31/07/2025
Man trennt sich doch nicht wegen S*xmangel.
Wirklich nicht?
Ich habe in den letzten Jahren viele Gespräche geführt – mit Frauen und mit Männern. Und oft taucht irgendwann dieses Thema auf: die körperliche Nähe, die in einer Beziehung langsam verschwindet. Erst wird weniger geküsst. Dann fällt das Kuscheln weg. Und irgendwann ist da nur noch funktionierender Alltag – ohne Berührung, ohne Zärtlichkeit, ohne S*x.
Was dabei oft vergessen wird: Körperliche Nähe ist kein Bonus. Kein Luxus für gute Tage. Sie ist ein menschliches Grundbedürfnis.
So wie Essen, wie Schlaf, wie Sicherheit.
Wenn wir über längere Zeit keine Nähe mehr bekommen – keine liebevolle Berührung, kein Begehren, keine Intimität –, dann verhungert nicht nur unser Körper. Dann stirbt langsam auch etwas in uns: das Gefühl, geliebt zu sein. Begehrt zu werden. Als Mensch gesehen zu werden.
Und das betrifft nicht nur „die Männer“.
Auch Frauen sitzen in Therapien und sagen: „Ich wollte ihn doch nur noch einmal spüren. Ich wollte wieder wir sein.“
Beide Seiten leiden – oft still, oft mit schlechtem Gewissen, oft zu lange.
Aber irgendwann reicht es nicht mehr. Dann geht einer. Und die Umwelt sagt: „Wegen S*x? Ernsthaft?“
Ja. Ernsthaft.
Weil es nie nur um S*x ging. Sondern um das Gefühl, lebendig zu sein. Verbunden. Nah.
Vielleicht ist es an der Zeit, endlich darüber zu sprechen.
Nicht um Schuld zu verteilen, sondern um zu verstehen, was uns als Menschen ausmacht.
Denn Liebe ist nicht nur reden und gemeinsam Rechnungen bezahlen. Liebe heißt auch: Ich darf mich nach dir sehnen. Und du dich nach mir. Jeden Tag ein bisschen. Wie nach gutem Essen. Wie nach echtem Leben.