHNIK, Zu viel gedacht, zu wenig gelebt

06/03/2026
06/03/2026

Gesprächsführung

Die 24 Kommunikationssperren wurden von dem Psychologen Thomas Gordon beschrieben, aber auch von Wilfried Weber, Psychotherapeut und Pfarrer. Sie zeigen typische Reaktionen, die Gespräche eher blockieren als vertiefen. Besonders in Beratung, Begleitung oder persönlichen Gesprächen ist es hilfreich, sie zu kennen.
Sie schaffen Distanz oder Nähe, üben Macht aus oder ein Gefühl des geführt werdens

Es sind teilweise Wiederholungen dabei.

Die 24 Kommunikationssperren

1. Befehlen / Anordnen / Dirigieren
Dem anderen sagen, was er tun soll. Ratschläge, Mahnungen, Befehle, fertige Lösungen anbieten,
„Mach das jetzt einfach so.“

2. Warnen / Drohen
Negative Folgen ankündigen.
„Wenn du so weitermachst, wirst du Probleme bekommen.“

3. Moralisieren / Predigen / Dogmatisieren
Positive oder negative Werturteile aussprechen
Mit „man sollte“, „man muss“.
„Man sollte dankbarer sein.“ Man erzeugt Schuldgefühle, Angst, Rückzug beim Gegenüber, erzeugt ggf Abhängigkeit von Lob

4. Ratschläge geben / Lösungen anbieten
Zu schnell eine Lösung präsentieren.
„Du solltest einfach …“, Ratschläge sind auch Schläge, sagte mein Grossvater.

5. Belehren / Logisch argumentieren bis hin zu Monologisieren
Mit Wissen oder Logik überzeugen wollen.
„Objektiv betrachtet ist das doch ganz klar …“ Das Gegenüber passt sich an, imigriert innerlich oder rebelliert

6. Bewerten / Verurteilen / Diagnostizieren
Kritik oder Urteil äußern.
„Das war wirklich unvernünftig.“ "Du bist ja behandlungsbedürftig"

7. Loben / Zustimmen (bewertend)
Auch positives Urteil kann blockieren.
„Das hast du aber brav gemacht.“ Abhängig machen

8. Beschämen / Lächerlich machen / moralisieren
Etiketten oder abwertende Worte.
„Du benimmst dich wie ein Kind.“ "Das tut man nicht"

9. Interpretieren / Analysieren
Dem anderen erklären, warum er so ist.
„Du sagst das nur, weil du Angst hast.“

10. Beruhigen / Trösten
Gefühle schnell wegnehmen wollen.
„Ach, so schlimm ist das doch gar nicht.“

11. Ausfragen / Verhören / Examinieren
Viele Fragen hintereinander.
„Wann genau? Wer war dabei? Warum?“

12. Ablenken / Thema wechseln
Das Thema vermeiden.
„Komm, reden wir über etwas anderes.“

13. Debattieren

14. Generalisieren, Bagatellisieren, Verallgemeinerungen wie immer, nie, ist doch nicht schlimm, .

15. Moralisieren wie Werturteile aussprechen

16. Monologisieren, zu langatmig reden, das Gegenüber aus dem Blickfeld verlieren

17. Emigrieren, innerlich und oder äusserlich abschalten, abwehren

18. Rationalisieren, veranlasst das Gegenüber aus den eigenen Gefühlen heraus zu kommen

19. Projezieren, eigene Erfahrungen, Gedanken, .. auf das Gegenüber übertragen

20. Sich Identifizieren, in der Welt des Gegenüber aufgehen, Distanz verlieren

21. Sich fixieren, auf eine bestimmte Rolle festlegen, z.B. des allwissenden Beraters

22. Abstrahieren, abstrakt und allgemein reden

23. Externalisieren, Randprobleme, Äusserlichkeiten, gefühlsferne Themen

24. Umfunktionalisieren, Gegenüber unterbrechen, Gespräch gegen den Willen des anderen in eine andere Richtung lenken.
Echte Kommunikation bricht ab

