Tierarztpraxis Cornelia Jahn Osteopathie

Tierarztpraxis Cornelia Jahn Osteopathie Osteopathie, Physiotherapie, Magnetfeldtherapie & Blutegeltherapie
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23/05/2021

Kauft euch stabile Pferde

„Wir haben Probleme gute Nachwuchspferde zu finden. Warum? Sie stehen ab 7- oder 8jährig in den Pferdekliniken überall im Land“. Das sagte Klaus Balkenhol auf einem Vortrag.
Gilt das nur für die Sportpferde? Ich denke nicht. Aber warum ist das so? Diese Frage stellen sich viele Reiter, die bereit sind, doch alles für ihren Liebling zu tun. Sind es manchmal sogar gerade diese Pferde? Diejenigen die entweder 4x bandagiert in der Box stehen und nicht auf die Koppel dürfen, denn die Verletzungsgefahr ist zu groß oder diejenigen die nur im Schritt geritten werden, damit sie nicht schwitzen und sich erkälten? Oder sind es diejenigen die jedes Wochenende, über jeden verfügbaren Turnierplatz rennen müssen?

Die Fragen sind berechtigt. In meiner Funktion als Leiterin unserer Reha-Einrichtung für Pferde, begegnen uns sehr viele verschiedene Pferde, aus unterschiedlichen Rassen mit den ungewöhnlichsten Geschichten. Was wir immer wieder feststellen: Die Pferde sind deutlich anspruchsvoller und empfindlicher geworden. In meiner Jugendzeit waren die Pferde robuster und tolerierten viel mehr Fehler des Reiters, ohne gleich in körperliche Schwierigkeiten zu geraten. Die Warmblüter hatten ein kräftigeres Fundament und sie waren viel weniger elastisch in ihren Strukturen.
Die Zucht hat heute Pferde hervorgebracht, von denen man vor 20 oder 30 Jahren nur träumen konnte. Hochelastisch mit Mega-Raumgriff, Schwung und genialer Rittigkeit. Und definitiv viel sensibler, was die Umsetzung der Reiterhilfen angeht. Da würde man doch denken: Ja, super, das hört sich toll an. Das ist es auch.

Aber: diese hochkarätigen Pferde benötigen einen ebensolchen Reiter. Ungeschickte und noch unerfahrene Reiter tun sich damit schwer. Ein Pferd mit großen schwungvollen Bewegungen fordert dem Reiter einiges an Balance und Koordinationsfähigkeit ab. Genau das haben die Menschen immer weniger. Schon Kinder können (oder dürfen) auf keinen Baum mehr klettern, weil Helikoptermütter das zu verhindern wissen. Es wird beklagt, dass Kinder heute schon mit dem normalen Aufsitzen Probleme haben. Reiter die die Hilfen nicht gut koordinieren können, tun sich schwer damit, das notwendige reiterliche Gefühl zu entwickeln, das sensible Pferde brauchen, um schwungvoll und losgelassen gehen zu können. Eine gängige Praktik ist es dann, das Mega-Gangwerk auf die Drehzahl zu drosseln, die man noch einigermaßen gut sitzen kann, anstatt das junge Pferd zuerst in seiner Schubkraft und der Entwicklung des Ganges zu fördern. Ein fataler Fehler.

