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🐶
28/04/2026

🐶

Der Welpe ist kein Baby

Im Internet habe ich gerade wieder eine Alterstabelle für Hunde gesehen, die im Grunde immer noch mit dem alten Faktor 7 arbeitet.

Ein Hundejahr gleich sieben Menschenjahre.

Diese Rechnung stimmt so schon lange nicht mehr. Für erwachsene Hunde war sie schon immer grob. Für Welpen ist sie komplett irreführend.

Ein Hund entwickelt sich nicht linear.

Er wächst am Anfang extrem schnell und später deutlich langsamer. Das ist logisch. Ein Hund hat nicht wie ein Mensch viele Jahre Zeit, langsam in die Welt hineinzuwachsen. Er muss sehr früh körperlich, emotional und sozial funktionsfähig werden.

Dieser Mist ist so ärgerlich.

Deshalb wird seit einigen Jahren eine andere Berechnung diskutiert. Sie stammt aus einer Studie mit Labradoren (1) und beruht nicht auf einfacher Multiplikation, sondern auf epigenetischen Altersmarkern.

Die Formel lautet:

Menschenalter = 16 × ln(Hundealter in Jahren) + 31

Daraus ergibt sich ungefähr:

• 8 Wochen → ca. 1 Menschenjahr
• 12 Wochen → ca. 7,5 Menschenjahre
• 16 Wochen → ca. 12 Menschenjahre
• 6 Monate → ca. 20 Menschenjahre
• 1 Jahr → ca. 31 Menschenjahre
• 2 Jahre → ca. 42 Menschenjahre
• 5 Jahre → ca. 57 Menschenjahre
• 10 Jahre → ca. 68 Menschenjahre

Natürlich ist das keine exakte Übersetzung für jeden Hund. Rasse, Größe, Linie, Aufzucht und individuelle Entwicklung spielen eine Rolle. Die Studie wurde an Labradoren durchgeführt.

Aber die Richtung stimmt.

Ein Hund mit 12 oder 13 Wochen ist kein menschliches Baby mehr.

Und genau da wird es praktisch.

In einem passenden sozialen Umfeld übernimmt ein Welpe in diesem Alter erste ernsthafte Aufgaben. Nicht als fertiger Erwachsener. Aber er läuft mit. Er liest mit. Er orientiert sich. Er beteiligt sich an sozialer Regulation. Er lernt, wann man vorgeht, wann man zurücknimmt, wann man sich anschließt, wann man Abstand hält und wie man mit Erregung umgeht.

Wenn kein Rudel da ist, dann ist diese soziale Gruppe eben die Menschenfamilie.

Und genau da beginnt das Problem.

Wir behandeln einen Welpen mit 12 Wochen häufig noch wie ein kleines Baby, obwohl er biologisch und sozial längst in einer anderen Phase steht.

Das beste Abgabealter liegt in der Regel zwischen der achten und zehnten Woche. Je früher in diesem Fenster, desto besser, wenn der Welpe entsprechend entwickelt ist. Die Mutter hat die Welpen dann längst in die Gruppe übergeben. Vielleicht kümmert sie sich noch intensiver um eine Hündin, die später einmal ihre Nachfolgerin werden könnte. Der Rest wächst aber nicht mehr an der Mutterbrust auf, sondern in der sozialen Gruppe.

Und wenn diese soziale Gruppe fehlt, dann erziehen sich die Welpen eben gegenseitig. Mit Hauen und Kloppen. Mit Ausprobieren. Mit roher Kraft. Mit kleinen Konflikten. Auf einem Niveau von Hundesteinzeit. Sie finden dann untereinander heraus, wie man vielleicht irgendwann einmal so etwas wie Kultur entwickelt.

Genau deshalb ist dieser Zeitpunkt so wichtig.

Der Folgetrieb des Welpen ist um die achte Woche auf seinem Höhepunkt. Mit zwölf Wochen nimmt er bereits deutlich ab. Wenn man ihn in dieser Phase nutzt und aktiviert, kann man mit einem Welpen frei durch die Umwelt schlendern. Ohne Programm. Ohne Dauertraining. Der Welpe folgt, liest mit, bleibt angeschlossen und lernt dabei, wie Welt funktioniert.