🌿 Was stattdessen hilfreich ist
Aktives Zuhören
Spiegeln der Gefühle
Offene Fragen
Präsenz und Raum lassen
Beispiel:
„Du klingst gerade sehr erschöpft. Magst du erzählen, was dich heute besonders belastet?“

Perfektionismus - wieviel Engagement nötig wichtig
05/03/2026

Perfektionismus - wieviel Engagement nötig wichtig

Ursachen für Perfektionismus Einige der Hauptursachen für Perfektionismus sind: ✅Angst vor der Beurteilung, Bewertung, Ablehnung oder Missbilligung durch andere ✅Erfahrungen aus der frühen Kindheit, z. B. Eltern mit unrealistisch hohen Erwartungen ✅Verhalten sich Eltern perfektionistisch, i...

05/03/2026

Oft ist es nicht leicht Kritik zu äusseren, die auf Wertschätzung und Sachlichkeit basiert. Um sicherzustellen, dass Ihr Feedback beim Gegenüber ankommt, ohne Verletzungen oder Abwehrreaktionen hervorzurufen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

Grundregeln für konstruktive Kritik

Ich-Botschaften verwenden: Sprechen Sie von Ihren eigenen Beobachtungen und Gefühlen (z.B. „Mir ist aufgefallen...“), anstatt Vorwürfe zu machen („Du hast schon wieder...“).

Sachlich und konkret bleiben: Beziehen Sie sich auf spezifische Situationen oder Verhaltensweisen statt auf die Persönlichkeit des Gegenübers.

Unter vier Augen sprechen: Äußern Sie Kritik möglichst mündlich und in einem privaten Rahmen, um die Person nicht vor anderen bloßzustellen.

Zeitpunkt wählen: Geben Sie Feedback zeitnah, aber achten Sie darauf, dass beide Seiten emotional stabil sind (keine Kritik „im Affekt“).

Lösungsorientiert handeln: Ziel der Kritik sollte eine Verbesserung sein. Schlagen Sie konkrete Änderungen vor oder erarbeiten Sie diese gemeinsam im Dialog.
Bewährte Methoden

Sandwich-Methode: Verpacken Sie den kritischen Punkt zwischen zwei positiven Anmerkungen. Dies kann den Einstieg erleichtern, sollte aber nicht dazu führen, dass der Kern der Kritik untergeht.

Die 3-W-Regel:
Wahrnehmung: Was habe ich beobachtet?
Wirkung: Wie wirkt das auf mich oder das Ergebnis?
Wunsch: Was wünsche ich mir für die Zukunft?

Häufige Fehler vermeiden
Keine Pauschalisierungen: Vermeiden Sie Wörter wie „immer“ oder „nie“, da diese meist nicht stimmen und sofort zu einer Abwehrhaltung führen.

Nicht zu viel auf einmal: Konzentrieren Sie sich auf zwei bis drei wirklich relevante Punkte, um das Gegenüber nicht zu überfordern.

Keine E-Mails für Kritik: Schriftliche Nachrichten lassen Raum für Fehlinterpretationen von Tonfall und Absicht.

Resilienz aufbauen bei Stress
02/03/2026

Resilienz aufbauen bei Stress

Tipps für Ihre Resilienzförderung Menschen, die über ein hohes Maß an Resilienz verfügen, sind in der Lage, positiv mit Fehlern umzugehen und nach Fehlschlägen zügig wieder aufzustehen und weiterzumachen. 1. Positives Mindset entwickeln & Zuversicht Wer im Vorfeld kleine Krisen und Probleme e...

02/03/2026

Sei du selbst die Veränderung!

