18/12/2017
Wir stellen Ihnen hier auszugsweise einen Teil einer aktuellen WHO Studie vor, bei der es um Medikamentenfälschungen weltweit geht. Interressant ist dies insbesondere für Reisede nach Afrika und Asien:
Die WHO hat in einer aktuellen Studie den Effekt von Medikamentenfälschungen in 88 Ländern dokumentiert. Insgesamt wurden knapp über 48.000 Stichproben von Medikamenten ausgewertet.
Hierbei wurden beispielhaft zwei Modelle beleuchtet: Pneumonie bei Kindern und Malaria. Für die Malaria ergab sich eine zusätzliche Zahl von 31.000 bis 266.906 Toten durch gefälschte Medikamente.
Laut WHO machen Fälschungen rund 6 bis 15 Prozent des weltweiten Medikamenten-Marktes aus. Man schätzt, dass in Industriestaaten etwa 1% der im Handel befindlichen Medikamente gefälscht ist. In Afrika und Teilen Asiens liegt der Anteil gefälschter Medikamente je nach Land zwischen 30 und 70 Prozent. 1995 sind im Niger durch einen falschen Impfstoff gegen Meningitis 2.500 Menschen gestorben. Es ist davon auszugehen, dass der Markt der gefälschten Arzneimittel weiter wachsen wird. In Europa – und auch in Deutschland – werden ebenfalls immer mehr gefälschte Arzneimittel gefunden.
In Entwicklungsländern und Industrieländern werden unterschiedliche Arzneimittel gefälscht. Während in Entwicklungsländern am häufigsten Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose oder HIV sowie Impfungen gefälscht werden, sind in Europa eher Lifestyle-Medikamente, Wachstumshormone und Schlafmittel betroffen.
Nach konservativen Schätzungen der WHO sterben mindestens 200.000 Menschen pro Jahr, weil sie gefälschte Medikamente erhalten, die ihre Erkrankung nicht behandeln. Nach anderen Schätzungen liegt die Zahl der Toten alleine durch gefälschte Malaria- und Tuberkulosemittel bei 700.000 pro Jahr.
Allgemein werden zwei große Gruppen von Fälschungen unterschieden:
1. Das Medikament selbst ist ein Original, befindet sich aber in einer gefälschten Verpackung. Dann hat ein Fälscher beispielsweise eine preiswerte Großpackung in viele kleine – und in der Summe teurere – Einzelpackungen aufgeteilt.
2. Stimmen weder der Wirkstoff noch die Verpackung, spricht man von einer Totalfälschung. Bei Totalfälschungen sind zwei wichtige Untergruppen zu unterscheiden: Fälschungen, die überhaupt keinen oder einen anderen Wirkstoff enthalten sowie solche, in denen zu wenig Wirkstoff enthalten ist. In jedem Fall bestehen unkalkulierbare Gefahren für den Anwender.
Fälscher ignorieren die Standards moderner Arzneimittelherstellung, daher sind die entstehenden Produkte meist von fragwürdiger Qualität. Die Einnahme einer Totalfälschung, die einen unbekannten Wirkstoff enthält, kann im schlechtesten Fall lebensgefährlich sein. Enthält die Fälschung keinen oder zu wenig Wirkstoff, kann – z.B. bei einem Antibiotikum – die ausbleibende oder unzureichende Wirkung ebenfalls lebensgefährlich sein.
Nahezu die Hälfte aller Medikamente in Angola, Burundi und im Kongo ist gefälscht und ca. zwei Drittel der Malariapräparate in Laos, Kambodscha, Burma und Vietnam enthalten ineffektive Bestandteile. Der Großteil aller Fälschungen stammt aus China und Indien.
Der beste Weg für Reisende, Kontakt mit Fälschungen zu vermeiden, ist der Verzicht auf den Einkauf von Medikamenten. Daher sollte die Reiseapotheke entsprechend ausgestattet werden: Notfallmittel sollten genauso wie individuell notwendige Dauermedikation vorab besorgt und zusammengestellt werden. Dies betrifft insbesondere auch Antibiotika sowie Mittel gegen Reisedurchfall und Malaria als Basisausstattung der Reiseapotheke. Da aufgegebenes Gepäck verloren gehen kann, sollten insbesondere Notfallmedikamente und Dauermedikation im Handgepäck mitgeführt werden. Hierfür sind entsprechende ärztliche Bescheinigungen mit Auflistung von Handels- und Freinamen der Medikation sinnvoll.
Falls zusätzliche Medikamente vor Ort eingekauft werden, sollten möglichst etablierte Apotheken und keine Straßenstände aufgesucht werden. Wenn der Preis deutlich gegenüber dem gewohnten ortsüblichen abweicht, sollte der Kauf vermieden werden. Typischerweise werden gefälschte Medikamente deutlich unter dem Preis der Originale verkauft. Medikamente sollten stets in ihrer Originalverpackung gekauft werden. Werden Tabletten in Tüten abgezählt, sollte der Kunde sich den Originalcontainer zeigen lassen und Name, Chargennummer und Verfallsdatum aufschreiben. Manchmal bringt kritisches Verhalten den Verkäufer dazu, doch noch Originalpräparate abzugeben. Wissen um das Aussehen von Originalmedikamenten (Größe, Form, Farbe, Geschmack) und der Packung hilft, zumindest plumpe Fälschungen zu erkennen.