16/01/2026
Vielleicht kennst Du das Gefühl, dass Du doch eigentlich alles hast, Geld, Kinder, Haus, Job, Mann. Und trotzdem fühlst Du immer wieder eine Leere oder Einsamkeit in Dir. Vielleicht verurteilst Du Dich auch dafür und denkst: Ich hab doch gar keinen Grund, mich schlecht zu fühlen.
Ich z.B. hatte erst gestern eine Situation, als ich auf dem Weg zu einem Termin war und einen alten Bekannten sah, der mich irgendwann mal auf unliebsame Weise abserviert hatte. Ich ging weiter, streckte meine Brust heraus und wollte erhobenen Hauptes davon schreiten.
Doch in mir meldeten sich leise Gefühle von Verlassensein und Minderwertigkeit. Ich dachte mir: „hey, was soll das jetzt? Der Typ war doch eh k***e (sorry!) und außerdem geht‘s dir doch gut. Du bist inzwischen verheiratet mit nem tollen Mann, hast Kinder und gehst deinen Weg.“
Aber die Gefühle blieben.
Aus meinen Erfahrungen bei der Aufstellungsarbeit war mir klar, dass da gerade etwas Altes aktiviert wurde in mir.
Wir alle sind geprägt von den Erfahrungen von unseren Eltern, Großeltern und aus den Generationen davor. In uns schlummert ein reicher Erfahrungsschatz neben unserem eigenen. Und bestimmte Situation wirken wie Weckrufe in uns, die uns auf diese alten Erfahrungen zugreifen lassen, ohne es zu merken. So kann es z.b. sein, dass wir uns oft schuldig fühlen oder bestimmte Ängste haben ohne den Auslöser dafür benennen zu können.
Nun stand ich also da mit meinen Gefühlen von Verlassensein und Minderwertigkeit. Mit Hilfe einer Aufstellung machte ich diese Gefühle sichtbar. Viel mehr noch. Ich schaute, woher diese Gefühle kamen. Es war mein Vater. Ich stellte weiter auf, was es hier brauchte und schon merkte ich, wie sich die Gefühle auflösten. Ich gab die übernommenen Emotionen wieder zurück, da wo sie hingehörten.
Danach fühlte ich mich wieder ganz bei mir und sehr friedlich und dankbar damit, wie es damals gelaufen ist.
An dem Beispiel erkennt man gut, wie viel Wirkung die Vergangenheit und die Schicksale unserer Vorfahren unbewusst auf uns haben. Und wie wichtig es ist, Frieden damit zu machen, um Frieden in sich zu schaffen.