25/05/2026
Bubbles & Thoughts
Somatische Skizzen
Im Nachklang einer Prozessbegleitung kommt mir das Wort "weitfallen" und es geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Das Wort beschreibt ein Gefühl meiner Klientin irgendwo zwischen loslassen, erden, fallen, sinken, ruhig werden.
Diese Momente liebe ich, die spürenden, somatischen Momente VOR dem Wort. Ein Wort beschreibt und benennt, was empfunden wird, im Soma, dem spürenden Leib. D.h. es gibt einen Raum, ein Empfinden, aus dem heraus sich ein Wort formt, entsteht. Auf diesen Raum bezieht und fokussiert sich die Somatische Körperarbeit. Was geht dem Wort voraus, was empfindest und spürst du, bevor du sagst: ich bin traurig, wütend, zittrig, es zieht, fühle mich unter Druck ... für mich geht einem Wort eine ganzes (somatisches) Universum an Fühlen voraus, das sehr differenziert beschrieben werden kann. Sich auf diese Ebene zu beziehen, sie wahrzunehmen ist ein Üben, ein bewusstes Sammeln von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit auf die somatische Spürebene. Das ist u.a. auch der Fokus meiner Somatischen Körper- und Traumaarbeit. Und für die meisten meiner KlientInnen ist genau das der Gamechanger innerhalb von Prozessen.
Zurück zum Wort "weitfallen".
Ich mag das Wort "loslassen" nicht. Es ist in seiner Verwendung überstrapaziert und wenig traumasensibel, überspringt viele wesentliche Prozessschritte.
Ich spiele noch mit "weitfallen", doch irgendwie ist es für mich das stimmigere "loslassen".
So ein Wort generiere ich nicht aus meinem Kopf, es entsteht aus meinem Empfindungen und es folgt ein Prozess von Verkörperung.
"Weitfallen" hat etwas Leichtes, fast Schwebendes und eine angenehme Weite, das Fallen bringt Erdung mit rein, ohne dabei zu fallen; "weit" hebt das Fallen auf. Es enthält Bewegung, Entwicklung und Prozess und nimmt die Angst vor dem möglicherweise Fallen können; "weit" fängt auf, bevor es zum Fall kommt.
Ich mag es, auf diese Weise mit Worten und Empfindungen zu spielen, auch mit meinen KlientInnen. Oft bekomme ich als Feedback, dass dadurch schwere Themen mit einer angenehmen Leichtigkeit angeschaut, gefühlt werden können, es Spaß macht, Phänomene, Symptome zu erkunden. "Ich komme mit einer dunklen Wolke zu dir ⬇️