Überall sieht man Pferde, die mit den Hinterbeinen derart komatös schlurfen, dass man Angst bekommt ob sie die nächste Runde noch machen. Schlimm ist, dass diese Art der Fortbewegung dazu führt, dass der Brustkorb absinkt, ein Reiten von hinten nach vorne nicht stattfindet und dadurch extreme Scherkräfte auf das Skelett und das Bindegewebe einwirken. Ein korrekter Muskelaufbau kann nicht stattfinden. Diese elastischen Pferde haben von Natur aus ein weiches Bindegewebe. Das betrifft Sehnen, Bänder und Gelenke. Das ist ein naturgegebener Zustand, der durch Training nur geringfügig verändert werden kann. Die einzige Chance, ist der Aufbau einer starken und tragfähigen Muskulatur. Diese kann die bindegewebsartigen Strukturen unterstützen. Zum Aufbau dieser Muskulatur muss ein wirkliches Training stattfinden und kann durch alleiniges Bewegen nicht erreicht werden. Das stellt den Reiter vor hohe Anforderungen, denn die meisten Menschen möchten nach einem harten Arbeitstag, bei ihrem Pferd viel lieber entspannen und die Seele baumeln lassen. Ein durchaus verständlicher Wunsch.

Es gibt mittlerweile Kritiker der deutschen Pferdezucht, die die Züchter an den Pranger stellen, da sie angeblich durch starke Veränderungen im Exterieur und Gangbild schon in die Richtung der Qualzucht arbeiten. Das mag teilweise so sein, letztendlich muss die Geschichte aber aus beiden Richtungen beleuchtet werden. Zudem es nicht nur die deutsche Pferdezucht betrifft, auch Haflinger, Spanier, Friesen & Co. sind sehr oft stark überbeweglich.

Ein Züchter möchte seine Pferde kostendeckend bzw. mit Gewinn verkaufen. In Deutschland ist es kaum möglich, ein vierjähriges Pferd für einen vierstelligen Betrag aufzuziehen. Sollte es noch angeritten werden, kann es leicht das Doppelte sein. Bereit das zu bezahlen oder für ein Spitzenpferd eben auch einen Spitzenpreis zu bezahlen, sind in der Regel (von Ausnahmen natürlich abgesehen) eher die sportorientieren Reiter. Daher züchtet der Züchter das, was diese Reiter möchten. Hohe Elastizität, viel Raumgriff, viel Schwung. Auch andere Rassen werden mittlerweile häufig in Richtung Sportpferd verändert wie z B. der Edelbluthaflinger, ebenso PREs oder auch Friesen sehen anders aus als früher. Weil auch der Freizeitreiter mit einem edlen und bewegungsstarken Ross punkten will.
Was ist nun die Lösung? Kauft euch stabile Pferde! Das sind allerdings eher die unspektakulären, kleinen, kräftigen, mit kurzem Rahmen und wenig Bewegung. Und das sollte auch dem Züchter so kommuniziert werden.
Die Schwierigkeit dabei ist, wie kann ich ein stabiles Pferd überhaupt erkennen? Wie kann ich testen ob ich ein überbewegliches oder stabiles Pferd vor mir habe?
Man sollte immer jemand fachkundigen zum Pferdekauf mitnehmen, der eben genau dieses beurteilen kann. Eine Ankaufsuntersuchung sagt darüber übrigens rein gar nichts aus.
Gute Röntgenbilder zeigen dieses Problem nicht auf. Das ist auch der Grund, warum stabile Pferde mit schlechten Röntgenbildern durchaus sehr lange gut laufen und Pferde die röntgenologisch keinen Befund haben, immer wieder lahm gehen. Sichtbare Probleme sind wiederkehrende Lahmheiten, Rückenprobleme, Rittigkeitsprobleme oder Widersetzlichkeiten.
Stabile Pferde sind wesentlich robuster, können Reiterfehler besser wegstecken und können auch bei weniger intensivem Training lange geritten werden. Sie sind wesentlich tragfähiger und weniger anfällig für Probleme des Bewegungsapparates.

Damit diese Pferde wieder gezüchtet werden, muss der Käufer diesen Wunsch direkt äußern und auch preislich honorieren. Ein höherer Kaufpreis ermöglicht dem Züchter eine gute Aufzucht und die Möglichkeit, auch Käufer für diese Pferde zu finden, auch wenn sie nicht das große Bewegungspotential haben. Eine Win-Win-Situation für beide.