Mit wie vielen Menschen wirst du heute eine Begegnung haben? Von Angesicht zu Angesicht, ob nur in einem Augen-Blick beim Vorübergehen, in einem Telefonat oder über ein E-Mail, SMS, What’s App etc. oder in einem Meeting? Mit einer Kollegin oder einem Kollegen, Mitarbeiter, Kunden oder Vorgesetzten? Es werden oft 50, 100 oder weit mehr Kon-Takte sein (wörtlich übersetzt: ‚Zusammen-Berührungen‘).

Bei jeder dieser Begegnung geschieht etwas in dir, veränderst du etwas in dir und löst eine Veränderung im Anderen aus. Sei es durch deinen freundlichen Blick, dein ‚Guten Morgen‘ oder ‚Hallo‘ oder eine Frage mit echtem Interesse am Gegenüber.

Du (wie jeder auch) entscheidest dich am Morgen, wie du deinen Mitmenschen begegnen willst. Und auch, wie du dir selbst begegnen willst. Das tun wir jedoch meist völlig unbewusst. Tue DU es ab jetzt bewusster und bewusster.

WER ALSO WILLST DU HEUTE SEIN, DIR SELBST UND ALL DEINEN MITMENSCHEN GEGENÜBER? Entscheide dich bewusst und vielleicht neu, Freundlichkeit und Freude, Respekt, Wertschätzung und Liebe in die Welt zu bringen.

Solange du das nicht tust, brauchst du dich über den Zustand dieser Welt und das Verhalten von Menschen nicht beklagen. SEI DU DIE VERÄNDERUNG, DIE DU IN DER WELT ZU SEHEN WÜNSCHST (M. Gandhi)

Einen wunderbaren Montag wünsche ich euch allen.

25/02/2026

Unter Parentifizierung

versteht man eine Rollenumkehr in der Familie, bei der Kinder Aufgaben und emotionale Verantwortung übernehmen, die eigentlich den Eltern zustehen. Töchter und Söhne werden dabei zu „kleinen Erwachsenen“, die ihre eigenen kindlichen Bedürfnisse zugunsten des familiären Zusammenhalts unterdrücken.

Formen der Parentifizierung
Die Psychologie unterscheidet zwei Hauptformen, die oft fließend ineinander übergehen:

Instrumentelle Parentifizierung: Das Kind übernimmt praktische Aufgaben wie Haushaltsführung, Kochen, Finanzen oder die Betreuung jüngerer Geschwister, weil die Eltern überfordert sind.

Emotionale Parentifizierung: Das Kind fungiert als emotionaler Stabilisator, Tröster oder sogar Partnerersatz für einen Elternteil. Es hört sich Sorgen an, die nicht altersgerecht sind, und fühlt sich für das Glück der Eltern verantwortlich.

Typische Rollen und Muster
Oft entwickeln betroffene Kinder spezifische Verhaltensmuster:

Die „Parentified Daughter“: Besonders Erstgeborene oder Töchter rutschen häufig in die Rolle der „Ersatzmutter“, die den Haushalt organisiert und emotionalen Beistand leistet.

Masochistische Parentifizierung: Kinder lernen, eigene Gefühle wie Ärger oder Frust zu unterdrücken, um die Eltern zu entlasten, und idealisieren diese oft gleichzeitig.

Narzisstische Parentifizierung: Das Kind soll die unerfüllten Träume oder hohen Ideale der Eltern verwirklichen (z. B. als Spitzensportler) und gibt dafür sein „wahres Selbst“ auf.

Spätfolgen im Erwachsenenalter
Da die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts und das Ausleben der Kindheit unterbrochen wurde, zeigen sich oft langfristige Folgen

Übermäßiges Verantwortungsgefühl: Betroffene fühlen sich ständig für das Wohlergehen anderer verantwortlich und haben Schwierigkeiten, Nein zu sagen.
Beziehungsprobleme: Es fällt schwer, Hilfe anzunehmen oder gesunde Grenzen zu setzen, da Nähe oft mit Belastung assoziiert wird.

