21/11/2025
Im ersten überlieferten Baubuch des Rates sind für das Jahr 1409 bereits Ausgaben von 15 Mark für Baumaßnahmen im Wonnekenbruk zu finden. Der Begriff ist 1410 als volkstümliche Umschreibung für de vrowen bude, also für ein Frauenhaus belegt, in dem beruchtede wiwe, also Frauen mit zweifelhaftem Ruf und/oder eindeutigem Beruf unterkamen. Diese „neunteilige Traufenhausreihe“, wie Curt Pomp sie später bezeichnete, lag an der Ostseite der seit 1376 angelegten Neuen Straße, die die Straßen „Auf dem Meere“ und „Auf der Altstadt“ verband.
Die Bewohnerinnen zahlten eine jährliche Miete von 19 bis 24 Mark, die bis 1560 für die Baukasse eingesammelt wurde, und durften laut Kleiderordnungen ebenso wie andere Frauen von zweifelhaftem Ruf keinen Rosenkranz oder vergoldeten und mit Perlen besetzten Schmuck tragen.
Im Jahr 1910 wurden die Gebäude abgerissen und durch eine Backsteinmauer ersetzt.
Gastbeitrag von Dr. Uta Reinhardt
Bild 1: Haustüren, Portale, Neue Straße 8, vor 1910. Urheber: unbekannt.
Bild 2: Federzeichnung von Hugo Friedrich Hartmann, 1909.
Bild 3: Zeichnung von August Paulsdorff in seinem Beitrag „Bauwerke aus dem alten Lüneburg“, in: Jahresberichte des Museums-Vereins für das Fürstentum Lüneburg 1896/98. Lüneburg 1899. S. 119.
Bild 4: Ab dem drittletzten Eintrag wird im Baubuch (AB-183) für 1409 von Baumaßnahmen im Wonnekenbruk berichtet.