19/03/2026
Skurrile Geschichte.. auf jeden Fall. Und wenn ich überlege wie aufwendig es ist einen entlaufenen Hund/ eine Katze usw. welcher nur gechipt und nirgends registriert ist, seinen Besitzer ausfindig zu machen... Quasi fast unmöglich...
Das Märchen vom Rennpferd im Kochtopf
Ihr habt bestimmt alle diese Schlagzeile gelesen: “Preisgekröntes Rennpferd endet im Kochtopf.” Allein die Überschrift ist so … Preisgekrönt … als wär’s ein Zierfisch, ey. Preisgekrönt ist ein Wort, das wir im Rennsport einfach so gar nicht benutzen, selbst einen Torquator Tasso würde niemand als “preisgekrönt” bezeichnen, das ist so antiquitiert und unpassend zugleich, macht aber in der Überschrift ganz viel Stimmung. Egal. Folgendes soll sich (ich sage ganz bewusst “angeblich”) zugetragen haben: In einer Suppenküche in Mersin (Türkei) soll ein Gast auf einen harten Gegenstand gebissen haben. Dabei handle es sich um einen Microchip. Untersuchungen ergaben später, dass es sich hierbei um den Chip des Rennpferdes Smart Latch handelte. Das Fleisch wurde wohl fälschlicherweise als Rind etikettiert und sei dann darin gelandet. In der Türkei gilt Pferdefleisch als Tabu. So weit, so skurril.
Aber jetzt wird es noch skurriler. Einige Medien berichten von einem “Peilsender” (ja, genau … so habe ich auch geguckt), andere von einem Sim-Karten-artigen Gegenstand. Geil! Haben Rennpferde dann ihr eigenes W-LAN? Und warum habe ich auf manchen Rennbahnen dann immer noch so schlechten Empfang? Schließlich laufen da ja hunderte von Pferden rum, die ich als Hotspot benutzen könnte. (Medien aus dem Ausland sprechen übrigens NICHT von SIM-Karten … das sind wieder nur die deutschen D***l, die einfach irgendwas als Aufreger raushauen wollten). Meine nächste Frage wäre aber: Hält der Chip das Kochen überhaupt aus? Und wenn ja - woher wussten die denn, in welcher Datenbank die suchen mussten, um die Nummer zu identifizieren? Wieso hat sich KEINER der Schreiberlinge mal mit den legalen Aspekten dieses Falls auseinandergesetzt (die sind nämlich durchaus interessant). Nein - man will wieder nur sagen: “Guck, das arme Rennpferd - so böse sind die Leute, die Rennpferde haben.”
In der Türkei ist es verboten, Rennpferde zu schlachten. Nur eine Nottötung ist erlaubt und die war im Fall von Smart Latch wohl gar nicht nötig. Smart Latch hatte drei Rennen gewonnen (lief insgesamt 13 Mal - ich kann leider nur 4 Mal verifizieren, mein Türkisch ist allerdings nichtexistent). Sie brach sich beim letzten Start ein Bein, konnte aber gerettet werden und ging zurück zu ihrem Besitzer, wo der Bruch durchaus erfolgreich behandelt werden konnte. Als die Stute sich erholt hatte, entschied man, mit ihr zu züchten, aber Smart Latch stellte sich als absolut ungeeignet dafür heraus, also gab der Besitzer das Pferd an einen lokalen Reitverein (allerdings ohne das zu melden). Trotzdem soll der Besitzer (der sich ja mehrere Jahre um die Stute gekümmert hat, nachdem sie verletzt war) der Bösewicht sein. Jetzt empfinden das alle als den eigentlichen Skandal, aber ich muss doch fragen - ist nicht eher der Skandal, dass da die Schlachthäuser machen, was sie wollen? Das Pferd hatte bestimmt keinen Schlachtpferdestatus (schon von Haus aus nicht, wie wir gelernt haben), aber es geht trotzdem in die Lebensmittelverwertung?
Gehen wir noch mal zum Chip. Viele Medienberichte lassen das so klingen, als hätte jemand den Chip einfach angeschaut und sofort gewusst, welches Pferd das ist. So funktioniert das technisch nicht. Die Chips sind dazu mit Glas ummantelt. Wenn man da drauf beißt, dann … puh, dann würde es doch zu Verletzungen kommen? Außerdem soll der Chip (der knapp unter dem Nackenband sitzt) komplett unbeschadet im Schlachthaus und in der Verarbeitung IN die Suppe gekommen sein? Schwer vorstellbar. Über 200kg Fleisch waren noch vorhanden und die konnten wohl auch dem Pferd zugeordnet werden? Das heißt, es fand ein DNA Test bei allen Pferdefleischproben statt? Und man hatte die DNA von Smart Latch einwandfrei? Weiß nicht, wie das für euch klingt, aber das ist schon alles ein bisschen zu skurril, um einfach so “passiert” zu sein.
Foto: Nicht im Kochtopf. Aber in Aintree.