Dann kommt die dreizehnte Woche.

Da passiert bei Hunden etwas Grundsätzliches. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Welpe, das anzuwenden, was er bis dahin gelernt hat. Er geht also nicht mehr nur offen in die Welt hinein, sondern handelt zunehmend aus dem heraus, was er bereits für gültig hält. Er meint zu wissen, wie die Welt funktioniert, welche Aufgaben er darin hat, welche Reize wichtig sind, welche Antworten passen und wie man sich in einer Gruppe bewegt.

Wenn du einen Welpen erst in diesem Alter bekommst, bekommst du nicht einfach ein neutrales kleines Wesen.

Du bekommst die Weltanschauung einer fremden Familie.

Und diese Weltanschauung passt in deiner Familie häufig nicht.

Dann kommt der Welpe in ein neues Haus, neue Regeln, neue Menschen, neue Abläufe, neue Grenzen, neue Erwartungen. Und genau in diesem Moment sagen Menschen: Jetzt lassen wir ihn erst mal ankommen.

Also fällt er ins Bodenlose.

Keine alte soziale Ordnung mehr. Keine neue soziale Ordnung. Keine klare Resonanz. Keine laufende Rückmeldung. Kein Anschluss an das, was er gerade dringend bräuchte.

Deshalb ist die alte Altersvorstellung nicht harmlos.

Wenn ich denke, ein Welpe sei mit 12 Wochen noch ein Baby, dann behandle ich ihn auch so. Ich nehme ihm Verantwortung ab. Ich halte ihn klein. Ich gebe ihm keine klare soziale Aufgabe. Ich warte auf ein Alter, das biologisch längst überschritten ist.

Und später wundere ich mich, warum der Hund mit zwei oder drei Jahren erst langsam die Stabilität entwickelt, die viel früher hätte wachsen können.

Nicht, weil ein Welpe mit 12 Wochen fertig wäre.

Sondern weil er in diesem Alter bereits ernsthaft lernen muss, wie seine Welt funktioniert.

Nicht Dressur.
Nicht Watte.
Welt mit Antwort.

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Quellen:

(1) Wang et al. 2020, Quantitative Translation of Dog-to-Human Aging by Conserved Remodeling of the DNA Methylome, Cell Systems. DOI: 10.1016/j.cels.2020.06.006.

(2) Jokinen, O., Appleby, D., Sandbacka-Saxén, S., Appleby, T. & Valros, A. (2017): Homing age influences the prevalence of aggressive and avoidance-related behaviour in adult dogs. Applied Animal Behaviour Science, 195, 87–92.

Eine finnische Fragebogenstudie mit 3.689 Hunden fand einen Zusammenhang zwischen späterem Abgabealter und späterem Meide- beziehungsweise Aggressionsverhalten. Besonders Welpen, die nach der achten Woche abgegeben wurden, zeigten häufiger solche Auffälligkeiten. Die Autoren kamen deshalb für häuslich aufgezogene Welpen zu dem Schluss, dass die Abgabe nicht später als mit acht Wochen erfolgen sollte.

(3) Appleby, Bradshaw & Casey (2002): Relationship between aggressive and avoidance behaviour by dogs and their experience in the first six months of life

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Das hier ist kein Glaubenssystem, sondern nur Biologie – und Biologie funktioniert unabhängig davon, welchem Lager man sich zuordnet

Der Hund ist ein zustandsabhängig bewertendes Priorisierungssystem mit erinnerungsbasierter, mehrstufiger Regulation.

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Letztes Jahr zu Ostern war mein Eddi bereits sehr krank. Meine neue Realität ist sein Vermissen. Ich danke allen von Her...
04/04/2026

Letztes Jahr zu Ostern war mein Eddi bereits sehr krank.
Meine neue Realität ist sein Vermissen.
Ich danke allen von Herzen,
die mich Verstehen und sich mir gegenüber auch so verhalten haben.

Ich wünsche Frohe Ostern und ein paar ruhige Tage im Kreis eurer Lieben.