01/11/2019

Manch ein Reiter kennt es:
Das Pferd zeigt unerklärliche Verletzungen an den Fesselköpfen oder der Hüfte, obwohl es die Nacht vermeintlich ruhig in der Box verbracht hat.
Andere Pferdebesitzer berichten von gravierendem Leistungsverlust, sobald es auf ein mehrtägiges Turnier geht oder von einem ausgesprochen müden Pferd, nach einem scheinbar unkomplizierten Stall- oder Weidewechsel.
An akuten REM-Schlafmangel als Ursache denken dabei die wenigsten Pferdehalter zuerst…😴
📌 Was ist REM Schlaf?
Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Auch die nächtliche Ruhe gliedert sich in verschiedene Phasen, bei der eine der REM-Schlaf (rapid eye movement) ist – er wird auch Traumschlaf genannt.
Aufgrund seiner niedrigen Skelettmuskelspannung kommt dieser nur im Liegen vor. Während dieser Phase ist der Körper so schlaff, dass er keine Spannung aufrecht halten kann. Leicht- und Tiefschlaf, bei denen mehr Muskelspannung vorhanden ist, können hingegen sowohl im Stehen als auch im Liegen verbracht werden.
REM-Schlaf ist ein wichtiger Teil der Erholungsphase. Mangelt es an diesem Schlaf sind Pferde übermüdet und büßen an Leistungsfähigkeit ein.
📌 Wie äußert sich REM-Schlafmangel?
Hat sich das Pferd ein ungesundes Schlafverhalten angewöhnt oder wird es durch die äußeren Umstände oder durch Schmerzen an den Traumschlaf-Phasen gehindert, ist es irgendwann so übermüdet, dass es die Traumschlafphasen kurzfristig während des Stehens durchlebt.
Die auffälligsten Symptome eines REM-Schlafmangels sind daher sicherlich die kompletten Kollapse (durch plötzliches Fehlen der Skelettmuskelspannung) und die daraus resultierenden Verletzungen, die sich die Pferde meist an Fesselköpfen und den Vorderfußwurzelgelenken zuziehen.
Es muss jedoch nicht immer gleich so dramatisch sein. Leistungseinbußen, plötzliche Veränderungen im Verhalten und allgemeine Müdigkeit können erste Hinweise sein.
Erst kürzlich hatten wir ein junges, vielversprechendes Dressurpferd bei uns in der Klinik Lüsche, dass bei einem über mehrere Tage gehenden Turnier ab dem 2. Tag keine Leistung mehr zeigte. Die Pferdebesitzer konnten Kollapse bisher nicht beobachten, aber eine Schlaflaboruntersuchung durch unsere Tierärztin Dr. Christine Fuchs lieferte Hinweise auf einen REM-Schlafmangel und häufiges unnatürliches Schwanken. Einmal konnte sogar ein Fallen auf die Vorderfußwurzelgelenke beobachtet werden. Da dieses Pferd in einer wahrscheinlich sehr frühen Phase der Krankheit diagnostiziert werden konnten, ist davon ausziehen, dass ihm eine Therapie helfen wird und es in Zukunft wieder richtig schlafen und gute Leistungen bringen kann...
📌 Wie kann REM-Schlafmangel diagnostiziert werden?
Wenn der Verdacht besteht, wird das Pferd zunächst nachts per Video beobachtet und die Bilder von den Tierärzten ausgewertet. In zweiter Instanz ist die Beobachtung im Schlaflabor sicher sinnvoll. Dies kann bei uns in der Tierklinik Lüsche erfolgen oder auch vor Ort im heimischen Stall.
Das Pferd wird dazu verkabelt und in den verschiedenen Erholungsphasen/Schlafphasen überwacht.
