04/03/2026
Dem prognostizierten Hausärztemangel könne man entgegenwirken, indem die Delegation von medizinischen Aufgaben an speziell qualifizierte Gesundheitsfachberufe innerhalb der Praxis noch stärker ausgebaut wird. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband weiß um notwendige Reformen seit langem und hat mit einem Versorgungskonzept Zeichen gesetzt: „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“ – kurz HÄPPI – ist in Baden-Württemberg bereits erprobt und nun in Bayern und Rheinland-Pfalz weiterentwickelt: Jede Fachkraft versorgt Patientinnen und Patienten nach ihren jeweiligen Kompetenzen in der Hausarztpraxis. Nicht jede Routinekontrolle einer gut eingestellten Patientin mit Diabetes muss beispielsweise zwingend von einer Ärztin oder einem Arzt gesehen werden. Das können auch entsprechend weitergebildete nicht-ärztliche Fachkräfte innerhalb der Praxen übernehmen. „Wir verteilen die Arbeitslast innerhalb der Praxen auf mehrere Schultern und können so die Versorgung unserer alternden Bevölkerung auch in Zukunft in gewohnter Qualität sicherstellen“, so Dr. Barbara Römer, Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes. „In vielen Praxen wird dies bereits gelebt und wir können als Pilotregion in sieben Hausarztpraxen des Landes richtungsweisende Ergebnisse zusammenführen.“ Neben der Delegation spielt der verstärkte Einsatz digitaler Instrumente eine große Rolle. Das Projekt wird durch das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit und der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland gefördert, ein Abschlussbericht liegt im Mai vor.
Römer knüpft eine Forderung an: „Damit sich Teampraxisstrukturen durchsetzen können, braucht es grundlegende Änderungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Honorarstrukturen. Bisher wird in der Regel nur bezahlt, was über den Schreibtisch der Ärztin oder des Arztes geht. Die Arbeit unserer Teams wird hingegen von den Krankenkassen kaum honoriert. Statt eines Arzt-Patienten-Kontaktes muss in Zukunft der Praxis-Patienten-Kontakt der Maßstab sein.“