Kein „neues“ Thema - aber ein wichtiges !! Tatsächlich lese ich grade ein Buch von 1999 über Hufbalance, indem genau das...
03/03/2026

Kein „neues“ Thema - aber ein wichtiges !!
Tatsächlich lese ich grade ein Buch von 1999 über Hufbalance, indem genau das schon ausführlich beschrieben wird.

Die Blättchenschicht (Weiße Linie) zeigt mehr, als man denkt.
Sie kann
• insulinbedingt geschädigt sein
• mechanisch überbeansprucht werden
• oder stabil und unversehrt bleiben

Die Blättchenschicht ist kein „Nebenschauplatz“, sondern ein wichtiger Indikator für die Huf- und Pferdegesundheit.

Stoffwechselbelastung – insbesondere durch Insulindysregulation – und ungünstige Zug- und Hebelkräfte haben hier direkte negative Auswirkungen.

Wer genau hinschaut, erkennt frühzeitig Veränderungen – bevor größere Probleme entstehen.

Das trifft‘s
15/01/2026

Das trifft‘s

Gedanken zum Selbstwert

Selbstwert entsteht nicht durch Leistung, Anerkennung oder Funktionieren.
Er entsteht dort, wo ein Mensch sich selbst wahrnimmt und ernst nimmt –
mit dem, was gerade da ist.

Fachlich gesprochen beschreibt Selbstwert die innere Bewertung der eigenen Person:
das Gefühl, grundsätzlich in Ordnung zu sein, auch ohne etwas beweisen zu müssen.
Er ist kein Zustand ständiger Sicherheit, sondern die Fähigkeit, bei sich zu bleiben,
wenn Unsicherheit auftaucht.

Ein stabiler Selbstwert zeigt sich nicht in Dominanz oder Lautstärke,
sondern in innerer Kohärenz:
Gedanken, Gefühle, Körper und Handlung sind miteinander verbunden.
Ein Mensch mit Selbstwert kann führen, ohne zu kontrollieren,
und Nähe zulassen, ohne sich selbst zu verlieren.

Fehlt dieser innere Halt, entstehen feine Verschiebungen.
Die Aufmerksamkeit geht nach außen, die Orientierung nach innen verloren.
Grenzen werden unscharf, Entscheidungen zögerlich, Präsenz brüchig.



Pferde begegnen uns genau an dieser Stelle.

Als hochsensible Herdentiere nehmen sie minimale Spannungen wahr:
Tonfall, Muskelspannung, Atem, innere Ausrichtung.
Sie reagieren nicht auf Absicht, sondern auf innere Stimmigkeit.

Trifft ein Mensch mit geschwächtem Selbstwert auf ein Pferd,
zeigt sich das häufig nicht in Fehlern, sondern in Unklarheit.
Die Führung wird fragend statt eindeutig,
die Bewegung vorsichtig statt entschieden,
die Beziehung suchend statt tragend.

Für das Pferd bedeutet das: fehlende Orientierung.
Und Orientierung ist für ein Fluchttier überlebenswichtig.

Das Pferd reagiert darauf nicht mit Ablehnung,
sondern mit Kompensation.
Es wird aufmerksam, übernimmt Führung, zieht sich zurück oder testet Grenzen.
Nicht aus Dominanz,
sondern aus dem Bedürfnis nach innerer und äußerer Sicherheit.



Verändert sich der Selbstwert des Menschen, verändert sich die Beziehung.
Nicht durch Technik, sondern durch innere Präsenz.

Ein Mensch, der sich selbst achtet,
steht anders, atmet anders, bewegt sich klarer.
Seine Signale werden eindeutiger,
seine Führung ruhiger,
seine Nähe verlässlicher.

Das Pferd antwortet darauf unmittelbar.
Es entspannt sich, orientiert sich, folgt.
Nicht, weil es untergeordnet ist,
sondern weil es Sicherheit erlebt.



Vielleicht ist Selbstwert genau das:
sich selbst so zu halten,
dass auch ein anderes Wesen sich anlehnen kann.

Und vielleicht lehren uns die Pferde,
dass Beziehung immer dort beginnt,
wo ein Mensch innerlich anwesend ist –
nicht perfekt,
aber ganz.

