08/11/2022
„So wichtig ist Schule nicht, so wichtig sind die Noten nicht, es kommt im Leben viel häufiger auf andere Dinge an, als gute Noten oder bestanden zu haben! ….
Sommer 2009, unsere Tochter studierte Medizin. In den letzten 14 Tagen hatte sie eine Prüfung nach der anderen und in den letzten 5 Tagen war sie fast hysterisch, was wir – und sie – noch nie erlebt haben. Sie hatte totale Prüfungsangst, dachte sie hätte zu wenig gelernt (was sicher möglich war) usw. usw. Es war das erste Mal, seit langem, dass ich mich wieder erinnere wie es früher, vor 12 Jahren war, als sie den Übertritt ins Gymnasium glücklich geschafft hat, wir viel zusammen gelernt haben, und nicht klar war, ob sie es weiter schaffen kann und will. Damals war die beste Entspannung für uns Eltern und für unsere Kinder der Hinweis: „So wichtig ist Schule nicht, so wichtig sind die Noten nicht, es kommt im Leben viel häufiger auf andere Dinge an, als gute Noten oder bestanden zu haben! Entspann’ dich, wenn du durchfällst, oder es nicht schaffst, machst du es später wieder.“
Diese Botschaft konnten wir als Eltern nur geben, weil WIR entspannt waren und Schule, Noten, Ziele, nicht dramatisiert haben und Schulabschlüsse nicht als den Dreh- und Angelpunkt in unserem Familienleben zugelassen haben. Schule war nicht unwichtig, es war ja schließlich die Arbeit unserer Kinder, aber es war auf keinen Fall DAS Zentrum, um das sich alles gedreht hat. Wir haben uns nicht an der Schulhysterie beteiligt, die viele Klasseneltern unserer Kinder betrieben haben, sodass deren Kinder mit Bauchweh regelmäßig in die Schulaufgabenprüfungen gingen. Und mit Angst vor den Reaktionen ihrer Eltern ihre Resultate nach Hause brachten. Diese Schulhysterie nützt niemandem (am wenigsten unseren Kindern) und wir Eltern dürfen uns nicht daran mehr beteiligen.
Schule gehört dazu, aber wir lassen uns als Familie nicht von Hausaufgaben, einzelnen Lehrern oder einer Aufnahmeprüfung das Leben kaputt machen! So wichtig ist die Schule nicht. Wir sind wichtig, wir Eltern, und unsere Kinder. Schule, Beruf kommt danach. Wenn es schon passiert ist und wir Schulpanik in der Familie haben, ist es Zeit zu klären wer was von wem will, wer lernt, wer will, was aus seinen Kindern wird, wer versteckte Botschaften sendet, für wen die Kinder lernen, wollen die Kinder überhaupt das lernen, sehen sie einen Sinn darin. Bildung wird heute verherrlicht als Allheilmittel für die Zukunft von uns allen. Das ist absurd. Bildung ist wichtig, aber es bleibt ein Mittel zum Zweck! Und den Zweck bestimmt jeder Mensch selbst. Und bis unsere Kinder diesen Zweck selbst bestimmen können, tragen wir als Eltern die Verantwortung wie unsere Kinder lernen unter Druck oder entspannt. • das sind Erfahrungen aus meiner Familie, und es hat sich gezeigt, dass diese Prüfungsangst nur eine kleine Episode im langen Schul-Unileben unserer Tochter war.
herzliche Grüße
Mathias Voelchert • bimw.de