10/01/2018
In der medizinischen Fachwelt ist man sich schon länger einig, dass die Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden weniger Nebenwirkungen hat, als in den letzten Jahren angenommen.
Lesen Sie hier einen Artikel aus dem MANNHEIMER MORGEN vom 9. Januar - mit einer Erklärung von Prof. Sütterlin, Direktor der Uni - Frauenklinik Mannheim:
WECHSELJAHRE: Neue Zahlen geben teils Entwarnung / Ärzte empfehlen Behandlung wieder häufiger
Die Rückkehr der Hormontherapie
Von unserem Redaktionsmitglied Madeleine Bierlein
Mannheim/Wiesbaden. Am Arbeitsplatz läuft plötzlich der Schweiß. Ohne ersichtlichen Grund. Dazu kommen Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und mitunter sogar depressive Verstimmungen. Mindestens jede dritte Frau leidet in den Wechseljahren unter derartigen Beschwerden. Während früher der Griff zu Hormonpräparaten das aus den Fugen geratene Gleichgewicht wieder ins Lot bringen sollte, versuchen viele Betroffene heute, aus Angst vor Nebenwirkungen sich mit Yoga, pflanzlichen Präparaten oder Schlafmitteln zu behelfen. Die Wirksamkeit sei aber häufig nicht durch Studien abgesichert, kritisieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).
„Frauen mit Wechseljahresbeschwerden sollten viel häufiger eine effektive, maßgeschneiderte Hormontherapie erhalten“, forderte die DGE jüngst in einer Stellungnahme. Symptome ließen sich damit oft sehr gut behandeln, erklärte etwa Cornelia Jaursch-Hancke, leitende Ärztin des Fachbereichs Endokrinologie an der DKD Helios Klinik Wiesbaden.
Die Zurückhaltung bei der Einnahme von Hormonpräparaten ist auf die Ergebnisse einer US-Studie der Women’s Health Initiative (WHI) aus dem Jahr 2002 zurückzuführen. Diese hatte ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs sowie für Thrombose, Schlaganfall und Herzinfarkte bei denjenigen Frauen festgestellt, die Hormone eingenommen hatten. Die Zahl der Verschreibungen sank laut DGE daraufhin um 80 Prozent.
Mittlerweile verdichten sich aber Hinweise, dass dies übertrieben gewesen sein könnte. So sei bei der Auswertung der Daten nicht bedacht worden, dass sich die Therapie in verschiedenen Altersstufen unterschiedlich auswirke, erklärte der Direktor der Frauenklinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), Marc Sütterlin, im Gespräch mit dieser Zeitung. Eine detailliertere Analyse habe gezeigt, dass Patientinnen zum Beginn der Wechseljahre weniger Nebenwirkungen hatten.
Konkret heißt das: Bei 1000 Frauen zwischen 50 und 59 Jahren, die fünf Jahre lang eine Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie erhalten, kommt es zusätzlich zur erwarteten Zahl zu drei Brustkrebserkrankungen und fünf Thrombosen. Die Zahl der Knochenbrüche sinkt um zwölf Fälle. Die Sterberate ist nicht erhöht.
Umdenken hat eingesetzt
Die neuen Erkenntnisse könnten sich nun in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie zur Hormontherapie niederschlagen, die derzeit überarbeitet wird. „Ich persönlich gehe davon aus, dass sie eher einen liberaleren Umgang empfehlen wird“, sagte Sütterlin dieser Zeitung. Derzeit wird lediglich bei der Behandlung von Hitzewallungen und Scheidentrockenheit zur Hormontherapie geraten.
In den vergangenen zwei Jahren hat nach Angaben von Sütterlin bereits ein Umdenken eingesetzt. „Bei Beschwerden, die belastend sind, und wenn keine besonderen Risikofaktoren vorliegen, gibt es unter Ärzten mittlerweile eine größere Bereitschaft, zu einer Hormontherapie zu raten.“ Die Daten zeigten, dass Frauen unter 60 Jahren keine erhöhte Sterblichkeit befürchten müssten, betonte Sütterlin.