❗️❗️❗️❗️
02/12/2025

❗️❗️❗️❗️

PFERD IST WIEDER BEIM BESITZER!
Vielen Dank fürs Teilen!

Zugelaufenes Pferd – Besitzer dringend gesucht

Uns ist ein Pferd zugelaufen, und wir möchten so schnell wie möglich den rechtmäßigen Besitzer finden. Das Tier ist derzeit bei uns in sicheren Händen, aber wir möchten sicherstellen, dass es wieder dorthin zurückkommt, wo es hingehört.

Wenn jemand Hinweise hat, wem das Pferd gehören könnte, oder wenn ihr etwas Auffälliges gehört oder gesehen habt, meldet euch bitte dringend bei uns.

Vielen Dank fürs Weitergeben und Mithelfen!

❗️
02/12/2025

❗️

😂😂😂👌
18/11/2025

😂😂😂👌

🤗
06/11/2025

🤗

Gedanken an das beginnende Geraderichten

Das Schultervor – eine stille Einladung zur Balance

Das Schultervor ist keine Lektion für das Protokoll.
Es ist ein Gespräch – leise, ehrlich und voller Achtsamkeit.
Ein feines Spiel zwischen innerem Fühlen und äußerem Gleichgewicht.
Es ist der Moment, in dem das Pferd beginnt, sich selbst zu ordnen, zu zentrieren, sich in seiner eigenen Mitte zu finden.

Das Schultervor gehört zu den Seitengängen, doch es ist viel mehr als ein technisches Manöver.
Es ist der erste Schritt zur wahren Geraderichtung – jener unsichtbaren, inneren Linie, auf der Pferd und Reiter ins Gleichgewicht finden.
Dabei bleibt das äußere Beinpaar auf einer Hufschlaglinie, während das innere Hinterbein tastend seinen Weg zwischen die Spuren der Vorderbeine sucht.
So entsteht eine feine Längsbiegung – kein Abweichen, kein Verstellen, sondern eine Bewegung von innen heraus.

Für das Pferd bedeutet das: Es darf lernen, sich zu tragen, statt getragen zu werden.
Für den Menschen: zu spüren, statt zu korrigieren.

Die Hilfen wirken zart und bewusst:
• Der innere Schenkel liegt am Gurt und lädt das Pferd ein, sich zu biegen, das innere Hinterbein in die Mitte zu führen.
• Der äußere Schenkel verwahrt die Hinterhand, schützt die Spur, bewahrt die Richtung.
• Der innere Zügel gibt den Impuls zur Stellung – doch nie mehr, als nötig ist.
• Der äußere Zügel hält den Rahmen, trägt die Balance – dort, an der äußeren Schulter, entscheidet sich das Ganze.

Denn fällt die äußere Schulter, fällt die Harmonie.
Bleibt sie getragen, bleibt der Fluss erhalten.
Das Schultervor ist damit eine Übung für das Auge und die Hand des Reiters – aber vor allem für sein Fühlen.
Wer spürt, wie das Pferd über die äußere Schulter gleitet, wie es seinen Rücken hebt und den Atem weitet, der versteht:
Hier entsteht keine Biegung aus Druck, sondern aus Vertrauen und Gleichgewicht.

Ein Pferd kann nur dann gerade werden, wenn es zuvor losgelassen ist.
Und es kann nur loslassen, wenn der Mensch bei sich ist – im Gleichgewicht, still im Geist, offen in der Wahrnehmung.
Erst dann kann er spüren, wie seine innere Hüfte leicht vor kommt, wie sich die Bewegung durch seinen Körper zieht,
wie Pferd und Reiter sich auf einer gemeinsamen Linie einpendeln.

Das Schultervor beginnt also nicht im Pferd, sondern im Menschen.
In seiner Haltung, seiner Atmung, seiner Absicht.
Es ist die Kunst, die äußere Schulter zu hüten, ohne sie festzuhalten –
die innere Biegung zu fühlen, ohne sie zu erzwingen –
und das Pferd auf sanfte Weise in seine eigene Mitte zu führen.

So wird aus einer scheinbar kleinen Lektion etwas Großes:
Ein Moment der Verbindung.
Ein stiller Dialog zwischen zwei Körpern, zwei Atemzügen, zwei Seelen –
auf dem Weg zur Balance.

