01/04/2026
… und wieder steht ein Jahrestag vor der Tür.
Ein Jahr mit deutlich weniger Putzaufwand, ein Jahr mit deutlich weniger Sorge, ein Jahr mit deutlich weniger Struktur, ein Jahr mit deutlich weniger angebunden sein. Ein Jahr ohne Pebbles.
Und wisst ihr was? Vieles ist leichter geworden – und trotzdem vermisse ich sie jeden einzelnen Tag, mit jeder einzelnen Zelle meines Körpers.
Ich gebe zu: Als Pebbles in mein Leben trat, war ich naiv. Und vielleicht auch ein bisschen größenwahnsinnig.
Denn ich dachte, wir schaffen das schon. Das wird leicht. Ich kann das Steuer ihres Lebens herumreißen.
Und ja – wenn man ganz objektiv draufschaut, könnte man sagen:
Ja, Franzisca, du hast das Steuer herumgerissen.
Denn es gab viele Stimmen, die gesagt hätten, dass Pebbles kein Leben verdient hatte.
Weil sie, gerade einmal drei Wochen alt, schwer verletzt neben einer Hauptstraße gefunden wurde. Und man sich trotzdem entschieden hatte, sie nicht zu erlösen, sondern leben zu lassen.
Ob sie bereits querschnittsgelähmt geboren wurde und ausgesetzt wurde, ob sie einen schweren Autounfall hatte oder – was wir vermuten – aus einem fahrenden Auto geworfen wurde… wir wissen es nicht.
Aber ihre panische Angst vor Motorgeräuschen ließ uns ahnen, dass ihre Geschichte keine gute war.
Pebbles kam zunächst in die Tierklinik, dann ins Tierheim.
Und als sie fünf Wochen alt war, kam dieser Anruf aus dem Tierheim Augsburg:
„Franzisca, hast du gerade einen Platz frei?“
Ich rechnete – wie immer – mit einer alten oder schwer kranken Katze, die noch eine letzte Anlaufstelle brauchte.
Also fragte ich lachend: „Was habt ihr für mich?“
„Eine fünf Wochen alte, querschnittsgelähmte Babykatze.“
Ich brach in schallendes Gelächter aus und sagte:
„Ihr seid komplett wahnsinnig. Wann kann ich sie kennenlernen?“
Und natürlich verliebst du dich.
In dieses kleine Wesen, das dich mit einem einzigen, geschädigten Auge ansieht, weil das andere bereits entfernt werden musste.
Natürlich verliebst du dich.
Pebbles zog in einer absoluten Schnellschussaktion bei uns ein – erstmal als Pflegestelle.
Es hieß, es sei nur für ein paar Wochen, bis sie ihren Endplatz findet.
Aber ihr kennt mein großes, bescheuertes, trotziges Herz.
Ich habe mich verliebt.
Und nur wenige Wochen später habe ich sie adoptiert.
Ein Platz für immer.
„Eine querschnittsgelähmte Katze hat kein langes Leben vor sich“, hieß es.
„Du wirst ständig kämpfen müssen“, hieß es.
„Das ist Tierquälerei“, hieß es.
Und wir haben gesagt:
Scheiß drauf.
Scheiß drauf, was von außen kommt.
Scheiß drauf auf all die Meinungen.
Scheiß drauf auf Prognosen.
Denn helfen konnte uns sowieso niemand wirklich.
Niemand wusste, wie man mit so einer Katze lebt.
Niemand wusste, wie viel Lebensqualität möglich ist.
Worauf man achten muss.
Ich habe mich oft allein gefühlt.
Manchmal auch im Stich gelassen.
Aber gemeinsam mit Pebbles habe ich jede Herausforderung angenommen.
Und Pebbles hat sieben unfassbar schöne Jahre bei uns verbracht.
Sie war trotzig, stark, menschenbezogen, kontaktfreudig, liebevoll.
Ein überbordendes Herz auf zwei funktionierenden und zwei gelähmten Pfoten.
Das Selbstbewusstsein einer Säbelzahntigerin.
Der Wille eines Superhelden.
Pebbles hat uns so viel gelehrt.
Dass Leben wertvoll ist.
Dass es schön ist.
Dass es sich lohnt – egal, wie „anders“ es von außen wirken mag.
Sie war immer die Erste.
Die Erste, die Besuch empfangen hat.
Die Erste, die neue Katzen in unserem Hospizrudel willkommen geheißen hat.
Die Erste auf dem Schoß.
Die mit der größten Präsenz.
Und sie hasste es, als „behindert“ gesehen zu werden.
Denn sie wollte alles.
Und irgendwie… konnte sie auch alles.
Unsere größte Errungenschaft:
Selbstständig Treppen steigen.
Ja, völlig verrückt, oder?
Eine querschnittsgelähmte Katze, die Treppen steigt.
Aber Pebbles hatte diesen unglaublichen Sturkopf.
Sie wollte die Welt erobern.
Und sie hat es getan.
Unsere Welt.
Unsere Herzen.
Und alles, was wir zu wissen glaubten über Krankheit, Behinderung und vermeintliche Schwäche.
Pebbles hat mir – und vielen anderen – gezeigt, wie falsch diese Vorurteile sind.
Wie wertvoll, wie schön, wie erhaltenswert dieses Leben ist.
In der Nacht vom 31.01.2025 auf den 01.04. hatte Pebbles einen epileptiformen Anfall.
In den frühen Morgenstunden des 01.04.2025 folgte ein zweiter.
Und dieser hat ihr tapferes Kämpferherz für immer zum Stillstand gebracht.
Ein Jahr ohne Pebbles. Lasst doch mal ein Herz ❤️ in den Kommentaren da für dieses Wunderwerk an Katze.
💔