07/04/2026
Update 7.4.2026, 20:00Uhr
Heute Nachmittag gab es eine Pressekonferenz (u.a. bei 7:newstime) mit dem heutigen Gutachten zum Gesundheitszustand des Buckelwals. Es sei über Ostern eine tierärztliche Begutachtung mit Drohnen und einem Unterwasserroboter vorgenommen worden. Die Daten sollen nach der endgültigen Fertigstellung des Gutachtens der Presse/ der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Von der IWC (Internationale Walfangkommission/ International Whaling Commission) habe man eine Empfehlung erbeten, in welcher Form der Wal nun begleitet werden sollte.
Die Bewertung der Lage unterscheidet sich im Prinzip nicht von der, wie sie am 01.04.26 schon gemacht wurde. Der Wasserstand sei mind. 60cm zu niedrig, als dass sich der Wal freischwimmen könnte. Verletzungen von Netzen und Schiffsschrauben haben sich bestätigt. Sein Allgemeinzustand und die Hautproblematik sei nochmal schlechter, auf Annäherungen durch Boote habe er nicht mehr reagiert. Der Atem sei regelmäßig. Die leitende Tierärztin bewertet den Wal als nicht transportfähig, die Schmerzen und der Stress wären zu viel für ihn. Sterbehilfe sei nicht möglich, die bekannten Methoden wären zu unsicher. Das Argument, es sei ein Wildtier und damit "natürlich", dass er jetzt sich selbst überlassen wird, empfinde ich persönlich als übelsten Speziesismus. Es wird betont, dass selbst wenn er in die Nordsee hätte verbracht werden können, seine Überlebenschance in diesem Zustand extrem gering wäre. Die IWC habe bestätigt, dass alles Machbare unternommen worden sei. Die gewählte Option sei nun, den Wal in Ruhe zu lassen. Die Prognose ist, dass sein Sterben noch Tage, vielleicht Wochen dauern wird.
Ich spare mir jeden Kommentar zu den personenbezogenen Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen und Selbstbeweihräucherungen. Immerhin wurde klar gesagt, dass ein Notfallplan entwickelt werden muss für den nächsten Wal in Not.
Im Grunde ist es schnell gesagt und schwer auszuhalten zugleich: Es gibt keine neue Entwicklung, keine Wende, keine Perspektive auf Rettung, sondern ein langsames Sterben, das wir begleiten – mehr ist im Moment nicht möglich.
Viele von uns sind berührt, erschüttert, traurig, wütend, und das hat seinen Grund, aber ich glaube, es bringt uns nicht weiter, wenn wir diese Wut jetzt auf einzelne Personen richten, denn die eigentliche Geschichte beginnt lange vor diesem Moment der Hilflosigkeit.
Die Meere stehen unter Druck – durch Fischerei und Netze, durch Schiffsverkehr und Lärm, durch Verschmutzung, durch die Folgen der Klimaveränderung – und das sind genau die Bedingungen, unter denen solche Situationen überhaupt erst entstehen.
Und wir sind Teil davon.
Nicht als Einzelne, die man anklagen kann, sondern als Teil eines Systems, von dem wir alle profitieren und für das die Natur den Preis zahlt.
Vielleicht ist das, was uns hier so trifft, genau diese Erinnerung daran, dass wir verbunden sind, dass das dort draußen nicht getrennt von uns ist, sondern Teil derselben Welt, die wir mitgestalten.
Und wenn wir aus dieser Berührung etwas machen wollen, dann nicht, indem wir uns gegeneinander richten, sondern indem wir anfangen, die Ursachen ernst zu nehmen und zu verändern – in dem, was wir tun, was wir unterstützen und wofür wir uns einsetzen.
Wenn diese Geschichte dazu führt, dass wir wieder mehr fühlen, mehr Verantwortung übernehmen und das Lebendige nicht mehr als selbstverständlich behandeln, dann bewegt sie etwas, das über diesen Moment hinausgeht. Lasst uns neu denken und handeln, auf der spirituellen und – ganz wichtig – auch auf der weltlichen Ebene. Nur in der Gesamtheit könne wir etwas bewegen.
Bitte sei auch Du Teil dieser Not-wendigen Veränderung.
Danke.
Das Bild ist von © Tom Schultz, Wismar(.)fm, DPA bei Stern (.)de