🙏🤗
30/10/2025

🙏🤗

Spiegeln ist keine Strafe

Vorhin wurde ich noch dafür gelobt, dass ich den Hund immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln erkläre – damit möglichst viele Menschen verstehen, worum es wirklich geht. Und genau das ist notwendig, denn viele Begriffe im Hundetraining sind in unseren Köpfen mit schiefen Bedeutungen und alten Erinnerungen aufgeladen. Das verzerrt, was wir sehen. Und das führt dazu, dass wir Dinge mit dem Hund tun, die wir eigentlich nie wollten.

Deshalb braucht es noch einmal einen klareren Blickwinkel.

Wenn ich über Empathie spreche – also darüber, dass der Hund seine eigene Handlung erkennen kann, indem wir ihm diese spiegeln –, dann denken viele Menschen sofort: „Okay, dann zeige ich meinem Hund, dass ich schlecht gelaunt bin. Dann werde ich brummelig, schimpfe, werde laut – dann merkt der Hund, dass sein Verhalten nicht gut ist.“

Aber genau das ist kein Spiegeln.
Das ist eine Attacke.
Das ist Druck.
Das ist der Versuch, den Hund zu zwingen, das zu tun, was man selbst will.

---

Wie Spiegeln bei Hunden wirklich funktioniert

Stell dir zwei Hunde vor:

Einer neugierig, offen, entspannt.

Der andere erfahren, aufmerksam, mit etwas mehr Lebensgeschichte.

Der neugierige Hund läuft auf etwas zu – mit einem guten Gefühl. Er erlebt nur Interesse und Entspanntheit.

Der erfahrene Hund kennt diese Situation vielleicht schon. Und er weiß: Das könnte nicht ganz so sicher sein.

Er sagt das nicht mit Lauten.
Nicht mit einem Kommando.
Nicht mit einem „Nein“.

Sondern er fühlt anders – und das zeigt sich ganz fein:

Die Atmung verändert sich.

Er wird etwas langsamer.

Vielleicht ein kaum sichtbares Zucken im Brustkorb.

Der neugierige Hund fühlt diese Veränderung. Seine Neugier wird leiser. Er wird langsamer. Er hält kurz inne. Und das fühlt sich gut und richtig an, weil er in Resonanz gegangen ist. So funktioniert Führung unter Hunden.

Sie kommunizieren über Gefühle.
Still, hochpräzise, in Echtzeit.
Körpersprache ist das Echo dieser Gefühle, nicht ihre Ursache.

---

Was wir Menschen daraus machen

Wir lesen darüber und glauben dann:

„Ah – ich muss negative Emotionen erzeugen, damit der Hund aufhört.“

Also:

Laut werden
Schimpfen
Drohen
Unangenehme Gefühle produzieren

Das ist völliger Unsinn.

Es ist nicht das Gefühl, das du herstellst, das wirkt. Sondern das Gefühl, das du wirklich hast, weil du wahrnimmst, was dein Hund gerade tut.

---

Wie es wirklich geht

Wenn du mit deinem Hund synchron unterwegs bist und er setzt an, etwas zu tun, das du nicht möchtest, dann:

änderst du deinen Atemrhythmus,
wirst minimal langsamer,
nimmst das Gewicht etwas zurück,
hältst kurz inne,
verschiebst leicht den Brustkorb,
ohne Ärger, ohne Druck, ohne „Chef“.

Du reagierst auf seinen Schritt
und spiegelst seinen Schritt.

Und der Hund fühlt:

„In dem Moment, als ich etwas getan habe, hat sich mein Sozialpartner verändert.
Das fühlt sich anders an als vorher.
Also korrigiere ich mich selbst.“

Das ist Resonanz.

---

Aber was, wenn mein Hund das nicht spürt?

Vielleicht sagst du jetzt:

„Ja, aber mein Hund hört da nicht drauf.
Der dreht sofort hoch.
Der rennt los.
Der wird laut, der wird wild, der ist nicht empfänglich für sowas Feines.“

Und das stimmt – weil du ihm das Leise abtrainiert hast.