Psychische Belastungen: Ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Burnout, Ängste oder das Gefühl innerer Leere (emotionale Taubheit)
Susanne Barth

https://www.linkedin.com/posts/alexandra-goetzfried_die-meisten-menschen-%C3%BCbersch%C3%A4tzen-ihre-emotionale-share-74...
12/02/2026

https://www.linkedin.com/posts/alexandra-goetzfried_die-meisten-menschen-%C3%BCbersch%C3%A4tzen-ihre-emotionale-share-7427619781601558529-1b7Q?utm_source=social_share_send&utm_medium=android_app&rcm=ACoAAFm-Ly4B1ODGwUaHJ6dVWTOiJ79qh6KQkLI&utm_campaign=share_via

Die meisten Menschen überschätzen ihre emotionale Intelligenz. Weil sie sie mit „nett sein“ verwechseln. Emotionale Intelligenz ist nicht, wie nett du klingst. Sondern wie du dich verhältst, wenn es tricky wird. Wenn Kritik kommt. Wenn dein Ego „jetzt sofort“ schreit. Wenn du dich missver...

06/02/2026

Entschuldigungen

Der entscheidende Unterschied zwischen einer echten und einer falschen Entschuldigung liegt in der eigenen Verantwortungsübernahme. Während eine wirkliche Entschuldigung den Fehler bei sich selbst sucht, schiebt eine „Non-Apology“ die Schuld oft dem Gegenüber, der emotionalen Reaktion des Anderen oder den Umständen zu.

1. Merkmale falscher Entschuldigungen („Non-Apologies“)
Falsche Entschuldigungen dienen oft dazu, den Konflikt schnell zu beenden oder das eigene Image zu schützen, ohne Reue zu zeigen.
Die Wenn-Formel: „Es tut mir leid, wenn du dich beleidigt gefühlt hast.“ (Verlagert das Problem auf die Empfindlichkeit des Opfers statt auf die eigene Tat).
Das „Aber“: „Sorry, aber du hast mich provoziert.“ (Relativiert die Entschuldigung und rechtfertigt das eigene Verhalten).
Vage Formulierungen: „Es tut mir leid für alles, was passiert ist.“ (Vermeidet die konkrete Benennung des Fehlers).
Passiv-Konstruktionen: „Fehler wurden gemacht.“ (Niemand übernimmt persönlich die Verantwortung).

2. Merkmale einer wirklichen Entschuldigung
Eine aufrichtige Entschuldigung folgt laut Psychologie bestimmten Regeln, um Heilung und Versöhnung zu ermöglichen.
Verantwortung übernehmen: Klar benennen, was man falsch gemacht hat, ohne Ausflüchte (z. B. „Ich war unhöflich zu dir“).
Empathie zeigen: Den Schmerz des anderen anerkennen („Ich verstehe, dass dich das verletzt hat“).
Keine Rechtfertigung: Auf Erklärungen verzichten, die wie Ausreden klingen.
Wiedergutmachung & Veränderung: Anbieten, den Schaden zu beheben, und glaubhaft versichern, dass das Verhalten nicht wiederholt wird.

28/01/2026

Der Tag, an dem mir die Behörde den Führerschein entzog, fühlte sich mehr nach einer Beerdigung an als der Tag, an dem ich meinen Mann begrub. Er durfte wenigstens gehen, ohne dass man ihm die Würde aus der Hand nahm.

Ich heiße Elisabeth. Ich bin sechsundsiebzig, pensionierte Geschichtslehrerin. Ich kann Ihnen das Datum nennen, an dem der Kölner Dom offiziell vollendet wurde, aber ich erkenne das Mindesthaltbarkeitsdatum auf einer Milchpackung nicht mehr. Makuladegeneration, sagen sie. Für mich ist es ein langsamer Raubzug gegen meine Freiheit.

Vierzig Jahre bin ich Schaltwagen gefahren, durch Eisregen und Schneematsch. Und jetzt stand ich an einem grauen Wintermorgen in Berlin, der Wind biss mir in die Finger, und ich wartete auf einen Fremden, den ich mit einer App bestellt hatte, die ich kaum bedienen kann.