Am Monitor lässt sich dann genau ablesen, wann das Pferd in den REM-Schlaf fällt und ob es dabei liegt, steht oder einem Kollaps nah ist. Zudem wird ein komplettes Schlafprofil erstellt, wodurch festgestellt wird, ob das Pferd insgesamt genug Schlaf erhält.
📌 Was ist der Unterschied zu Narkolepsie?
Häufig wird der Begriff „Narkolepsie“ mit REM-Schlafmangel vermischt. Zugegeben sehen die Kollapse sich sehr ähnlich, allerdings handelt es sich bei REM-Schlafmangel um unerwünschtes Verhalten (beeinflusst durch Krankheit oder äußere Umstände), bei der Narkolepsie um eine angeborene Gehirnerkrankung. Diese ist ausgesprochen selten und angeboren – erste Ausprägungen zeigen sich meist schon im Fohlenalter. Die Kollapse bei Narkolepsie-Patienten geschehen in der Regel aus der Bewegung heraus, REM-Kollapse passieren in den Ruhephasen.
Den häufig verwendeten Begriff „Pseudo-Narkolepsie“ lehnen wir daher für den REM-Schlafmangel entschieden ab, da es sich um zwei völlig unterschiedliche Krankheitsbilder handelt, und die Bezeichnung nur zu Verwirrung führt.
📌 Wie wird die REM-Verhaltensstörung therapiert?
Ist REM-Schlafmangel diagnostiziert geht es auf die schwierige Suche nach dem Auslöser. Eine Therapie ist immer sehr individuell und auch nicht immer erfolgsversprechend, da einige beeinflussende Faktoren vielleicht unveränderbar sind oder in Konstellation auftreten.
🔹 Schmerzen:
Sind Schmerzustände (z.B. Arthrose, HWS Verletzungen oder ein erkrankter Bewegungsapparat allgemein, Schmerzen im Magen-Darm-Trakt oder Lungenprobleme,...) der Grund für Mangel an Schlaf im Liegen kann eine Behandlung der akuten Symptome bereits eine Verbesserung bedeuten. Empfindet das Pferd das Liegen im Schlaf als weniger - oder idealerweise gar nicht mehr - schmerzhaft, kann seine Bereitschaft zum Ablegen in Box oder Weide deutlich gesteigert werden.
🔹 Umgebung:
Einige Pferde kommen in ihrer Umgebung nicht zur Ruhe. Das kann ein zu lauter Stall sein, zu wenig Platz oder die falsche Einstreu - auch eine neue Umgebung, wie auf mehrtägigen Turnieren der Fall, oder natürlich ein Umzug in einen neuen Stall / Weide sollten berücksichtigt werden. Die einzige Therapie-Möglichkeit ist eine Anpassung der Umstände – sofern ausführbar: Eine ruhigere Box, eine andere Einstreu, das Vermeiden von Übernachtungen in fremder Umgebung, etc.
🔹 Sozialer Stress:
Unwohlsein, durch unpassende Herdenzusammenstellung oder ausgelöst durch einen schwierigen Boxennachbar können bei dem ein oder anderen Pferd bereits die Bereitschaft zum Liegen komplett unterbinden.
Einige Pferde kommen auch nicht zur Ruhe, wenn sie sich als Herdenbeschützer sehen, Pferdefreunde oder Nachwuchs versterben oder wegziehen. Eine Neukonstellation der Herde ist in diesem Fall sinnvoll und kann helfen, das Pferd zu beruhigen.
📌 Bei Fragen zu REM-Schlafmangel oder der Schlaflabor-Diagnostik könnt ihr euch gerne bei uns melden. Der Ansprechpartner rund um das Thema „Schlaf und Schlafprobleme“ ist Dr. Christine Fuchs. Für Patienten, die weit entfernt von unserer Klinik stehen, bieten wir auch telefonische Beratung zu diesem Thema an.
➡️ Hier könnt ihr noch weitere Videos solcher Pferde sehen: https://youtu.be/1ZmhkwljzSM ⬅️

Adresse

Muldentalstraße 125B
Leipzig
04288

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