Wenn ein Hund jahrelang nur auf Laut reagieren musste, wird er irgendwann nur noch Laut wahrnehmen.

Aber das heißt nicht, dass er das Leise nicht mehr kann.
Es heißt nur, dass er es gerade nicht erwartet.

Wenn du leise wirst – wirklich leise –
wird ein Moment kommen, in dem sich der Hund verwundert umdreht.
Und genau hier passiert etwas Entscheidendes:

Er wird angenehm überrascht sein, dass du auch leise kannst.

Und genau in dieser Überraschung baut sich die alte Fähigkeit wieder auf: das Fühlen unterhalb der Lautstärke.

---

Warum das alles funktioniert

Hunde kennen kein „Gut“ und „Böse“.
Keine moralische Bewertung.
Sie kennen:

Fürsorge
Richtung
gemeinsame Spannungslage

Wenn der Fürsorger Bedenken hat, wird langsamer, hält inne –
fragt der Hund:

„Warum?“

Und diese Frage ist der Moment, in dem Verhalten sich verändert.

Nicht durch Kontrolle.
Nicht durch Dressur.
Sondern durch Beziehung in Resonanz.

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An die Hundemenschen: lesen !
29/10/2025

An die Hundemenschen: lesen !

"Reaktiver Hund"?

ACHTUNG! WARNUNG!

Das Folgende kann man nicht einfach mit zwei beliebigen Hunden nachmachen. Mein hier beschriebener Hund kann das. Der ist mittlerweile sechste Generation im Rudel und hat dadurch ein riesiges soziales Lösungspaket im Kopf.

Der Bericht soll nur zeigen, wie soziale Hunde es lösen würden und wir uns in unserem Verhalten problemlos daran ein Beispiel nehmen können.

Denn die Hunde probieren aus und gucken wo es keinen Widerstand gibt und man so den Kollegen dazu bekommt einem Vorschlag zu folgen das gleiche zu tun wie man selbst. Die Hunde beißen sich nicht an einer Lösung fest, sondern wechseln ganz schnell zu einer anderen wenn es nicht geht. Sie bleiben noch nicht einmal zu viele Sekunden in einer Haltung stehen, wenn es "Widerstand" oder Aufregung gibt.

Denn: Sie setzen sich gegenseitig den Spiegel vor - sie spiegeln das Verhalten des Gegenübers.

ACHTUNG! WARNUNG!

Ich hatte im letzten Seminar eine Situation, die ganz schön sichtbar gemacht hat, wie Hunde untereinander mit Stress umgehen – und wie völlig anders das ist als das, was wir Menschen normalerweise tun.

Da war ein Hund, der gelernt hatte, seinen Stress zu lösen, indem er nach vorne ging. Fremde Hunde wegschieben, drohen, Krawall machen, einmal Platz schaffen und dadurch innen wieder ruhiger werden. Das war seine Lösungsstrategie. Nicht böse gemeint, sondern einfach aus Erfahrung gelernt: „Wenn es zu viel wird, mache ich Raum nach außen.“

Mein Hund hat dann mit ihm gearbeitet. Und das Beeindruckende war: Er hat nicht versucht, dieses Verhalten zu stoppen oder zu korrigieren. Er ist nicht dagegen gegangen. Er hat auch nicht „dominant“ gemacht oder „durchsetzen“ wollen. Er hat erst einmal geprüft: Wo steht der andere gerade innerlich?

Am Anfang hat er ganz weich und tief den Vorderkörper gesenkt. Nicht als Spieleinladung, sondern als: „Ich komme nicht rein, wir haben Zeit, ich sehe dich, du musst nichts verteidigen.“ Der andere Hund konnte das aber nicht annehmen – zu viel Spannung, zu viel Alarm im System.

Also hat mein Hund das Angebot gewechselt. Er hat kurz die Distanz verändert, ein bisschen Präsenz gezeigt, und dann sofort wieder Raum gegeben. Wieder ein Vorschlag: Was geht? Wie nah ist möglich, ohne dass der andere hochgeht? Wie weit weg ist zu weit, als dass man überhaupt noch in Beziehung bleibt?