Die App zeigte: Der Fahrer heißt Jan.

Als der unauffällige, silberne Wagen vorfuhr, stieg dieses alte Gefühl in mir hoch – Scham, ganz sauber und kalt. Ich fummelte am Türgriff. Im Auto bekam ich den Gurt nicht zu. Meine Hände waren steif, die Gelenke beleidigt vom Wetter.

„Ich hab’s, Frau …“ sagte eine Stimme. Ruhig. Wach. Ohne genervtes Ausatmen.

Jan beugte sich leicht zu mir, klickte den Gurt ein, stellte die Lüftung so, dass warme Luft auf meine zitternden Hände traf. Keine Eile. Keine Augenrolle. Nur ein kleiner, praktischer Akt von Respekt.

„Danke“, murmelte ich und starrte aus dem Fenster, damit er das Wasser in meinen Augen nicht sah. „Ich bin früher selbst gefahren.“

„Das glaube ich Ihnen“, sagte er, und als er losfuhr, fügte er hinzu: „Sie sitzen nicht wie eine Beifahrerin. Eher wie die Kapitänin.“

Ich schaute ihn an. Anfang dreißig vielleicht. Müde Augen, aber klar. Glattrasiert. Sein Hemd war so ordentlich, als hätte er es mit einem Lineal gebügelt.

„Das Navi will Sie gleich auf die Stadtautobahn schicken“, sagte ich, und plötzlich war diese alte Lehrerinnenstimme wieder da, die sich ohne Einladung einschaltet. „Lassen Sie das. Um die Uhrzeit stehen Sie da nur. Nehmen Sie lieber die Strecke unten an der Spree entlang.“

Er zögerte kurz, sah auf den leuchtenden Bildschirm – und schaltete ihn dann aus.

„Dann machen wir das so“, sagte er einfach.

Wir fuhren über eine Brücke, der Asphalt vibrierte leicht, und über uns spannten sich Kabel und Stahl wie ein großes, stilles Gerippe. Jan hob kurz den Blick.

„Schöne Konstruktion“, murmelte er. „Alt, aber ehrlich. Man sieht noch, wie die Last geführt wird.“

Ich blinzelte. „Sie kennen sich aus?“

Er hielt das Lenkrad einen Moment fester, als hätte er etwas festzuhalten, das nicht im Auto lag.

„Ich war Bauingenieur“, sagte er. „Nicht hier. Früher. Ich habe Straßen geplant, kleine Brücken, Entwässerung. Dinge, die halten sollen, wenn es ernst wird.“

Er machte eine kurze Pause. „Hier fahre ich Leute zum Termin. Man sagt, meine Abschlüsse passen nicht. Sie übersetzen sich nicht.“

Wir schwiegen. Nicht unangenehm. Eher wie zwei Menschen, die gleichzeitig begreifen, was ihnen genommen wurde.

Eine Lehrerin ohne Tafel.

Ein Ingenieur ohne Plan.

Und beide in einem Land, das vieles gut organisiert – aber nicht immer gut sieht, wer da vor einem sitzt.

Am Augenzentrum war es warm, hell, zu hell. Stimmen, Schritte, ein Summen wie ein Bienenstock. Ich folgte den Konturen, die für mich zu Flecken wurden, bis zur Anmeldung.

„Name?“ fragte die Frau hinter dem Tresen, ohne aufzusehen.

„Elisabeth Wagner. Termin wegen der Augen.“

Ein Klemmbrett schob sich über den Tresen. „Bitte ausfüllen. Vorder- und Rückseite. Und dann dort drüben warten, ja?“

Dieses „ja?“ hatte etwas Dünnes, Herablassendes. Und dann kam es, dieses Wort, das mich mehr traf, als es sollte:

„Meine Liebe.“

Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht schoss.

