24/05/2025
Da Sitz dieser kleine Vierjährige und spielt mit seinen Autos im Sandkasten. Ich habe mir einen Kaffee genommen und sitze in Gedanken versunken und beobachte ihn.
Schon mindestens 30 Minuten baut er Straßen, ganz exakt werden die Straßenränder markiert, Abwasserrohre werden verlegt, Parkplätzen und Bahnschienen entstehen. Und ich weiß, das würde er noch lange durchhalten.
Aber in der Kita hatte ich eben wieder ein Gespräch, dass er so langsam ist, nur träumt, sich nicht konzentrieren kann. Und als Beweis wurden mir dann Bilder gezeigt, auf denen eher kleine Dinge zu erkennen waren: ein Vogel oder Flugzeug am oberen Rand, ein Auto unten rechts und der Rest war leer. „Denken sie mal an die Schule.“
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich verstehe das irgendwie nicht. Ist mit meinem Kind wirklich etwas nicht in Ordnung? Was ist wenn er wirklich nicht mitkommt in der Schule? Muss er wirklich gefördert werden, weil er noch keine „richtigen“ Menschen malen kann, die 4 mit 7 verwechselt und sich nicht lange genug an einer Sache bleiben kann. Er braucht eine Therapie?
Echt jetzt?
Dieser Vierjährige kann sich dafür aber super gut ausdrücken. (So gut, dass viele glauben, er bekäme eine extra Förderung😉) Er baut Stunden lang richtig tolle exakte Straßenzüge, dekoriert sonntags den Frühstückstisch und denkt an ein frisches Blümchen aus dem Garten. Er ist so aufmerksam und erzählt mir immer ganz viel, von den anderen Kindern... Ich weiß nicht, was ich glauben soll.
Da ist nun dieser kleine Junge im Sandkasten, mein kleiner Junge und sagt plötzlich: „Mama ich glaub, ich bin nicht so gut. Können wir nicht wegziehen? Dahin wo’s schön ist für Kinder...“
Innerlich bricht es mir das Herz. Ich fühle mich traurig, verzweifelt, ohnmächtig und auch schuldig. Ich weiß, dass ich ganz oft mit ihm schimpfe und laut werde, weil mir der Geduldsfaden reißt.
Die Tränen steigen auf, weil ich mich so schäme, dass ich mich nicht in den Griff bekomme, weil ich so oft wünschte, er wäre schneller und würde weniger rumträumen, wenn wir uns doch beeilen müssen.
Und frage mich wieder… „Was kann ich denn nur machen. Wie soll das denn nur weitergehen? Wie kann ich ihm eine gute Mutter sein, die trotz seiner Eigenarten 💯 für ihn da ist. Ihn motiviert, stärkt, zuversichtlich bleibt und ihm die Zeit zum wachsen gibt. Und dem Druck von außen standhält?
Das war der Beginn einer langen Reise. Einer Reise der Zerrissenheit, des Zweifelns und Weitermachen‘s. Des Suchens und Ausprobierens. Jeder Tipp und Ratschlag, jeder Erziehungsratgeber und Kommunikation-Training war mir recht.
Doch statt mehr Gelassenheit, Klarheit und Stärke, bekam ich Unsicherheit, Sorgen und Angst vor der Zukunft. Ich fühlte mich wie eine Versagerin.
Das ist viele Jahre her. Heute bin ich eine andere Mutter. Ich bin sicher, klar und echt gelassen bei allem, was meine Kinder angeht. Und nachdem ich 100ten Menschen schon geholfen habe, ihren Blickwinkel zu verändern, zu erweitern und über das sichtbare hinauszudenken…
… frage ich mich:
Was machen wir mit unseren Kindern?!?!?!
Scheinbar entsprechen heute immer mehr Kinder vermeintlich nicht der Norm. Eltern machen sich große Sorgen und verzweifeln.
Das Kind ist 1 Jahr alt und kann noch nicht laufen?
Das Kind ist 5 und kann noch keine Schnürsenkel binden?
Mit 9 das 1x1 nicht flüssig?
Mit 12 noch immer nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen?
Ist noch nicht Selbstständig…
Zu langsam…
Zu leise…
Zu laut…
…
Wenn ich jetzt mich und meine gleichaltrige Freundin vergleichen würde, können wir auch nicht genau identisch das Gleiche?
Ab irgendeinem Alter wird das so hingenommen, dass nicht alle Menschen in allen Bereichen gleich gut sind.
Das wir verschieden sind.
Und das DAS sogar gut so ist.
Bei unseren Kinder denken wir anders. Wollen alles Richtig machen? Beobachten und hinterfragen wir alles. Vertrauen scheint ein Gefühl zu sein, dass aus der Mode gekommen ist. Auf das man sich „nicht verlassen kann.“
Der Spruch „Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.“ ist bis heute ein Bild in meinem Kopf, das ich mir immer wieder in Erinnerung rufe. Wie eine Stern, der mir den Weg leuchtet. Der mich bestärkt hat und much immer wieder an mein Vertrauen zu mir und mein Kind erinnert hat.
Ich liebe Kinder, die „Anders sind“ diese kleinen Individualisten, die Freigeister? Die leisen Träumer und Alphatierchen. Und ich liebe meine Kinder. Ich bin so stolz auf sie. Und auch auf mich. Weil ich einen Weg gefunden habe, die Mutter zu werden, die ich so gern sein will - gelassen, stark und zuversichtlich. 🫶
Denk an das Gras!
Welchen Samen willst du pflanzen?
Schenk mir in den Kommentaren ein „🌺“ So findet meine Geschichte die Menschen, für die sie JETZT wichtig ist.
😘