So ging das ein paar Runden. Keine Konfrontation, keine Eskalation, sondern Abtasten. Wo ist die Stelle, an der der andere Hund überhaupt etwas annehmen kann, das in Richtung Ruhe führt?

Und irgendwann gab es diesen kleinen Moment. Ein ganz kurzes Innehalten. Ein Atemzug, der ein bisschen tiefer ging. Und genau da hat mein Hund angesetzt. Er hat sich aus der direkten Interaktion herausgelöst, ist ein paar Meter weiter gegangen, hat angefangen zu schnüffeln. Nicht, weil er etwas gerochen hat. Sondern als Einladung:

„Komm hier rein. Wir machen das gemeinsam runter.“

Und der andere Hund ist mitgegangen. Erst ein Schritt. Dann zwei. Dann Nase runter. Dann parallel schnüffeln. Und damit war die ganze Stimmung anders. Keine Spannung mehr. Kein Alarm. Nur zwei Hunde, die wieder atmen konnten.

Das war keine Dominanz. Das war keine Erziehung. Das war keine „Korrektur“.

Das war: Angebote machen, Resonanz spüren, das nächste passende Angebot wählen, bis ein gemeinsamer Weg zur Ruhe entsteht.

Hunde führen über das, was der andere gerade leisten kann – nicht über das, was sie durchsetzen wollen.

Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man es einmal gesehen hat:

Nicht fragen: „Wie bringe ich ihn dazu?“

Sondern:

„Wo kann er gerade mit mir anfangen?“

Und dort beginnen.
Immer dort beginnen.

---

Und für uns Menschen heißt das in der Praxis vor allem eines:

Nicht festbeißen.
Nicht denken „ich habe mir das jetzt vorgenommen, also muss das jetzt funktionieren“.
Genau da steigt die Spannung.
Genau da verlierst du deinen Hund.
Und genau da muss er anfangen, seine innere Spannung durch Verhalten abzubauen.

Wir Menschen haben ein Problem, wir denken darüber nach, und wir malen uns im Kopf schon die Lösung aus. Und dann versuchen wir, diese Lösung herzustellen. Egal, wie der andere gerade drauf ist. Egal, ob es passt. Egal, ob es möglich ist. Hauptsache: „Das muss jetzt klappen.“

Und in dem Moment sind wir schon nicht mehr da.
Wir sind nicht im Jetzt.
Wir sind schon einen Schritt in der Zukunft.
Und wir versuchen, den Hund in diese Zukunft hineinzuziehen.

Das fühlt sich für den Hund an wie Druck.
Und Druck macht Spannung.
Und Spannung muss er loswerden.
Und das tut er, indem er sich verhält.

Wenn der Hund aber nur noch unter Spannung handelt, dann greift er irgendwann nur noch auf die wenigen Verhaltensmuster zurück, die tief sitzen: rennen, ziehen, bellen, blocken, knurren, fixieren – was auch immer ihm jemals geholfen hat, Spannung abzubauen.

Er macht das nicht, um uns zu ärgern.
Er macht das, weil er keine andere Möglichkeit sieht.

Darum ist der entscheidende Schritt für uns:

Nicht versuchen, die eigene Vorstellung durchzusetzen,
sondern fragen: „Was geht jetzt gerade?“

Nicht: „Was soll passieren?“
Sondern: „Was kann mein Hund in diesem Moment leisten, ohne dass er in Spannung rutscht?“

Und dann genau dort anfangen.

Mach einen Vorschlag.
Wenn er den nicht annehmen kann, mach einen anderen.
Ohne Bewertung.
Ohne Enttäuschung.
Ohne Ziel vor Augen, das unbedingt erreicht werden muss.

Du suchst nicht „die richtige Technik“.
Du suchst den ersten Moment, den der Hund freiwillig mit dir teilt.

Wenn das ein Schritt ist – gut.
Wenn das ein Atemzug ist – gut.
Wenn das nur ein Blick ist – auch gut.

Daraus entsteht der nächste Moment.
Und daraus entsteht Orientierung.
Und daraus entsteht Ruhe.

Nicht durch Durchsetzen.
Sondern durch gemeinsame Entscheidung.

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Landau
76829

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