„Ich kann das nicht“, sagte ich leise. „Ich sehe die Zeilen nicht.“

Die Frau hob jetzt doch den Kopf. Kurz. Ungeduldig. „Sind Sie alleine?“

Ein paar Köpfe drehten sich. Ich fühlte mich klein. Wie jemand, den man abstellt, bis er fertig ist mit Schwäche.

Da wurde das Klemmbrett sanft vom Tresen genommen.

„Ich bin bei ihr“, sagte Jan.

Er war nicht gegangen. Er stand einfach da, als wäre es das Normalste der Welt, zu bleiben.

Die Frau runzelte die Stirn. „Normalerweise nur Angehörige.“

Jan lächelte nicht. Er sprach ruhig, aber so, dass es im Raum ankam.

„Sie ist Historikerin“, sagte er. „Und ich bin Ingenieur. Ich denke, wir bekommen ein Formular hin.“

Ich musste trotz allem einmal kurz schlucken, nicht vor Traurigkeit, eher vor diesem warmen, überraschenden Gefühl, dass jemand mich nicht wie ein Problem behandelt.

Er führte mich zu einem Stuhl. Nicht schiebend. Nicht bevormundend. Nur begleitend. Er las die Fragen vor, ich antwortete. Er schrieb, ich kontrollierte, so gut ich konnte. Wir waren ein Team. Zwei Menschen, die nicht so tun, als wäre Hilfe ein Makel.

Ein Mann ein paar Stühle weiter murmelte etwas, halb in sein Handy hinein, halb in den Raum. Etwas Unfreundliches. Dieses typische Gemisch aus Überheblichkeit und Langeweile.

Ich richtete mich auf. Ich hatte jahrzehntelang in Klassenzimmern gestanden. Ich wusste noch, wie man einen Raum still bekommt.

„Junger Mann“, sagte ich, ruhig, klar. „Dieser Mann spricht mehrere Sprachen und hat Dinge gebaut, über die Menschen sicher nach Hause kommen. Wenn Sie heute schon keine Freundlichkeit übrig haben, sparen Sie sich wenigstens den Spott.“

Es wurde still. Jan schrieb weiter, aber ich sah, wie sich sein Mundwinkel minimal hob.

Als schließlich mein Name aufgerufen wurde, stand ich auf. Ich stolperte nicht. Ich tastete nicht. Ich ging.

Im Flur blieb ich einen Moment stehen. In meiner Tasche war eine alte Karte, die ich selten herausnehme. Mein Neffe arbeitet in einer großen Baufirma – nichts, was man im Alltag an die große Glocke hängt. Aber er sucht gute Leute. Menschen, die nicht nur reden, sondern können.

Ich drückte Jan die Karte in die Hand.

„Rufen Sie dort an“, sagte ich. „Sagen Sie, Frau Wagner schickt Sie. Und sagen Sie ruhig, dass Sie wissen, wie Lasten in einer Brücke wandern.“

Er sah auf die Karte, dann auf mich.

„Danke“, sagte er leise. „Elisabeth.“

„Nein“, sagte ich. „Danke.“

Im Untersuchungsraum roch es nach Desinfektion und Papier. Ich dachte an meinen Führerschein, an den Schlüsselbund, der plötzlich leichter geworden war. Und daran, wie sehr ich mich geirrt hatte.

Ich hatte immer geglaubt, Unabhängigkeit heißt, alles allein zu schaffen.

Heute weiß ich: Echte Unabhängigkeit ist nicht das Alleinsein. Es ist der Charakter, der andere dazu bringt, neben dir stehen zu wollen, ohne dich kleiner zu machen.

Wir sind nicht das, was wir verlieren: Sehkraft, Status, Jugend.

Wir sind das, was wir füreinander werden, wenn es dunkler wird.

Man kann Brücken auch ohne Beton bauen. Manchmal reicht ein Klick am Sicherheitsgurt. Eine ruhige Stimme. Und die Entscheidung, nicht wegzugehen.

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